Im Dauereinsatz: Warum die Feuerwehren im Landkreis Cham jetzt überall feiern

Was haben Lixenried, Eschlkam und Michelsneukirchen gemeinsam? Alle drei Orte feierten heuer 150 Jahre Jubiläum ihrer Feuerwehren. Und damit sind sie nicht alleine. Den meisten im Landkreis Cham wird aufgefallen sein, dass heuer besonders viele Feuerwehrfeste gefeiert werden.
Vor allem das 150-Jahre-Jubiläum ist wohl am prominentesten vertreten. Doch warum wurden so viele der 190 Feuerwehren im Landkreis vor mehr oder weniger 150 Jahren gegründet?
Alfred Silberbauer kennt die Antwort. Der 72-Jährige war bis 2018 für die FF Rimbach im Einsatz. „Die Geschichte der Feuerwehren hat mich schon immer interessiert“, erzählt er.
Nicht ganz zufällig schrieb er deshalb an einem Buch mit, welches sich genau mit dieser Thematik beschäftigt: Die Entwicklung des Feuerlöschwesens im Kötztinger Land, so der Titel.
Bei seinen Recherchen hat er nach eigenen Worten „vieles gelernt, vieles wusste ich aber auch schon davor“. Trotzdem ist er sich bei einer Sache sicher: „Hier gibt es ein paar wirklich interessante Geschichten zu erzählen.“
Eine schwere Geburt
Aller Anfang ist schwer. Und auch die Feuerwehrgründungen verliefen im 19. Jahrhundert erst einmal schleppend, erzählt Silberbauer.
„Die Gründungen erfolgten nicht immer freiwillig “, meint er. Es habe viel Druck auf die Dörfer und Gemeinden von oben gegeben. Dies würden laut Silberbauer auch eine Vielzahl von Briefen belegen.
„Viele haben damals gezögert, eigene Feuerwehren zu gründen“, sagt der 72-Jährige. Der Grund? „Es war einfach eine teure Angelegenheit, und das Geld war oft nicht da.“
Irgendwann sei der Bedarf aber so groß gewesen, dass sich die Feuerwehren trotzdem gründeten – und zwar vor ziemlich genau 150 Jahren. Eine Art Domino-Effekt habe dann bei den Gemeinden eingesetzt. Der Stein, der bei den Feuerwehren damals ins Rollen geriet, macht sich heute bei den Jubiläen bemerkbar.
Irgendwann habe sich auch die Stimmung in der Gesellschaft gedreht, so Silberbauer. „Die Leute haben dann verstanden, dass sie die Feuerwehr brauchen.“

„Die Mitglieder stammten schon damals aus allen möglichen Teilen unserer Gesellschaft“, so Silberbauer. Außerdem habe es besonders viele Lehrer gegeben, die das Amt des Kommandanten übernahmen. „Die waren vermutlich einfach gut für diese Art von Arbeit geeignet“, mutmaßt Silberbauer.
„Natürlich waren die Aufgaben der Feuerwehr vor 150 Jahren noch ganz andere“, sagt er und ergänzt: „Damals wurde hauptsächlich mit einem Eimer Wasser gegen die Flammen gekämpft.“
Während heute auch Autounfälle oder Naturkatastrophen in das Aufgabenspektrum der Feuerwehren fallen, war die Feuerwehr laut Silberbauer damals ausschließlich auf die Brandbekämpfung ausgelegt.
Höchstens die Nachbarhäuser konnten sie dann noch evakuieren. „Mehr gab es für die Feuerwehrmänner oft nicht zu retten“, meint er. Viel mehr sei mit den damaligen Mitteln schlicht nicht möglich gewesen.
Blick in die Zukunft
Und wann feiert die Feuerwehr von Alfred Silberbauer in Rimbach ihr 150-Jahre-Gründungsfest? „Erst im Jahr 2027, aber zurzeit ist ja sowieso schon genug los mit den vielen Festen im Landkreis“, sagt der 72-Jährige.
Auch in den nächsten Jahren erwartet die Bürger im Landkreis Cham noch das ein oder andere Gründungsfest. Viele holen auch ihre Jubiläumsfeiern aus der Corona-Zeit noch nach.