Gibt’s in Cham das Abi bald geschenkt? Gute Notenschnitte sorgen für Diskussionen

Von Nils Mayer · 13. August 2025 um 19:00

Auch wenn heuer in Bayern kaum Abiturprüfungen geschrieben worden sind, ist eine altbekannte Diskussion zurück im Rampenlicht: Ist das Abitur zu einfach? Der Deutsche Lehrerverband spricht gar von einer „Flut“ an Einser-Abis. Doch was ist dran an der Debatte? Die MZ hat bei drei Schulleitern aus dem Landkreis Cham und bei der Kultusministerin nachgefragt.

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Für Rudolf Zell, Schulleiter vom Robert-Schuman-Gymnasium, steht fest: „Es ist nicht so, dass die Schüler heutzutage schlauer sind als früher.“ Vielmehr habe sich der Unterricht und die Notengebung „massiv verändert“. Mündliche Noten haben laut Zell heute eine viel größere Bedeutung als noch vor ein paar Jahren.

Vergleich nicht sinnvoll

Außerdem hält es der Schulleiter nach eigenen Worten für „Unsinn“, Abiturjahrgänge über Jahre hinweg miteinander zu vergleichen. „Es hat sich so einfach etwas verändert. Die Schüler sind heute tagtäglich den Medien ausgesetzt, und auch die Lehrer bewerten ganz anders als vor 20 Jahren noch.“

Auf den Zug der zu leichten Abiturprüfungen will der Schulleiter deshalb nicht aufspringen: „Das Gymnasium ist kein Schlaraffenland und immer noch anspruchsvoll.“

Am anderen Chamer Gymnasium gesteht Schulleiter Uwe Mißlinger zumindest einen Trend ein: „Es ist schon so, dass es immer bessere Schnitte gibt.“

Das Gymnasium ist kein Schlaraffenland und immer noch anspruchsvoll.

Rudolf Zell, Schulleiter Robert-Schuman-Gymnasium

Dies sei aber kein Gymnasium-Problem, sondern eine Entwicklung, die der Schulleiter auch an Real- und Mittelschulen beobachte.

„Trotzdem ist das Abi nicht einfacher geworden“, stellt Mißlinger klar. Auch er sieht nach eigenen Worten die starke Gewichtung der mündlichen Noten als ausschlaggebend für die besseren Notenschnitte. Und wie viel Gewicht haben die mündlichen Noten? „Das traue ich mich fast gar nicht zu sagen“, meint er und ergänzt: „Inzwischen eins zu eins wie die schriftlichen Prüfungen.“ Kritisch sehe er diesen neuen Maßstab aber inzwischen nicht mehr. Viel mehr hätten nun noch mehr Schüler die Möglichkeit, das Abitur zu schaffen, und auch die Durchfallquote könne dadurch gesenkt werden.

„Auch Vorwürfe, dass heutzutage alle Schüler aufs Gymnasium gehen, sind reiner Populismus“, meint Mißlinger. In Cham sei eine solche Entwicklung zumindest nicht zu sehen. „Vielleicht in München, aber nicht bei uns.“

Birgit Maier, Schulleiterin des Benedikt-Stattler-Gymnasiums in Bad Kötzting, sieht die Diskussionen rund um die Abiturprüfungen als zu kurz gefasst: „In den Abiturschnitt zählen ja zwei ganze Jahre mit rein.“

Und auch die Abschlussprüfungen an sich seien immer noch herausfordernd. „Ich erinnere mich noch gut an meine Examensprüfungen, da kommt es dann auch immer auf Tagesform und ein bisschen Glück an“, erzählt Meier. Ein weiterer Grund für die guten Notenschnitte sind laut der Schulleiterin auch die Bewertungen der Lehrer. „Natürlich hat sich da etwas über die Jahre verschoben. Es sind auch einfach andere Lehrer-Generationen heute am Unterrichten.“

Und auch die bayerische Kultusministerin Anna Stolz positioniert sich eindeutig: „Bayern nimmt deutschlandweit einen Spitzenplatz in der Bildung ein. Das liegt auch an unserem hohen Anspruch und der hohen Qualität des bayerischen Abiturs. Daran hat sich in den letzten Jahren nichts geändert und daran werden wir auch weiter festhalten.“

Ein Blick auf die Zahlen verrät außerdem, dass von einer „Flut“ an Einser-Abis zumindest in Bayern nicht die Rede sein kann.

Ein Blick auf die Zahlen

Der Pressesprecher des Kultusministeriums Daniel Otto sagt dazu: „Insofern zeigt sich in Bayern keine signifikante Verbesserung der Landesschnitte. Der bayernweite Anteil der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die ihre Abiturprüfungen mit einem Notendurchschnitt mit einer 1 vor dem Komma bestehen, lag in den vergangenen Jahren im niedrigen einstelligen Bereich.“

Vermutlich wird es im nächsten Schuljahr erneut Diskussionen rund um die Abiturprüfungen geben. In Bayern und im Landkreis Cham scheint es jedenfalls aber keine „Flut“ an Einser-Abis zu geben – zumindest wenn es nach den Schulleitern und dem Kultusministerium geht.