Rattenplage im Lindenviertel: Vermüllungen rund um Schwandorfer Wohnblock nerven Anwohner

Von Jan Lange · 5. September 2025 um 19:00

Andreas Hochmuth ist stinksauer. „So geht es nicht weiter“, findet der 78-Jährige und zeigt auf den riesigen Müllhaufen vor dem Nachbarhaus in Schwandorf. Aufgerissene Müllbeutel, Pizzakartons und allerlei weiterer Unrat liegt verstreut neben den Mülltonnen. Die meisten Tonnen quillen schon über oder haben gar keinen Deckel mehr. Das zieht auch Ratten an. Unter den Folgen leiden die Hochmuths und andere Bewohner.

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Die sieben sich aneinander reihenden Wohnblöcke an der Lindenstraße in Schwandorf waren einst ein begehrtes Quartier. Für Eisenbahner errichtet, konnte man froh sein, hier eine Wohnung zu bekommen. Auch Andreas Hochmuth war früher bei der Bahn tätig und konnte in eine der mehr als 90 Wohnungen einziehen. Das war 1974. Damals wohnten vor allem Beamte dort, erzählt er. Er selbst habe ein Führungszeugnis vorlegen müssen, um einziehen zu können.

Doch die soziale Struktur in den Wohnblöcken ist längst gekippt. Heute stehen auf den meisten Klingelschildern ausländische Namen. Probleme habe es immer mal gegeben, meint der verärgerte Rentner. Aber da sei noch mit den Mietern gesprochen und das Ärgernis beseitigt worden. Andreas Hochmuth war selbst zwölf Jahre ehrenamtlicher Vertrauensmann. Er sei, stets mit einem Zeugen, zu dem Nachbar gegangen und habe ihn ermahnt, bestimmte Dinge zu unterlassen. Gegebenenfalls sei der Mieter ein weiteres Mal ermahnt worden – dann sei aber wieder alles in Ordnung gewesen.

Partys mit lauter Musik und viel Alkohol

Seit etwa zwei Jahren verschlimmere sich die Situation immer mehr, berichtet Hochmuth. Die Ratten, die durch den verstreuten Müll angelockt würden, sind zu einer Plage geworden. Nachts könne man durch die Geräusche der Nager oft nicht schlafen. 20 Ratten hätten schon auf den Mülltonnen gesessen, erzählt der Rentner.

Auf dem Grünstreifen vor den Hauseingängen sind überall Rattenlöcher zu sehen. Andreas Hochmuth hat diese mit Glasscherben und Steinen gefüllt. Geholfen hat es wenig: Die Nager würden einfach an einer anderen Stelle herauskommen, meint er. So etwas habe er in 51 Jahren, die er mittlerweile in der Lindenstraße wohnt, noch nicht erlebt, so der ehemalige Bahnmitarbeiter. Einmal sei ein Schädlingsbekämpfer vor Ort gewesen, weiß Hochmuth.

Der Schwandorfer ärgert sich aber auch über die Partys mit lauter Musik und viel Alkohol. Auf dem Grünstreifen hinter dem eigentlichen Garten haben sich einige Bewohner Sitzecken eingerichtet, wo sie regelmäßig feiern, sagt er. „Das ist ein richtiges Remmi-Demmi“, steht für ihn fest.

Möbel, Malerutensilien und allerlei anderer Unrat wurde hinterm Haus in Schwandorf auf einen großen Haufen geworfen. Selbst wenn der Müll beseitigt würde, liege wenig später wieder welcher da, meint Andreas Hochmuth. - Foto: Jan Lange

Erlaubt sei das nicht, denn die Fläche gehöre der Bahn und nicht zu den Wohnblöcken. Die betreffenden Mieter würde das aber nicht stören, sie würden den Flecken illegal nutzen. Er und seine Frau, die krank sei, könnten deshalb nachts oft nicht schlafen. Der 78-Jährige habe den einen oder anderen betroffenen Nachbarn schon mal angesprochen, sei dann aber von ihnen bedroht und beleidigt worden.

Neben den Partys gibt es auf dem Grünstreifen der Bahn auch Vermüllungen. Ein Haufen ist besonders groß. Möbel aller Art wurden weggeworfen. Aber auch Sondermüll wie Kleister und Farbe. Er habe schon die Polizei gerufen, sagt Hochmuth. Auch von der Stadt seien bereits Mitarbeiter vor Ort gewesen. Getan habe sich dennoch nichts, beklagt der 78-Jährige.

Ordnungsamt hat vor Ort kontrolliert

Auch in den jährlichen Bürgerversammlungen der Stadt Schwandorf werden Vermüllungen immer wieder angesprochen. Heuer hatte beispielsweise Lucia Mois mehrere Schandflecken angesprochen, so unter anderem das frühere Kaufland-Areal an der Industriestraße oder das Telekom-Gebäude neben Kolping an der Bellstraße. Die Stadt hatte darauf erklärt, dass sie bei Vermüllungen auf privaten Grundstücken nur schwer tätig werden könne. Es müsste die öffentliche Sicherheit gefährdet werden. Das sei bei Müllhaufen auf Privatgrundstücken nur selten der Fall.

Die Beobachtungen wurden anschließend an das zuständige Landratsamt weitergeleitet, da es sich um eine abfallrechtliche Angelegenheit handelt.

Andreas Hofmeister, Pressesprecher der Stadt Schwandorf über die Ergebnisse der Kontrolle des Ordnungsamtes

Von der Müllproblematik rund um den Gebäudekomplex in der Lindenstraße habe die Stadt Kenntnis, teilte Pressesprecher Andreas Hofmeister auf Anfrage mit. „Nach Bürgerhinweisen wurden durch den Außendienst des Ordnungsamts Kontrollen vor Ort durchgeführt. Die Beobachtungen wurden anschließend an das zuständige Landratsamt weitergeleitet, da es sich um eine abfallrechtliche Angelegenheit handelt“, so Hofmeister. Da es sich um Privatgrund handele, könne das städtische Ordnungsamt laut Pressesprecher keine weiteren Maßnahmen ergreifen.

Hochmuth sieht die Verantwortung, den Müll zu beseitigen, auch weniger bei der Stadt, sondern vielmehr beim Eigentümer und der beauftragten Hausverwaltung. Vor etwa zwei Jahren habe der Wohnkomplex laut dem 78-Jährigen einen neuen Besitzer bekommen. Auch eine neue Hausverwaltung sei damals beauftragt worden.

Der frühere Bahnmitarbeiter hält einen Brief der Hausverwaltung in den Händen, in dem er zu einer Nachzahlung von mehr als 100 Euro wegen Sondermüllkosten aufgefordert wird. Diese Summe will er auf keinen Fall zahlen, er sei ja auch nicht für die Vermüllungen und deren Beseitigungen verantwortlich. Dass die Kosten dafür auf alle Mieter der sieben Blöcke umgelegt werden sollen, will er nicht akzeptieren. Andreas Hochmuth hat deshalb auch den Mieterbund eingeschalten, der ihn bei seiner Haltung unterstütze.

Betroffener Mieter hat größeren Betrag investiert

Wie es der Zufall will, ist gerade jemand von der Hausverwaltung vor Ort – im ersten Gebäude soll eine Wohnung neu vermietet werden. Andreas Hochmuth steigert sich immer mehr in seinen Ärger hinein. Dies hilft ihm nicht viel, denn die Dame ist zwar von einer Hausverwaltung, aber sie ist nur als Subunternehmerin für den eigentlichen Hausverwalter tätig. Von dem erhalte sie die Aufträge, die dann auch erledigt würden.

So soll noch am Nachmittag der Müllberg vom Müllplatz der Eingänge 9a und 9b beseitigt werden. Sie weiß um die Probleme rund um den Wohnkomplex. Diese würden auch immer an den Hausverwalter weitergeleitet, versichert sie. Darüber hinaus könne sie aber nicht eigenständig tätig werden, erklärt sie immer wieder. Der Hausverwalter ließ eine Anfrage der MZ unbeantwortet.

Andreas Hochmuth wäre schon zufrieden, wenn die Vermüllungen vor dem Haus beseitigt würden. Stellt sich die Frage, warum er sich dies weiter antut und nicht längst eine andere Wohnung gesucht hat. Er habe eine größere Summe in die Wohnung investiert, begründet der Rentner sein Bleiben. Auch sei mit seiner kranken Frau ein Umzug kaum zu bewerkstelligen. So kann er nur hoffen, dass sich bald an den Zuständen etwas ändert.