Vor Dönerbude in Gruppe gefahren: Hat Verdächtiger Tage zuvor Mann mit Messer bedroht?

Noch immer treibt viele Schwandorfer die Frage um, weshalb ein Mann am Sonntagabend einen Leihwagen in eine Personengruppe in der Innenstadt gesteuert hat. Das Motiv ist weiter offen, heißt es auch am Mittwoch seitens der Polizei. Indes berichtet der MZ ein anonymer Anrufer von einer erschreckenden Begegnung mit dem Verdächtigen knapp zwei Wochen vor der Tat.
Er sei 24 Jahre alt und wohne in Schwandorf. Mehr möchte der Mann, der sich am Dienstag bei der Redaktion meldete, nicht von sich preisgeben – aus Eigenschutz. Er kenne den 27-jährigen Marokkaner, der in dringendem Verdacht steht, am Sonntag drei Menschen vor dem Antalya Dönerhaus in Schwandorf mit einem Auto erfasst und verletzt zu haben.
„Wir hatten vor Kurzem eine Auseinandersetzung“, sagt der 24-Jährige am Telefon. Der Vorfall soll sich am 18. August im Lindenviertel abgespielt haben. „Ich wurde dort mit einem Messer bedroht“, fährt der Anrufer fort – und zwar angeblich vom gleichen Mann, der knapp zwei Wochen später ein Auto in den Freisitz in der Friedrich-Ebert-Straße gelenkt haben soll.
Im Schwandorfer Lindenviertel aufgefallen
Vorangegangen sei ein Streit um eine Frau, wie der junge Mann am Telefon weiter schildert. Er habe sich bei der Polizei gemeldet, nachdem er dem Verdächtigen davongelaufen war. „Ich habe zu den Ermittlern noch gesagt, dass sich keiner wundern braucht, wenn demnächst etwas Größeres passiert – am Sonntag war es dann soweit.“ Und der Anrufer fragt sich: „Hätte man vielleicht früher handeln können?“

Tatsächlich hatte die Schwandorfer Polizei am 19. August einen Pressebericht über einen Vorfall in der Lindenstraße veröffentlicht, der sich mit den Aussagen des Anrufers deckt. Auch das Alter der beteiligten Personen stimmt überein. Die MZ hat bei der Polizei nachgefragt. Deren Sprecherin Melanie Bäumler bestätigt: „Der beschriebene 27-Jährige ist der Beschuldigte im Vorfall bei der Dönerbude.“ Ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung sei eingeleitet worden.
Bäumler widerspricht aber einer Aussage des Opfers. Der Polizei lägen keine Hinweise oder Aufzeichnungen vor, dass der 24-Jährige die Polizei nach dem Vorfall am 18. August ausdrücklich vor dem Tatverdächtigen gewarnt habe. „Es handelt sich bei diesem Vorfall vielmehr um einen zwischenmenschlichen Konflikt, bei dem die Beteiligten sich bereits kannten und persönliche Differenzen hatten.“ Generell sei eine Bedrohung ein schwerwiegender Tatbestand. Dieser führe rechtlich aber nicht automatisch zu einer Festnahme oder Ingewahrsamnahme. „Die Polizei trifft Maßnahmen auf Grundlage einer sorgfältigen Einschätzung der Gefahrenlage und der gesetzlichen Voraussetzungen“, erklärt Bäumler.
Polizeibekannt, aber nicht vorbestraft
Der mutmaßliche Verantwortliche für die Tat vor dem Dönerladen war also polizeibekannt. Das hatten die Ermittler bereits in einer ersten Stellungnahme am späten Sonntagabend bestätigt. Vorbestraft ist der 27 Jahre alte Marokkaner allerdings nicht, wie Joachim Diesch, Leitender Oberstaatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Amberg, auf Nachfrage mitteilt. „Es liegen lediglich zwei Vorahndungen bisher vor“, so Diesch.
Er war zu keiner Zeit ausreisepflichtig.
Ein Sprecher des Schwandorfer Landratsamts
Laut Auskunft des Landratsamts Schwandorf lebt der 27 Jahre alte Marokkaner schon seit 16 Jahren in Deutschland. Er sei im Alter von elf Jahren mit seiner Mutter regulär über das Visumverfahren als Familiennachzug zum hier lebenden Vater nach Deutschland gekommen.
Der Tatverdächtige sei zunächst im Besitz einer befristeten Aufenthaltserlaubnis zum Kindesnachzug gewesen. Seit November 2014 habe er eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis (Niederlassungserlaubnis). „Er war zu keiner Zeit ausreisepflichtig“, schreibt das Landratsamt. Folglich sei in der Vergangenheit auch kein Abschiebeverfahren zum Thema worden.
Dem Fußballverein den Rücken gekehrt
Vor der Tat ist der Marokkaner wohl nicht groß aufgefallen. Er nahm am gesellschaftlichen Leben teil, spielte als Verteidiger bei einem Verein im Landkreis Fußball. „Da hat es nie was gegeben“, sagte sein Vereinsfunktionär gegenüber der MZ.

Auch unter seinen Nachbarn war der junge Mann durchaus geschätzt. Erst vor wenigen Tagen berichtete ein Anwohner: „Er war immer freundlich und hat sogar den Kindern Schokolade geschenkt.“
Doch jüngste Aussagen von Wegbegleitern legen zumindest den Verdacht nahe, dass sich das Wesen des Tatverdächtigen zuletzt verändert haben könnte. Nach Aussagen des Fußballvereinsfunktionärs kehrte der junge Mann seiner Mannschaft den Rücken. Auch der besagte Nachbar hatte den Anschein, dass er zuletzt nicht mehr so nahbar gewesen sei. „Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, hat er mich nicht mehr gegrüßt. Aber vielleicht hat er mich auch nicht wahrgenommen.“
Mutmaßlicher Täter sitzt in Untersuchungshaft
Einen Tag vor der Tat vor dem Dönerladen verlor der Verdächtige nach MZ-Informationen auch noch seinen Führerschein. Er soll in Regensburg viel zu schnell gefahren sein. Der fehlende Schein hielt ihn am Sonntag aber wohl nicht davon ab, einen Leihwagen in den Freisitz vor dem Dönerladen in der Innenstadt zu lenken.
Nach einer kurzen Flucht hatte sich der Tatverdächtige der Polizei gestellt. Am Montag kam der Mann in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem versuchter Totschlag in drei Fällen vorgeworfen. Die drei Opfer konnten das Krankenhaus mittlerweile verlassen.