So fies: Seniorin (83) wurde Eimer mit Waldfrüchten geklaut – Geht ein Beerendieb im Seenland um?

Von Jan Lange · 4. September 2025 um 19:00

Derzeit sind in den Wäldern wieder jede Menge Pilz- und Beerensammler unterwegs. Auch Veronika Albrecht (83) wollte vor einigen Tagen Preiselbeeren in einem Wäldchen zwischen Heselbach und Waldheim im Landkreis Schwandorf holen. Doch der Ausflug verlief für die Heselbacherin anders als gedacht.

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In den Wald gehen und Beeren sammeln, das macht Veronika Albrecht seit 60 Jahren. Begleitet hatte sie dabei stets ihr Mann, der inzwischen verstorben ist. Und so muss die 83-Jährige die kleinen roten Beeren nun allein suchen.

Für Veronika Albrecht ist der Gang in den Wald nicht mehr so einfach. Nicht nur das Alter hinterlässt seine Spuren, auch mit gesundheitlichen Problemen hat sie zu kämpfen. Doch trotz starker Schmerzen fährt sie hin und wieder in den Wald zum Beerensammeln – ebenso am Dienstag vergangener Woche.

Mit dem Rad war sie am Nachmittag in das einige Hundert Meter entfernte Wäldchen zwischen Heselbach und Waldheim gefahren. Die Beerensuche verlief sehr gut. Dennoch behält sie den Tag in keiner guten Erinnerung. Der kleine Eimer sei schon fast voll gewesen, als sie sich noch einmal über die Sträucher beugte, um weitere Beeren zu pflücken. Ihr altes Rad stand am Wegesrand, am Lenker hing der Eimer mit den bereits gesammelten Beeren.

Keine Geräusche gehört

Sie sei etwa fünf Meter entfernt gewesen, erzählt die 83-Jährige. Als sie sich wieder zu ihrem Rad umdrehte, sei der Eimer verschwunden gewesen. Sie ist sich sicher: Ein fieser Dieb hatte ihr die gesamte Beerenernte geklaut. „Ich habe keine Geräusche gehört“, berichtet sie. Der Beerendieb muss sich ganz hinterlistig angeschlichen und zugegriffen haben. „Er muss mich beobachtet haben, und als ich mich mal nicht umdrehte, hat er zugegriffen“, vermutet die Heselbacherin.

Das Fahrrad habe der Täter stehen lassen, da es sich um ein circa 80 Jahre altes Gefährt handelt. Auch ihr bereits in die Jahre gekommenes Mobiltelefon habe der Dieb nicht mitgenommen, berichtet Veronika Albrecht. Mit Schmerzen habe sie sich nach dem Vorfall heimgeschleppt, sagt sie.

Zuhause habe sie sich hilfesuchend an einen Nachbarn gewandt, mit dem sie das kleine Waldstück nahe dem Steinberger Waldkindergarten noch mal absuchte. Vergebens – der Eimer mit den Preiselbeeren blieb verschwunden. Sie habe vor dem Diebstahl noch überlegt, wie sie mit dem Eimer zurückkomme. Die Antwort darauf hatte ihr der Täter abgenommen.

Er muss mich beobachtet haben, und als ich mich mal nicht umdrehte, hat er zugegriffen.

Veronika Albrecht über den möglichen Ablauf des Diebstahls

Vorerst traut sie sich allein nicht mehr dorthin, weil sie Angst hat, überfallen zu werden. Denn, so habe Veronika Albrecht von anderen Betroffenen erfahren, der Diebstahl ihrer Beeren sei nicht der erste Vorfall gewesen. Etwa vier Wochen zuvor sei einer anderen Frau aus Steinberg am See in einem benachbarten Wald bei Waldheim das Fahrrad samt Früchten und Blaubeerkamm gestohlen worden.

Auch in diesem Fall stand das Rad am Wegesrand. Als es die Betroffene kurz aus den Augen gelassen habe, sei es verschwunden gewesen. Ihr Sohn Werner habe noch beim Suchen geholfen, berichtet Veronika Albrecht. Einige Meter vom Tatort entfernt habe das Rad mitten auf dem Weg gelegen und sei total demoliert gewesen, weiß die 83-Jährige.

Und einer anderen Frau, die ebenfalls aus Steinberg am See kommt, seien in dem Wäldchen bei Waldheim auch die Beeren geklaut worden, schildert Albrecht.

Bei der Schwandorfer Polizei wurden im besagten Bereich und auch in den angrenzenden Waldstücken keinerlei Diebstähle angezeigt, teilt Polizeihauptkommissar Deniz Birol auf MZ-Nachfrage mit.

Vorfälle wurden nicht angezeigt

Das ist leicht zu erklären, denn Veronika Albrecht meldete den Vorfall nicht. Eine Anzeige bei der Polizei werde zwecklos sein, ist sie überzeugt. „Aber ein Förster müsste doch da mal durchfahren und kontrollieren“, findet die Heselbacherin. Den Förster habe sie einen Tag vor dem Vorfall getroffen, erzählt die Rentnerin. Da habe er sie gefragt, ob sie denn ein paar Beeren finde.

Das betreffende Wäldchen ist etwas abgelegen von der B85 und durch die momentane Vollsperrung der Bundesstraße zwischen Wackersdorf und Lohbauer-Kreuzung auch nur über Umwege zu erreichen. Deshalb vermutet die 83-Jährige, dass der oder die Täter Ortskenntnisse gehabt haben müssen.

Das ist erlaubt und das ist verboten

• Eigenbedarf: Die gesammelten Preiselbeeren dürfen nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt sein.

• Menge: Es dürfen nur kleinere Mengen gesammelt werden.

• Schonung: Sammler sollten darauf achten, die Pflanzen bei der Beerensuche nicht zu beschädigen.

• Geschützt: Das Sammeln ist in Naturschutzgebieten, Schonungen und anderen geschützten Bereichen nicht erlaubt.

• Betretungsverbot: Das Sammeln ist nur in Wäldern erlaubt, die auch betreten werden dürfen.

• Bußgeld: Das Sammeln großer Mengen zum Zweck des Verkaufs kann ein Bußgeld nach sich ziehen.