Wie kinderfreundlich ist die Regensburger Altstadt? Zwei Mütter wünschen sich mehr Angebote

Cafés gibt es in Regensburg viele, sagen Sarina Pelzer und Veda Ostermeier – doch nicht überall sei es in Ordnung, mit Kindern zu kommen. Dass es einen Wickeltisch und genügend Platz für den Kinderwagen gibt, sei ebenfalls nicht selbstverständlich.
Wind- und wetterfest sind Sarina Pelzer und Veda Ostermeier. Auf den Spielplätzen in der Stadt sind sie mit ihren Kindern auch bei bewölktem Himmel und Regenschauer unterwegs – und doch würden sie sich wünschen, dass es in Regensburg mehr Angebote für Familien mit kleinen Kindern gibt. „Es ist nicht so, dass es gar nichts gibt“, sagt Sarina Pelzer. „Aber die meisten Einrichtungen eignen sich dann doch mehr für etwas größere Kinder.“
Schade finden es die beiden, dass es das Café Kona nicht mehr gibt. Nach einem Inhaberwechsel sperrte die Institution am St.-Kassians-Platz, in der es zuletzt auch ein großes Angebot an Brettspielen gab, vor kurzem zu. Zu den Gründen für die Schließung wollte sich der Betreiber gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. An den Eltern ist dieser Wegfall jedoch nicht spurlos vorübergegangen.
Das Café Kona am St.-Kassians-Platz fehlt
An den Eltern ist dieser Wegfall jedoch nicht spurenlos vorübergegangen. Seit es das Familiencafé mit Platz zum Spielen nicht mehr gibt, fehle etwas in der Stadt, findet Veda Ostermeier. „In größeren Städten gibt es viele solcher Konzepte. Teilweise zahlt man dann auch für jedes Kind pro Stunde einen Euro – aber dafür wird jede Menge Spielzeug bereitgestellt und es ist genügend Platz da, um sich zu bewegen.“ Die 34-Jährige, die Erfahrung im Gastrobereich hat, sagt aber selbst: „Ich kann mir gut vorstellen, dass man mit einem Familiencafé nicht das Geld macht, wie mit einer Bar.“
Cafés gebe es zwar in der Domstadt zur Genüge, sagt Sarina Pelzer. Nicht überall sei es jedoch in Ordnung, mit Kindern zu kommen. „Im Kona war schön, dass man die Kinder beim Spielen im Blick hatte – aber sich trotzdem bei einem Kaffee gut unterhalten konnte“, sagt sie. Dass eine Wickelgelegenheit und genügend Platz für den Kinderwagen vorhanden ist, sei nicht in allen Lokalen selbstverständlich. „Es gibt Läden, in denen das Personal sehr nett und unfassbar kinderfreundlich ist“, sagt die 35-Jährige. „Aber es gibt eben auch Orte, wo man das Gefühl hat, dass die Kinder ein Störfaktor sind.“
Es gibt Läden, in denen das Personal unfassbar kinderfreundlich ist. Aber es gibt eben auch Orte, wo man das Gefühl hat, dass die Kinder ein Störfaktor sind.
Sarina Pelzer, Mutter aus Regensburg
Einrichtungen wie das Mehrgenerationenhaus in der Ostengasse, den Spielbrunnen am Neupfarrplatz oder Veranstaltungen für Kinder in der Stadtbücherei oder auf dem Bio-Donaumarkt würden sie zu schätzen wissen. „Aber für die ganz Kleinen fehlt einfach ein wenig“, sagt Sarina Pelzer.
Regensburg ist „kinderfreundliche Kommune“
Auf Nachfrage unserer Zeitung, welche Angebote es für Kleinkinder gibt, nennt auch die Stadt Regensburg das Mehrgenerationenhaus und die Stadtbücherei. In Sachen Gastronomie verweist die Stadt auf das Degginger in der Wahlenstraße – das sei „ein beliebter Treffpunkt für junge Familien“.
Zudem gebe es weitere Angebote wie etwa musikalische Früherziehung für Kinder ab drei Jahren, Kurse in Form von Babyschwimmen, Baby-Yoga, „Krabbelkonzerte“ sowie PEKiP-Gruppen – ein gruppenpädagogisches Konzept für Eltern und Babys im ersten Lebensjahr.
Die Stadt sei als erste „Kinderfreundliche Kommune“ in Bayern ausgezeichnet worden. „Damit Kinder, Jugendliche und auch Eltern in Regensburg gut leben können, werden kinder- und jugendfreundliche Strukturen kontinuierlich gestärkt und verbessert“, heißt es auf der Website der Stadt.
Was brauchen Familien im Alltag?
Mütter wie Sarina Pelzer und Veda Ostermeier, die mit ihren Kindern viel in der Stadt unterwegs sind, sehen hier allerdings noch Luft nach oben. Angebote wie Baby-Yoga oder Schwimmkurse seien, schon rein preislich, nicht für alle Eltern durchgehend realisierbar.
„Es wäre schön, wenn man die Eltern befragen würde, was Familien im Alltag brauchen – zum Beispiel in Form einer offenen Umfrage. Nicht nur mit Ja- oder Nein-Fragen zum Ankreuzen, sondern in einem Format, in dem man auch einen kleinen Text schreiben kann“, sagt Sarina Pelzer.
Der Leerstand ist da
Damit ein Betreiber sich wieder an ein Familiencafé wagt, würde sich Veda Ostermeier wünschen, dass entsprechende Konzepte von der Stadt unterstützt würden. „Vielleicht gibt es ja Fördertöpfe oder andere finanzielle Mittel, die man dafür nutzen kann – der Leerstand ist ja da.“
Vielleicht gibt es finanzielle Mittel, die man nutzen kann. Der Leerstand ist ja da.
Veda Ostermeier, Mutter aus Regensburg
Seitens der Stadt heißt es allerdings, dass es keine gesonderte finanzielle Förderung für Familiencafés gebe. Im Stadtgebiet würden sich aber eine Reihe von „Familienstützpunkten“ befinden, die unter bestimmten Voraussetzungen staatlich gefördert werden – im Zentrum etwa das Evangelische Bildungswerk Regensburg.
Info: Wohin mit Kind?
• Cafés: Eine Übersicht über familienfreundliche Cafés bietet die Internetseite Mama Maps. Unter www.mamamaps.com kann deutschlandweit, aber auch gezielt nach Einrichtungen in Regensburg gesucht werden. Aufgeführt ist dabei auch, ob es zum Beispiel einen Wickeltisch gibt.
• Aktionen: In der FamilienApp der Stadt Regensburg (www.regensburger-familienapp.de) sind aktuelle Aktionen, Kurse und weitere Veranstaltungen aufgelistet.
• Spielplätze: Auf der Website der Stadt gibt es außerdem eine Übersicht über alle Spielplätze im Stadtgebiet.