Wo die Regensburger am liebsten wohnen – Der große Überblick

Stadtamhof, Westen und Altstadt bieten viel. Für das Lebensgefühl werden hohe Mieten in Kauf genommen. Jenseits der Donau liegt das lebendigste Feierviertel. In der Regensburger Altstadt kann man in einem stilvollen Jahrhundertwendehaus residieren - und im Westen ziehen Grün und Donaubuchten die Leute an. Aber ein wenig Kritik gibt es doch.
Die Domstadt geizt nicht mit Atmosphäre. Am liebsten aber leben die Regensburger in Stadtamhof, in der Altstadt und im Westen. Das stellt der Cityreport Regensburg 2025 des Immobilienverbands Deutschland-Süd fest. In diesen Quartieren klettern die Mieten in schwindlige Höhen. Im Armutsbericht der Stadt kommen sie nicht vor.
Stadtamhof: Hippe Ausgehmeile und grünes Donau-Ufer
Der kleinste Stadtteil wurde 981 als „Scierstadt“ erstmals erwähnt. Heute bezaubern bunte Häuserreihen, inhabergeführte Läden und angesagte Lokale. Doch Hausbesitzer haben viele Mietwohnungen in Ferienapartments umgewandelt. Das treibt die Mieten nach oben. Marlis Teufel, die in Stadtamhof wohnt, ist an der Donau unterwegs. Die 33-Jährige findet es wunderbar, dass sie schnell in der Innenstadt ist, aber auch in der Natur. „Man kann beides innerhalb von fünf Minuten haben.“ Die Donaunähe liebt sie. Und dass immer etwas los ist. Für den täglichen Bedarf gibt es alles. Eine Apotheke fehle. Nach Beobachtung von Teufel ist Stadtamhof touristisch geworden.

Die Scherben an Dulttagen und die Autoposer-Runden müssten nicht sein. Die Informatikerin freut sich auf die Verkehrsberuhigung. Sie möchte nirgendwo anders wohnen. 2500 Einwohner zählt das Quartier, in dem laut Sozialindex nur wenige Bürgergeldempfänger wohnen und der Anteil der Alleinerziehenden an den Familien bei 24 Prozent liegt. Anna Schneider joggt am Fluss. Sie wohnt in der Altstadt, würde aber gerne nach Stadtamhof wechseln. Bisher hat sie nichts gefunden. Es eilt nicht. Die 36-Jährige mag die Atmosphäre in Stadtamhof. „Es ist das Genießerviertel, mit Kuchenbar und Cafés.“ Manchmal, wenn sie Rad fährt, gehen ihr die Touristen auf die Nerven. „Aber es ist auch schön, dass die Stadt Leute anzieht. Es liegt am Zeitdruck, wenn mich das stört.“ Schneider hofft, dass sich Stadtamhof das Ursprüngliche bewahrt.
Der Westen: Ruhige Gegend mit Top-Versorgung
Mit 30 100 Bewohnern ist der Westen heute das Viertel mit den meisten Leuten. Zur Erholung steuern die Menschen den Baggersee, das Westbad und die Flussstrände an. Der Donaupark ist mit 60 Hektar das größte innerstädtische Freizeitgebiet. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und Infineon sind wichtige Arbeitgeber. In der Klinik versorgen rund 3800 Mitarbeiter 46 000 stationäre und 150 000 ambulante Patienten im Jahr. Beim Chiphersteller verdienen mehr als 3000 Fachleute ihr Geld.
Einst war der Westen ein Ausflugsziel. Ein Strandbad, Gasthäuser und Grün zogen die Städter an. Urkundlich wurde Prüfening erstmals im Jahr 1000 als „Bruveningun“ erwähnt. In den 1920er-Jahren hoben hier Maschinen von einem kleinen Flugplatz ab. Mit der Lufthansa konnte man für 25 Mark nach München fliegen.1938 wurde der Westen eingemeindet. Im Krieg zerstörten alliierte Bomber die Messerschmitt-Flugzeugwerke. Später bauten hier wohlhabende Städter ihre Sommersitze. In den 1950er-Jahren begann dann das große Bauen.

Vor einem Wohnblock in der Puricellistraße hebt eine Frau einen Karton aus dem Kofferraum ihres Wagens. Die 25-Jährige findet das Wohngebiet sehr schön. Rewe, Norma, Penny und das Westbad liegen in der Nähe. „Man hat eine gute Busverbindung zum Hauptbahnhof“, lobt die Krankenschwester. Das einzige Manko: Wenn sie um 22 Uhr vom Dienst zurückkehrt, macht sie einen großen Bogen um den benachbarten Norma-Parkplatz. „Ich fühle mich ein bisschen unsicher wegen der Leute, die dort abhängen. Ich bin halt eine junge Frau und das ist eine Gruppe junger Männer.“ Sevgyu Mehmed schiebt den Buggy mit Tochter Azra über den Norma-Parkplatz. Sie schätzt die Ruhe im Westen. Von der Kita bis zur Apotheke liegt alles in Fußweite. „Ich bin zufrieden.“ Bekannte wohnen beim Hauptbahnhof und beim Alex-Center. Dort sei es nachts laut. „Wahrscheinlich kann man abends nicht alleine spazierengehen“, vermutet sie. „Im Donaupark habe ich keine Bedenken.“ Katja Lindner wohnt am Rennplatz. Der Filialleiterin (49) ist die Nähe zur Arbeit und zur Natur wichtig. Beides erreicht sie schnell mit dem Rad.
Altstadt: Pralles Leben - und alles vor der Haustüre
18 000 Menschen wohnen im historischen Zentrum. Die Zahl der Arbeitslosen und der Bürgergeldempfänger ist niedrig. Allerdings sind laut Sozialindex fast 40 Prozent der Familien alleinerziehend. Hunderte Mietwohnungen wurden in Ferienapartments umgewandelt – ob in der Tändlergasse, am Neupfarrplatz oder am Arnulfsplatz. Doch wer hier wohnt, kann jeden Abend zu Fuß ein anderes Konzert, Theaterstück oder Restaurant besuchen. Architekt Kai Jacky verkauft im Schmankerl-Laden Frida in der Ostengasse.

Mit Kind und Partnerin hat er auch in der Gasse gewohnt. Inzwischen sind sie in den Westen gewechselt, weil sie mehr Platz brauchen. „In der Altstadt hat man alles vor der Nase“, sagt der 33-Jährige. Am Altstadtleben teilzunehmen und in den Gassen zu schlendern, gefällt ihm. „Man entdeckt viel und kann sich treiben lassen.“ Nachteil: der Lärm durch Lieferverkehr und Feste. Dass so viele Autofahrer die Sperrung in der Ostengasse ignorieren und über Spielstraßen Richtung Bayernmuseum ausweichen, sieht Kai Jacky kritisch. Seiner Meinung nach hätte die Ostengasse mehr Potenzial.

Benedikt Reichenbach führt seinen Hund beim Bayernmuseum aus. Er genießt die historischen Bauten in der Altstadt. Reichenbach sagt, er kenne keine andere Stadt, deren historischer Kern so gut erhalten ist. Das Grün vermisst der 34-Jährige ein wenig. In den Gassen an Touristenscharen vorbeizukommen, sei oft schwierig. „Man will dem Alltag nachgehen und muss sich durch Gruppen drängen.“ Nachts seien erstaunlich viele Partygänger – und Betrunkene – auf Achse. Die Hauswände verstärkten den Lärm. „Was ich schon an Liebeserklärungen und Streit gehört habe!“ Den Dozenten für Sprecherziehung stört der Krach zum Glück nicht. Er hat in Berlin gelebt. Zuweilen denkt er über ein Domizil in Stadtamhof nach.