Das Chamer Rundfunkmuseum begeistert Besucher – und steht vor einer Herausforderung

Von Johannes Lesser · 4. September 2025 um 15:12

„Drei Stunden und 20 Minuten haben wir im Museum verbracht und es war sehr kurzweilig“, „Ein absolutes Highlight, kann ich nur empfehlen“, „Man merkt sofort, dass die Betreiber es mit Herzblut machen“ oder auch „Hoffentlich bleibt uns dieses Museum noch lange erhalten“: Diese Zitate sind ein Auszug aus der langen Liste der öffentlichen Google-Bewertungen für das Chamer Rundfunkmuseum.

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Knapp zwei Jahre nach seiner Neueröffnung erhält das Museum Anerkennung von allen Seiten und steht gleichzeitig vor einer großen Herausforderung. Ein Name, der untrennbar mit dem Museum verbunden ist, ist der von Michael Heller. Er ist Gründer, Leiter und Sponsor in Personalunion. Aus dem Hobby, das er sich nach dem Eintritt ins Rentenalter ausgesucht hatte, ist inzwischen eine ernsthafte Sache geworden.

Ich hätte nicht geglaubt, dass wir mal so einen Ausbauzustand bekommen wie jetzt.

Museumsleiter Michael Heller

In dieser Größenordnung auch für Heller eine Überraschung: „Ich hätte nicht geglaubt, dass wir mal so einen Ausbauzustand bekommen wie jetzt. Das ist also schon ein Traum, dass das so gekommen ist, auch mit dem Physikbereich und so weiter, dass es mit Abstand das größte Rundfunkmuseum in Deutschland geworden ist. Das erfüllt mich also schon mit Freude.“

Großer Ausbau nach Corona

Heller selbst machte seinerzeit eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. Wenige Jahre später übernahm er ein Radiogeschäft in Janahof und baute es über die Zeit aus. Neben dem Geschäft entstanden weitere Unternehmen, darunter das Marketingunternehmen Heller Mailing GmbH. Zu ihr gehört das ehemalige Telekom-Gebäude in der Sudetenstraße. Seit der Neueröffnung 2023 stehen jetzt die gesamten 1800 Quadratmeter für das Museum zur Verfügung.

Auf der Fläche: mehr als 3000, eher 4000 Exponate in aufwendig gestalteten Räumen von den Anfängen der Technik bis zur Gegenwart, inklusive einem Physiklehrpfad mit zahlreichen Mitmachstationen im Erdgeschoss. Eine Besonderheit: Die meisten der Geräte sind noch voll funktionsfähig. „Das ist vielleicht ein großer Teil unserer Kernkompetenz“, beschreibt es Heller. Er und sein Team von Gleichgesinnten haben die Exponate wieder in Gang gebracht.

Wie behält man darüber den Überblick? „Das ist manchmal nicht ganz einfach“, gesteht Michael Heller und fügt an: „Aber alles, was wichtig und bedeutend ist, ist im Museum ausgestellt, katalogisiert und beschrieben.“ Hinter dem Museum stehen zwei gemeinnützige Vereine: der Träger- und der Förderverein. Erstgenannter ist ein kleiner Kreis von acht Personen, der Förderverein ist deutlich größer besetzt. Mehr als 350 Mitglieder aus ganz Deutschland, unter ihnen Professoren, Physiker, Lehrer und Ingenieure, aber auch Studenten, sind im Verein aktiv und bringen auch ihr Wissen ein.

Der harte Kern des Vereins – etwa 25 Leute – trifft sich einmal im Monat im Museum, der „ganz harte Kern“ jeden Dienstag. Heller selbst verbringt an die 70 Stunden pro Woche im Museum. Ohne Urlaub, ohne Krankheitstag. „Das ist mein Urlaub. Das ist für mich der schönste Ort, wo ich mich aufhalten kann. Das passt mir einfach“, beschreibt es Heller.

Wir machen alles selber, was irgendwie selber zu machen geht.

Museumsleiter Michael Heller zur Sparsamkeit im Museum

Was die Finanzen angeht, sind sie im Museum sehr sparsam unterwegs: „Wir machen alles selber, was irgendwie selber zu machen geht“, so Heller. Ein Großteil der Arbeiten im Museum findet ehrenamtlich statt. Die Einnahmen kommen hauptsächlich von den Besuchern, einer Förderung der Stadt Cham und dem Förderverein.

Und von Hellers Engagement und dem seiner Firma – ein Großteil des Museums ist in Eigenregie entstanden. Wie viel er inzwischen in das Museum investiert hat? „Das waren schon zwei Einfamilienhäuser, mindestens. Also größere Einfamilienhäuser“, so Heller. Bei der Erweiterung im Jahr 2023 gab es außerdem einen Zuschuss von der Landesstelle der nichtstaatlichen Museen und dem Kulturfonds Bayern, die insgesamt mehr als 200 000 Euro beisteuerten.

Das Museum ist fertig

„Ich hätte das Museum nicht angefangen, wenn ich mir das nicht hätte leisten können – obwohl ich kein Krösus bin“, beschreibt es Heller, der sich aber auch die Frage stellt, wie es in der Zukunft nach ihm weitergehen könnte. Grundsätzlich sei alles fertig, investiert werden müsse nichts mehr, für die laufenden Kosten brauche es aber Unterstützung.

Hellers Hoffnung liegt auf der Akquise zusätzlicher Sponsoren, den öffentlichen Geldgebern, namentlich Landkreis, Bezirk und Land. Zudem ist das Team hinter dem Museum bestrebt, eine Anerkennung als Unesco-Kulturerbe in der Kategorie „Beispiel guter Praxis der Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ zu erlangen.

Im Februar gab es Anerkennung von der höchsten Seite im bayerischen Museumsbetrieb: 18 Vertreter des Deutschen Museums besuchten die Chamer. Deren Kuratorin für Elektronik und Nachrichtentechnik zeigte sich in einer E-Mail am Tag darauf sehr angetan: „Ich kann nur konstatieren: welch wunderbarer Bildungsort, der einerseits dazu einlädt, das technische Erbe auf mehreren Ebenen zu erkunden und dabei sehr anschaulich die physikalisch-technischen Grundlagen der Kommunikations- und E-Technik zu erfahren.“

Bei den Worten allein blieb es nicht: Bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Museums in München zählte das Team des Rundfunkmuseums mit unterschiedlichen Vorstellungen zu den Attraktionen im Bereich Elektronik. „Das war für uns natürlich schon so ein Ritterschlag“, sagt Heller zu dieser Form der Anerkennung.

„Chamer kommen zu wenig“

Auch der langjährige Generaldirektor Prof. Dr. Wolfgang Heckl war bereits zweimal zu Besuch und ist Ehrenmitglied im Förderverein. Insgesamt sei der Kontakt mit den Vertretern der Münchner Museumsinstitution direkt auf Augenhöhe gewesen. Doch nicht nur von der akademischen, auch von der Seite der regulären Besucher gibt es positive Rückmeldungen, wie die Onlinebewertungen zeigen. „Das ist unser Lohn“, beschreibt es Heller, „unser Lohn ist eigentlich, dass wir diese Gesichter, diese Begeisterung in den Gesichtern der Besucher sehen“.

Was noch ein bisschen abgeht, „warum wir immer traurig sind: Chamer kommen zu wenig. Also der Normalbesucher, der hat sicher noch eine Hemmschwelle“. Sie will der Museumsleiter ermutigen: „Bei uns ist alles da: Geschichte, Technik, Musik, Originalbeiträge aus der Geschichte, unsere Senderkette, die wir aufgebaut haben, die zwölf stärksten Mittelwellensender der 30er Jahre, die kann man ja bei uns mit Originalbeiträgen hören. Das sind alles Dinge, wenn wir das vorgeführt haben, dann sagen die Leute: Wow.“

Das nächste größere Projekt für das Team des Museums steht kurz bevor: Am 13. und 14. September findet das „Große Museumsfest“ statt. Geplant sind beispielsweise eine Live-Radio-Show, Fachvorträge, eine Hochspannungsshow und eine Verlosung. Für Kinder und Jugendliche gibt es ein eigenes Programm. Zu Gast sind beispielsweise Vertreter des Bayerischen Rundfunks, des Deutschen Museums, der Uni Regensburg und des Unternehmens Rohde & Schwarz. Auch zwei Jahre nach der Neueröffnung wird es im Rundfunkmuseum nicht still.

Informationen für Besucher

Das Museum ist immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. An anderen Tagen ist eine Gruppenbuchung möglich. Der Eintritt liegt bei 7,50 Euro für Erwachsene und fünf Euro für Jugendliche. Für Kinder bis zehn Jahren ist der Eintritt frei.