Ein Ritterschlag für das Chamer Rundfunkmuseum

Cham. Der 5. Februar war ein großer Tag für die Führungscrew des Chamer Rundfunkmuseums. Eine 18-köpfige hochkarätige Delegation aus Wissenschaftlern, Kuratorinnen, Kuratoren und Besucherbetreuern des Deutschen Museums München wollte sich Anregungen holen und den Erfahrungsaustausch mit den Chamern suchen. Die Begeisterung am Ende des Tages mündete in eine Gegeneinladung. Museumschef Mich Heller: „Auf Augenhöhe mit den Leistungsträgern des größten Technikmuseums der Welt zu sein und deren ehrliche Bewunderung zu spüren, das ist schon ein Ritterschlag“.
Die Organisatorin des Treffens, Dipl. Ing. Luise Allendorf-Hoefer, Kuratorin für Elektronik und Nachrichtentechnik am Deutschen Museum in München, schrieb in ihrer Mail am Tag darauf: … „wir alle waren absolut beeindruckt von der Vielfalt der Ausstellungsobjekte, all den Demonstrationen und Experimenten und von den wichtigen Themenschwerpunkten“.
Und weiter: „Ich kann nur konstatieren: welch wunderbarer Bildungsort, der einerseits dazu einlädt, das technische Erbe auf mehreren Ebenen zu erkunden und dabei sehr anschaulich die physikalisch-technischen Grundlagen der Kommunikations- und E-Technik zu erfahren. Ich persönlich habe dabei natürlich genau ,meine‘ Themen gefunden, die wir im Deutschen Museum umbaubedingt gerade leider nicht zeigen können. Unser aller Fazit ist ein großes Lob für Ihr Haus und Ihre Gastfreundschaft!“
Die Gruppe war am Bahnhof in Cham von sechs Fördervereinsmitgliedern abgeholt worden. Zwölf Fördervereinsmitglieder betreuten die Gäste.
In einer Präsentation stellte Heller das Museum vor. Er zeigte die Stärken und die Schwächen auf und stellte die Finanzierungsaspekte dar. Ungläubiges Staunen herrschte darüber, mit welch geringen Mitteln dieses Museum geschaffen wurde und unterhalten wird. Heller skizzierte humorvoll eine Vision: Zweigstelle des Deutschen Museums.
Die Live-Vorstellung begann mit der Hochstrom- und Hochspannungsshow von Mich Heller und Tilman Betz. Aufmerksam verfolgte Dr. Frank Dittmann, Kurator Energietechnik, Hochspannung und Robotik am Deutschen Museum, das Gebotene. Er war maßgeblich am Aufbau der alten Hochspannungsabteilung beteiligt und ist mit der Planung der neuen befasst. Singende Tesla-Trafos, spektakuläre Gauss-Kanonen, ein Nachbau des allerersten Lasers von 1960 – in Funktion – oder der Einblick in die Anfänge der Quantenphysik mit den Lichtspektren in der großen Ulbrichtkugel machten Eindruck. Ein rauchendes Häuschen nach Blitzeinschlag und ein Feuerwerk per Drahtexplosion sind weitere Highlights.
Bevor der restliche Physiklehrpfad und der Techniklehrpfad erkundet wurden, ging es in die historischen Räume im Untergeschoß. Die Münchener baten darum, die obligatorischen Führungen abzuhalten.
Besonders bewundert wurden die beiden selbst entwickelten Kleinsendeanlagen. Damit werden im Raum der 1930er Jahre die zwölf seinerzeit stärksten Sender mit Programmen dieser Zeit auf Originalgeräten empfangen. Auch ausländische Sender wie Beromünster, Wien, Prag, BBC London, Radio Moskau oder Hilversum sind dabei. Weitere neun Stationen werden im Raum 1950er/1960er Jahre eingespielt und vermitteln ein Original-Mittelwellenfeeling, als beim Drehen am Abstimmknopf Sender auf Sender folgte.
Bei Einzelgesprächen wurde deutlich, dass auch das Deutsche Museum trotz eines riesigen Etats mit Problemen kämpft. Die Chamer wurden dabei beneidet um die Unabhängigkeit und Freiheit bei Entscheidungen. Man war sich einig, dass nur mit dieser Freiheit und der damit einhergehenden Schaffensfreude diese Aufbauleistung im Ehrenamt zustande kommen konnte. Katja Rasch, Kuratorin für Mathematik, und Dr. Carola Dahlke, Kuratorin für Informatik und Kryptologie, suchten gemeinsam mit Heller nach Vorschlägen für die Akquise von Sponsoren. Das gesamte Feld der öffentlichen Hand wie auch Universitäten und die Privatwirtschaft wurden ins Auge gefasst.
Dr. Carola Dahlke sagte, dass sie bei der speziellen Ausrichtung des Chamer Rundfunkmuseums sogar in Richtung Weltkulturerbe denke. In diesem Museum werde in beispielloser Tiefe und Breite, didaktisch vorbildlich aufbereitet, eine technische Entwicklung über 150 Jahre dargestellt. Geräte werden restauriert, erhalten und im zeittypischen Umfeld vorgeführt. Die physikalisch-technischen Grundlagen werden erlebnisbetont vermittelt. In eigenen Labors wird geforscht und entwickelt.
Das Wissen und die anschauliche Darstellung dieser physikalisch-technischen Entwicklungen drohe in Vergessenheit zu geraten. Das Chamer Rundfunkmuseum sei eine Bastion bei der Bewahrung dieses einzigartigen Kulturerbes.
Wie Luise Allendorf-Hoefer tags darauf berichtete, war auf der Rückfahrt nach München das Rundfunkmuseum das einzige Thema. In einem Brainstorming wurde die Idee geboren, dass die Chamer zum Festakt anlässlich 100 Jahre Deutsches Museum vom 9. bis 11. Mai 2025 die Abteilungen Elektronik und Nachrichtentechnik mit Vorführungen bereichern könnten. Ein einmaliges Forum, meint Mich Heller, natürlich werden man dabei sein.

