Tausende Exponate im Chamer Rundfunkmuseum: Viel mehr als nur alte Radios

Von Nils Mayer · 20. August 2025 um 15:56

In der Oberpfalz versteckt sich ein Museum mit 15 Abteilungen und Tausenden Exponaten: das Chamer Rundfunkmuseum. Vom Blitzschlag-Experiment bis zum letzten Mittelwellensender gibt es dort einiges zu sehen.

Video ansehen

Von außen betrachtet fällt das Rundfunkmuseum im Chamer Süden kaum auf. Ein unscheinbares Gebäude mitten im Industriegebiet. Und auch viele Chamer scheinen das Museum kaum zu beachten. „Wir ringen ein bisschen mit mangelndem Interesse in der Stadt“, meint Museumsleiter Michael Heller. „Bei vielen gibt es da eine Hemmschwelle und die Leute denken, hier gibt es nur alte Radios zu sehen.“

Bei einem Besuch stellt sich allerdings heraus, wie weit dieses Vorurteil von der Realität entfernt ist. Denn wer die Türen öffnet, den erwartet eine Zeitreise einmal quer durch die Geschichte des Rundfunks samt spektakulärer Physik-Experimente.

In der Ecke am Eingang stehen einige alte Kameras, die man so nur von Filmsets kennt, und an den Wänden hängen jede Menge jahrzehntealte Rekorder. Die vielen Ausstellungsstücke wirken zunächst überwältigend, doch genau da kommt ein kurzer Film ins Spiel, der auf die spannende Historie einstimmt. Die Geschichte des deutschen Rundfunks startete bereits in den 1920er Jahren und zieht sich bis heute hin. Aus diesem Grund gibt es auch im Museum unterschiedliche Räume, die sich jeweils einer ganz bestimmten Epoche widmen.

Der Traum von Musik: Grammophone im Chamer Museum

Der Rundgang beginnt im Untergeschoss, im Café Nostalgie. Und der Name ist hier Programm: Der Raum ist ganz im Stil des frühen 20. Jahrhunderts eingerichtet. „Die Menschen hatten damals den Traum, Musik und Töne aufzunehmen. Das galt zu dieser Zeit noch als Science-Fiction“, berichtet Heller. Das Café erzählt außerdem die Geschichte der Schallplatten und Grammophone und wie die sich irgendwann gegen die Konkurrenz durchsetzten.

Die Menschen hatten damals den Traum, Musik und Töne aufzunehmen. Das galt zu dieser Zeit noch als Science-Fiction.

Michael Heller, Museumsleiter

Die Grammophone sind echte Hingucker. Und auch funktionieren tun sie nach all den Jahren noch einwandfrei, wie Heller unter Beweis stellt. „Wie Sie hören können, ist die Qualität zwar nicht mit der heutigen zu vergleichen, aber für damals war das ein echtes Wunder.“

Im nächsten Raum geht es um die Anfänge des Rundfunks. „1923 ging es in Deutschland los, danach ging es Schlag auf Schlag“, erklärt Hans Schweiger. Der Senior kennt sich aus mit dem Rundfunk. Nur eine Sache weiß er nach eigenen Worten nicht mehr: Wie viele Radios, Rekorder und Grammophone sind eigentlich Teil der Ausstellung? „Wir haben noch nicht gezählt, aber es sind viele“, sagt er und kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Auch der Volksempfänger steht im Rundfunkmuseum

Dann zeigt Schweiger ein ganz besonderes Rundfunkgerät, das prominent in der Mitte des Raumes steht. Dabei handelt es sich um eine geographische Stationsmeldung. „Mit Lichtleitertechnik wird auf einer Landkarte, der eingestellte Radiosender und das jeweilige Land mit einem Leuchtpunkt markiert“, sagt er. Und tatsächlich: Wenn das deutsche Radio ausgewählt wird, leuchtet Berlin auf der Karte hell auf.

Weiter geht es mit einer dunklen Zeit der deutschen Geschichte. „Denn auch die Nazis haben damals den Rundfunk für ihre Zwecke verwendet“, sagt Museumsleiter Heller und ergänzt: „Auch diese grausame Epoche soll in unserem Museum kein Tabu sein.“ Vor allem der sogenannte Volksempfänger, der auch ausgestellt ist, diente den Nationalsozialisten als Propagandawerkzeug. „Was damals stattfand, war nichts anderes als ein Missbrauch des Mediums Rundfunk.“ Dass die Möglichkeiten des Rundfunks auch für militärische Zwecke genutzt wurden, beweist der Raum gleich daneben. Erst seit vier Wochen ist hier Militärtechnik aus dem 2. Weltkrieg ausgestellt.

Chamer Museum zeigt die goldenen Jahre des Radios

Der starke Kontrast dazu wartet nur ein paar Türen weiter: Die goldenen Jahre des Rundfunks – so steht es auf einem Schild an der Wand. Überall stehen und hängen Radios, die auch optisch einiges hermachen. „Hier sehen sie die Radioelite der 50er und 60er Jahre“, sagt Heller. Besonders auffällig: die Fernseh- und Musiktruhe mit dem Namen Kuba Toscana. „Für rund 2500 Deutsche Mark war die früher erhältlich“, meint Heller. Für diesen Preis bekam der Käufer aber auch eine Musiktruhe mit eingebautem Fernseher geboten.

„Ich will euch unbedingt noch den Mittelwellensender zeigen“, sagt Heller. Dieses Ausstellungsstück ist für das Museum ein echter Glücksfall gewesen, da es sich um den letzten seiner Art aus Bayern handelt, erzählt der Museumsleiter. Der Sender nimmt den kompletten Raum ein „und ist sogar teilweise funktionsfähig“.

Der allerletzte bayerische Mittelwellensender steht im Untergeschoss des Museums. - Foto: Nils Mayer

Zum Abschluss geht es noch durch die wohl aufregendste Abteilung: die Physikräume. Hier zeigt Heller dann, was man so mit Elektrizität alles anstellen kann. Er simuliert einen Blitzeinschlag in ein kleines Holzhäuschen. Zuerst mit und dann ohne Blitzableiter. Bei Letzteren schlägt der Blitz direkt im Haus ein und startet sogar ein kleines Feuer, das natürlich umgehend gelöscht wird. Auch eine Spielzeugfigur von Superman lässt er durch ein wenig Wissenschaft mit Hilfe von Wasser- und Luftdruck schweben.

„Und genau darum geht es hier. Wir wollen Innovation mit Nostalgie verbinden“, erklärt Museumsleiter Heller bei der Verabschiedung. Denn eine Sache steht für ihn fest: „Rundfunk ist viel mehr als nur alte Radios.“

Der Museumsleiter beweist: Superman kann fliegen. - Foto: Nils Mayer

Weitere Infos über das Rundfunkmuseum in Cham

• Angebot: Auf einer Fläche von rund 1800 Quadratmetern sind über 3000 Exponate ausgestellt. Es gibt 15 Abteilungen, die einen Überblick über 120 Jahre Rundfunkgeschichte bieten.

• Für Besucher: Sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. An anderen Wochentagen ist eine Gruppenbuchung möglich. Der Eintritt liegt bei 7,50 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Jugendliche. Für Kinder bis zehn Jahren ist der Eintritt frei.