Schmale Ausweichroute zwischen Bad Kötzting und Grafenwiesen sorgt für brenzlige Konflikte

Die schmale Straße zwischen Bad Kötzting und Grafenwiesen (Landkreis Cham) über den Greifvogelpark ist längst zu einer beliebten Abkürzung für Autofahrer geworden. Immer mehr Fahrzeuge rollen über die gut drei Kilometer lange Strecke – sehr zum Ärger der Radfahrer, die dort eigentlich auf dem ausgewiesenen Lamer-Winkel-Arber-Radweg unterwegs sind. Das Nebeneinander von Autos, Fahrrädern und auch Wanderern führt regelmäßig zu brenzligen Situationen.
„Erst letzte Woche kam es zu einem Unfall, bei dem ein Radfahrer von der Straße abgedrängt wurde“, berichtet Leser Christoph Straubinger gegenüber der Redaktion. Schon zuvor habe er selbst erlebt, wie eng es zwischen Auto und Fahrrad auf der Strecke zugehen könne – und das sogar am eigenen Leib: „Im Juli hat mich ein Autofahrer auf dieser Strecke vom Rennrad runtergefahren“ , erzählt er. Der ihm entgegenkommende Fahrer sei auf der ohnehin sehr engen Fahrbahn stur auf seiner Spur geblieben. Die Folgen für Straubinger: unzählige Arzttermine aufgrund eines gebrochenen Mittelhandknochens. Mit den Auswirkungen hat der Bad Kötztinger jetzt noch zu kämpfen.
Gefährliche Auswirkungen selbst erlebt
Von mehreren Familien habe er inzwischen gehört, dass sie den Radweg meiden – „die Kombination aus enger Straße und rasenden Autos ist ihnen schlicht zu gefährlich“, sagt der Familienvater, der die gefährliche Lage bereits seit Längerem beobachtet. Der Unfall vor zwei Wochen habe das Fass bei ihm zum Überlaufen gebracht.

Dass die Lage angespannt ist, hatte unsere Redaktion bereits im April 2023 thematisiert. Damals machte ein Redakteur den Selbstversuch: Auf rund dreieinhalb Kilometern mit Start beim Benedikt-Stattler-Gymnasium bis zur Einmündung in die Staatsstraße 2140 bei Voggendorf zählte er in nicht einmal sechs Minuten 13 entgegenkommende Fahrzeuge – und musste mehrfach auf den Seitenstreifen ausweichen. Sein Fazit: Die Zeitersparnis gegenüber der parallel verlaufenden Staatsstraße 2140 betrug kaum mehr als eine Minute. Der Preis dafür waren strapazierte Nerven und riskante Situationen.
Schon damals warnte die Polizei, dass der „Schleichweg“ rechtlich kaum Vorteile biete. „Mehr als eine Minute spart man nicht“, schätzte Martin Wanninger, Verkehrsbeauftragter der Polizei Bad Kötzting, im Gespräch mit unserer Zeitung. Zudem müsse jeder Fahrer dort eigentlich so vorsichtig fahren, dass die Route keinen Zeitgewinn mehr bringe.
Hochbetrieb bei Beginn und Ende des Unterrichts
Ein Blick auf den Verkehr zu Beginn und Ende des Unterrichts am Bad Kötztinger Schulhügel zeigt, dass gerade zu den Stoßzeiten auf der schmalen Straße Hochbetrieb herrscht. Auch das hat Christoph Straubinger unlängst beobachtet. „Es wundert mich, dass noch nicht mehr passiert ist“, sagt er. Denn dann kreuzen sich die Autos der Eltern, die ihre Kinder bringen oder abholen, mit jenen Fahrern, die den Weg ganztägig als Abkürzung in den Lamer oder Hohenbogenwinkel nutzen. Gleichzeitig sind dort Radfahrer unterwegs, die offiziell über die Route geführt werden – ebenso wie Fußgänger.
Mehr als eine Minute spart man nicht.
Martin Wanninger, Verkehrsbeauftragter der Polizei Bad Kötzting über die Zeitersparnis auf dieser Strecke
Heute, ein Jahr später, ist das Problem eher größer geworden. Christoph Straubinger beschreibt, dass die Strecke „immer häufiger von Autos beansprucht wird, um schneller ans Ziel zu kommen“. Eine Problematik dabei: Teilweise leite das Navi gerade ortsunkundige Touristen aus Richtung Lam über Feßmannsdorf nach Bad Kötzting und weiter in Richtung Cham.
Ein offizieller Radweg darf keine Gefahrenstelle sein.
Christoph Straubinger, betroffener Radfahrer
Dass dabei gerade Radfahrer ins Abseits geraten, sorgt für Unmut – und für Forderungen an die Kommunen. „Ein offizieller Radweg darf keine Gefahrenstelle sein“, lautet der eindringliche Appell an die Verantwortlichen in Bad Kötzting und Grafenwiesen.
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Für Straubinger sind etwa eine erhöhte Tonnagegrenze oder zumindest teilweise Sperrung der Straße denkbar. So könnte zumindest der Greifvogelpark jeweils aus beiden Richtungen angefahren werden und der Durchgangsverkehr würde verhindert.

Grafenwiesens Bürgermeisterin Sabine Steinlechner bestätigt auf Nachfrage die angespannte Verkehrssituation. Immerhin verläuft die neuralgische Strecke mehrheitlich durch Grafenwiesener Gemeindegebiet. „Wir wissen um die Problematik“, betont sie.
Kaum Handlungsspielraum für Kommunen
Das Rathaus habe bereits Kontakt mit dem Landratsamt Cham aufgenommen, um mögliche Lösungen auszuloten – bislang jedoch ohne greifbares Ergebnis. „Die Menge des Verkehrs können wir nicht steuern“, so Steinlechner. Ebenso wenig könnten weder die Gemeinde Grafenwiesen noch die Stadt Bad Kötzting eine öffentliche Straße einfach sperren lassen.
Die Menge des Verkehrs können wir nicht steuern.
Sabine Steinlechner, Grafenwiesener Bürgermeisterin
Die Bürgermeisterin räumt ein, dass die Strecke ihrer Beschaffenheit nach durchaus nicht in diesem Ausmaß genutzt werden sollte. Autofahrer seien dazu angehalten, auf Sicht zu fahren – doch viele hielten sich nicht daran. Laut Steinlechner zeigt sich die gleiche Problematik auch auf der engen Verbindung zwischen Voggendorf und Haus. In beiden Fällen seien der Gemeinde die Hände gebunden. Als Reaktion habe man stellenweise Geschwindigkeitsbeschränkungen eingeführt. Am Ende bleibt nur ein schwacher Trost: „Letztlich können wir nur an die Vernunft der Autofahrer appellieren“, fasst Steinlechner zusammen.