Jurastudentin Julia Eckl aus dem Landkreis Cham wird zu Passaus erster Weinkönigin gewählt

Von David Salimi · 1. September 2025 um 19:00

Krone, Schärpe und jede Menge Termine: Julia Eckl aus Rimbach (Landkreis Cham) ist die erste Passauer Weinkönigin. Die 23-jährige Jurastudentin setzte sich beim Weinfest im Passauer Klostergarten gegen zwei Mitbewerberinnen durch. Nun vertritt sie ein Jahr lang den Rebensaft und die Dreiflüssestadt – mit Herz, Hingabe und einem feinen Gespür für die Nuancen im Glas.

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Wer die junge Frau trifft, merkt rasch: Ihre Geschichte hat viele Facetten. Aufgewachsen mit Drillingsbrüdern in Rimbach, geprägt von einer „sehr liebevollen Kindheit“, wie sie erzählt, führte ihr Weg nach dem Abitur am Benedikt-Stattler-Gymnasium in Bad Kötzting 2021 nach Passau. An der dortigen Universität studiert sie Jura. Gerade bereitet sie sich auf ihr Examen im Herbst 2026 vor – und hat in der Dreiflüssestadt längst eine zweite Heimat gefunden. „Passau ist heute mein neues Zuhause, aber im Bayerischen Wald liegen meine Wurzeln“, sagt sie.

Die Entscheidung, sich für das Amt der Weinkönigin zu bewerben, fiel fast nebenbei. Eine Ausschreibung des City Marketings vor einigen Wochen hatte Julias Aufmerksamkeit geweckt. „Ich interessiere mich sehr für das Stadtgeschehen – und regionale Produkte haben mich schon immer begeistert“, erklärt sie. Nach einer ausgefeilten Bewerbung flatterte bereits kurz darauf die Zusage ins Haus: Julia stand im Finale.

Passau ist heute mein neues Zuhause, aber im Bayerischen Wald liegen meine Wurzeln.

Julia Eckl, Jurastudentin und Passaus erste Weinkönigin

Beim ersten Passauer Weinfest im Klostergarten trat sie gegen zwei weitere Kandidatinnen an. Ein ganzes Wochenende lang wurde probiert, philosophiert und geprüft – in lauschigen Sommernächten mit Musik, gutem Essen und Winzern aus dem Passauer Land.

Blindverkostung als Königsetappe

Julia musste eine persönliche Vorstellung geben, Fragen zur Weinherstellung, zu Rebsorten und Exporten beantworten und als Königsetappe schließlich ihr Können bei einer Blindverkostung zeigen – ihr persönliches Highlight: „Das war echt eine Herausforderung“, gibt sie zu und lacht dabei. Denn jeder Wein verrät sich nicht auf Anhieb. Er verlangt einen wachen Blick ins Glas, das Schwenken, um Aromen zu entfalten, das tiefe Hineinriechen, das Verkosten Schluck für Schluck. „Aus einem Wein kannst du viel deuten“, weiß sie. Angefangen von der Optik des Weines bis hin zum Geruch – „da sind alle Sinne gefragt“, erklärt die Weinkennerin.

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Ihr Fachwissen zahlte sich aus: Julia erkannte alle Weine richtig. Am liebsten greift sie selbst zum Riesling, schätzt daneben aber auch den Grünen Veltliner „mit seiner pfefferigen Note“. Wein ist für sie mehr als nur ein Getränk – er ist Spiegel und Symbol zugleich. „Für jeden Menschen gibt es einen eigenen Wein“, ist die 23-Jährige überzeugt – ganz so, als ließe sich die Vielfalt menschlicher Charaktere in Säuregraden und Buketts beschreiben.

Julia Eckl stellte sich bei der Blindverkostung gemeinsam mit dem Passauer Winzer Hubert Weizenberger der Herausforderung – konzentriert und mit feinem Gespür. - Foto: Reinhard Eckl

Dass sie am Ende wirklich die Krone tragen würde, damit hat sie dennoch nicht gerechnet. „Es war eine spannende Wahl“, erinnert sie sich. Umso größer ist die Freude, nun ein Jahr lang als Repräsentantin für den Rebensaft unterwegs zu sein. „Für mich ist das eine riesige Ehre.“ Als frisch gekürte Weinkönigin schlüpft die Jura-Studentin künftig in ein Dirndl von Variasophia im Wert von 600 Euro – ihr neues offizielles Empfangsoutfit.

Wein verbindet Menschen.

Julia Eckl, Jurastudentin und Passaus erste Weinkönigin

Als Weinkönigin sieht sich die gebürtige Rimbacherin als Botschafterin des Weins – und zugleich als Brückenbauerin zwischen Generationen. Eines ihrer Anliegen: Auch junge Menschen stärker für den Wein zu begeistern, denn: „Wein verbindet Menschen“, ist sie überzeugt. Wer im Kreis von Freunden ein Glas teilt, erlebe Gemeinschaft, Gastfreundschaft und Offenheit. Die drei Tage Weinfest, bei denen Julia viele neue Menschen kennengelernt und interessante Gespräche geführt hat, sind der beste Beweis dafür. Das möchte die Rimbacherin vorleben – und ihre Follower auf den sozialen Medien an ihren Erlebnissen teilhaben lassen. Denkbar sind für Julia etwa Reels ihrer Erlebnisse – eine Möglichkeit um jüngere Menschen zu erreichen.

Neben einem exklusiven Dirndl, das sie bei sämtlichen Terminen als Weinkönigin begleiten wird, erhielt Julia als Prämie eine Magnumflasche Wein überreicht. - Foto: Reinhard Eckl

Schon im September steht der erste große Auftritt an: Julia wird im Passauer Bio-Weingut der Familie Weizenberger bei der Lese mit anpacken. Krone und Arbeitshandschuhe, Schärpe und Rebschere – auch das gehört für sie zusammen.

Zwischen Krone und Paragrafen

Und dann wäre da noch ihr zweites großes Projekt: das Jura-Examen. Besonders interessiert sie sich dabei für das Strafrecht. Bei mehreren studienbegleitenden Praktika am Amtsgericht in Cham haben sie vor allem die Richter in ihrer Arbeit beeindruckt – darunter viele Frauen, denen sie als Praktikantin zugeteilt war. Deren Beharrlichkeit, ihre Professionalität und die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihre Arbeit tun, beeindrucken sie nachhaltig.

Mit ihren Mitbewerberinnen Miriam Völker (von links) und Lisa-Marie Weber verstand sich Julia Eckl prächtig. „Die Liebe zum Wein verbindet uns“, sagt sie. - Foto: Sandra Hiendl

Kann man Krone und Paragrafen zugleich tragen? Julia lächelt. „Ich glaube, dass die Aufgaben als Weinkönigin ein guter Ausgleich zum Lernstress sein können.“ Noch sei offen, ob sie später tatsächlich Richterin werden wird – oder das Leben noch eine Wendung parat hält. Aktuell reize sie die Arbeit in der Justiz jedoch sehr. Fürs Erste zählt für die angehende Juristin nur das kommende Jahr – prall gefüllt mit Begegnungen, Terminen und Momenten, die ihr noch lange in Erinnerung bleiben werden. „Darauf freue mich schon sehr“, schwärmt sie.