Sorgt Mini-Bahnhof für DB-Debakel? Kritik an gestrichenem Umbau in Mausheim wird lauter

Wenn ein Grüner anfängt, Investitionen ins Schienennetz der Deutschen Bahn zu hinterfragen, muss Großes passiert sein. Auslöser ist in diesem Fall ein ganz kleiner Haltepunkt auf der Bahnverbindung Regensburg – Nürnberg, Mausheim nämlich, ein Dorf im Markt Beratzhausen im Landkreis Regensburg. Der ist so klein, dass er nun im Zuge der Generalsanierung der Strecke entgegen aller Versprechen von Bahn und Bund doch nicht voll barrierefrei wird.
Kosten in der Größenordnung von 900.000 Euro stehen für den Umbau einer steilen Rampe zu Gleis 1 im Raum. Diese vergleichsweise kleine Maßnahme wird zum Politikum. Bei Bundestagsabgeordnetem Stefan Schmidt (Grüne) wachsen gar Zweifel an der Gesamtmaßnahme an dem Streckenabschnitt. Er schimpft: „Wer erst nach längerer Planung die grundlegenden Voraussetzungen prüft, scheint mit der Größe der Aufgabe Generalsanierung überfordert zu sein.“
Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel
Zwei Jahre lang hatte Beratzhausens Bürgermeister Matthias Beer das Versprechen – und Pläne von Ingenieurbüros – auf dem Tisch, vor Kurzem kam dann aus heiterem Himmel die Nachricht, dass die Maßnahme gestrichen wird. „Das ist schon sehr komisch, wenn ich sehe, wie viele Leute da beteiligt sind und wie viel schon in die Planung investiert wurde“, sagt Beer. Komisch findet auch Schmidt die Vorgänge, im Kreis Neumarkt wurde ein weiterer Barrierefrei-Umbau gestrichen. Schmidt erfragte im Verkehrsministerium die Hintergründe. Staatssekretär Ulrich Lange (CSU) erklärte die Streichung – wie zuvor auf MZ-Anfrage eine Bahn-Sprecherin – damit, dass in Mausheim das Kriterium von 1000 Reisenden am Tag nicht erfüllt werde.
Mehr Fragen als Antworten
Das muss den Planern der Deutschen Bahn aber zum einen seit Langem klar sein. Warum wurde der Umbau für volle Barrierefreiheit dann angekündigt? Ging man mit Blick auf das Hunderte Milliarden Euro schwere Infrastruktur-Sondervermögen davon aus, nicht mehr auf Fördergelder angewiesen zu sein?

Zum anderen erreichen laut Beer von den 20 Haltestellen an der Strecke nur drei Bahnhöfe die 1000-Reisende-Marke: Neumarkt, Parsberg und Beratzhausen. „Ich gönne ihnen in Deuerling, Etterzhausen und überall ihren Ausbau“, sagt Beer. Warum wird aber Mausheim aus der Planung herausgenommen? Laut Bahn können Ausnahmen gelten, wenn etwa Behinderteneinrichtungen oder Altersheime in unmittelbarer Umgebung der Haltestelle liegen.
Schmidt stellt Streckensperrung in Frage
Mit der Auskunft aus dem Verkehrsministerium ist Schmidt „überhaupt nicht zufrieden“. Weder werde ein Weg für eine voll barrierefreie Haltestelle in Mausheim aufgezeigt noch werde erklärt, wieso die Planungen über viele Monate erfolgt sind, und nun kurzfristig gestrichen werden. „Insgesamt gewinne ich mehr und mehr den Eindruck, dass Maßnahmen im Rahmen der Generalsanierung sukzessive gestrichen werden“, sagt der Grünen-Abgeordnete. „Dann ist allerdings höchst fragwürdig, ob man wirklich eine halbjährige Sperrung der sehr bedeutenden Bahnstrecke machen will.“ Ob nach einer eventuell abgespeckten Generalsanierung mehrere Jahre lang keine Bau- und Sanierungsmaßnahmen notwendig seien, stellt Schmidt ebenso in Frage.
Er will nun eine umfassende Anfrage zum Thema stellen. Denn: „Wenn der Verkehr auf der Bahnstrecke weitgehend lahmgelegt werden soll, dann braucht es dafür sehr gute Gründe. Die Zweifel an diesen Gründen wachsen bei mir erheblich.“
Aumer (CSU) kritisiert Abweichen von Zusage
Mit seiner Skepsis an der Planung ist Schmidt nicht alleine. Auch CSU-Abgeordneter Peter Aumer sagt auf MZ-Anfrage, er habe die beiden Vollsperrungen von Februar bis Ende Juni zwischen Nürnberg und Regensburg-Prüfening sowie zwischen Obertraubling und Passau in der zweiten Jahreshälfte von Anfang an kritisch begleitet. „Ein geordneter Schienenpersonen- und -güterverkehr ist für die Region Regensburg über ein Jahr lang nicht möglich beziehungsweise ist mit großen Einschränkungen verbunden“, sagt Aumer. Für das Abweichen von den Zusagen bezüglich der vollen Barrierefreiheit am Bahnhof Mausheim habe er kein Verständnis. Aumer habe sich ebenfalls schon an Parteifreund Lange, Staatssekretär bei CDU-Verkehrsminister Schnieder, gewandt. Eine Antwort stehe noch aus.
Beers Hoffnung erlischt langsam
Der Fokus von Bürgermeister Beer liegt derweil darauf, doch noch Fördermittel für die Maßnahme in Mausheim aufzutreiben, etwa aus dem bayerischen Landes-Haushalt. Große Hoffnung hegt er aber nicht mehr. „Da schaut es relativ schwierig aus.“