Bahn streicht Maßnahme aus heiterem Himmel: Bahnhof Mausheim wird nicht voll barrierefrei

Matthias Beer ist sauer. Schließlich wird ein Versprechen nicht gehalten. Im Februar startet die Generalsanierung der Strecke Regensburg-Nürnberg der Deutschen Bahn. „Die Aussage war, dass alle Bahnhöfe voll barrierefrei ausgebaut werden“, sagt der Beratzhausener Bürgermeister auf MZ-Nachfrage – also auch der Mausheimer Bahnhof. Doch dann sei „aus heiterem Himmel“ die Nachricht gekommen: In Mausheim wird nicht umgebaut.
Als Beer nachhakte, habe er folgende Erklärung bekommen: Man habe festgestellt, dass das Förderprogramm der Bahn für den Bahnhof Mausheim nicht abgerufen werden kann. „Ich habe dem Braten von Anfang an nicht recht getraut“, sagt Beer. „Das klang zu perfekt.“
Auf Worte und Taten folgt das Aus
Dennoch ist die Enttäuschung jetzt groß. Schließlich habe man mit der Deutschen Bahn nicht nur zwei Jahre lang Gespräche geführt, sondern habe auch Taten in Form von Plänen gesehen. Dafür habe die Bahn bereits Geld in die Hand genommen. Auch mit dem Landratsamt seien Gespräche bezüglich der an eine Rampe angrenzenden Kreisstraße aufgenommen worden. Diese Planungen verlaufen nun voraussichtlich im Sande.
Ich habe dem Braten von Anfang an nicht recht getraut. Das klang zu perfekt.
Matthias Beer, Bürgermeister von Beratzhausen
Der Umbau der Rampe ist das letzte fehlende Puzzlestück für einen voll barrierefreien Bahnhof Mausheim. Schon 2018 wurden die Bahnsteige erhöht. In Fahrtrichtung Regensburg ist der Bahnhof seither voll barrierefrei, die Zuwege auf dieser Seite sind ebenerdig. Die Zugreise Richtung Neumarkt/Nürnberg ist jedoch nur teil-barrierefrei. Der Bahnsteig stellt auch hier Rollstuhlfahrer oder Senioren vor keine großen Herausforderungen mehr, Hindernisse wie Stufen stehen der Zugfahrt ebenfalls nicht im Weg. „Aber die Rampe zum Bahnsteig ist zu steil“, sagt Beer. Das hätte im Zuge der Generalsanierung angepasst werden sollen.
Ganz will Beer die Hoffnung noch nicht fahren lassen. „Normalerweise ist das Sache der Bahn“, hält er zwar fest, „aber Bayern fördert immer wieder mal die Barrierefreiheit an Bahnhöfen.“ Diesbezüglich will er eine Kostenübernahme des Freistaats erwirken und führt Gespräche mit Landtagsabgeordnetem Patrick Grossmann sowie Verkehrs- und Bauminister Christian Bernreiter, beides CSU-Parteikollegen Beers.
Die Zeit drängt
Allzu viel Hoffnung will er aber nicht wecken, die Kurzfristigkeit der Baumaßnahme stelle ein Problem dar. Schließlich startet die Generalsanierung der Bahnstrecke bereits im Februar. Baulich sei eine Gleichzeitigkeit der Maßnahmen nicht nötig, dennoch macht Beer jetzt Druck. Seine Befürchtung: Wenn jetzt einmal die Gelder für diesen Streckenabschnitt verteilt sind, gibt’s danach so schnell nichts mehr. Und der Bahnhof Mausheim würde komplett hinten runterfallen.
Ein Umbau bleibt
• Beratzhausen: Deutlich größer als am Bahnhof Mausheim ist der Sanierungsbedarf in Beratzhausen. Der ganze Haltepunkt soll grunderneuert und mit Aufzügen, digitalen Anzeigetafeln, erhöhten Bahnsteigen, taktilen Leitsystemen und Wartehäuschen ausgestattet werden.
• Bestätigung: Die gute Nachricht bei allem Ärger über die Absage an Mausheim lautet: Beratzhausen ist davon nicht betroffen. Laut Beer kommt der voll barrierefreie Ausbau wie geplant.