Vier Orte im Kreis Regensburg profitieren von 200-Millionen-Plan der Bahn für Barrierefreiheit

Von Daniel Pfeifer · 14. Oktober 2024 um 17:00

Eine Mega-Baustelle wird Bahnfahrern 2026 einiges abverlangen: Die Bahn überholt die Strecke zwischen Regensburg und Nürnberg zwischen Februar und Juli komplett. Für die Gemeinden im Regensburger Landkreiswesten ist das auch eine gute Nachricht.

Während dieser Mega-Baustelle investiert die Bahn Millionen in Modernisierung und die seit Jahre geforderte Barrierefreiheit: In Beratzhausen, Mausheim, Laaber und Etterzhausen werden Bahnsteige angehoben, Wartehäuschen abgerissen, Unterführungen, Lifte und Rampen neu gebaut.

Die vier Haltepunkte gehören zum „Baustein 1“ eines vor drei Wochen vorgestellten 200 Millionen Euro schweren Aktionsprogramms, das zur Hälfte der Freistaat und zur Hälfte Bund und Bahn stemmen.

Beratzhausen: Kein Stein bleibt auf dem anderen

Die größte Baustelle wird Beratzhausen. Dass dieser Haltepunkt in die Jahre gekommen ist, sieht man auf den ersten Blick: Die Farbe der Warnstreifen platzt von den Bahnsteigen ab, die alten Wartehäuschen sind von Rost und Moos bedeckt, die Unterführung mit ihren steilen Treppen hat den Charme verfallender Sowjet-Architektur. Bald ist all das Geschichte: Für mehrere Millionen wird grunderneuert. „Im Prinzip wird der ganze Haltepunkt neu aufgesetzt“, sagt Bürgermeister Matthias Beer (CSU). Schon seit 2021, als Andreas Scheuer (CSU) noch Verkehrsminister war, habe das Marktoberhaupt an die Bahn appelliert, dass „dringender Bedarf“ bestehe. „Auch Mamas und Papas sind auf mich zugekommen: Mit Kinderwagen über die steile Treppe macht das keinen Spaß“, sagt er

Eigentlich dachte Beer, dass diese Grundsanierung Jahre, vielleicht gar ein Jahrzehnt, auf sich warten lassen würde. „Dass es jetzt doch so schnell geht, freut ich.“ Mit 1200 Fahrgästen pro Werktag und einer Direktverbindung zum Flughafen ist Beratzhausen der wohl wichtigste Bahnhof im westlichen Landkreis. Neben einer neuen Unterführung mit Lift werden digitale Tafeln sowie ein taktiles Leitsystem für Sehbehinderte installiert. Vor allem wird der ganze Haltepunkt einen halben Meter höher gelegt, um Ein- und Ausstiege zu erleichtern.

Die Millionenkosten des Haltepunkt-Umbaus werden zu 100 Prozent aus Bahnmitteln finanziert, sagt Beer. Doch auch der Markt wird Geld in die Hand nehmen: „Wir werden versuchen, die Chance wahrzunehmen und gleich den Vorplatz umgestalten“, sagt Beer. Die Busparkplätze werden von den Kurzparkplätzen für Autos getrennt. Außerdem sollen die Busse mehr Platz bekommen, denn aktuell würden sie beim Rangieren in der engen Kurve den Bordstein kaputtfahren. Die acht Parkplätze vor dem Bahnhof werden außerdem von Dauer- zu Kurzzeitparkplätzen. Das sei nur konsequent, sagt Beer, denn der Markt habe vor kurzem 350 000 Euro in 90 Parkplätze auf der anderen Seite investiert.

Mausheim: Nach dem Start 2018 wird Umbau vollendet

Während in Beratzhausen gewaltige Veränderungen anstehen, hat der kleinere Bahnhof Mausheim das Gröbste schon hinter sich. Bereits vor sechs Jahren wurden hier die Bahnsteige des westlichsten Haltepunkts im Landkreis erhöht. Damit war Mausheim in Richtung Regensburg barrierefrei, denn die Zuwege waren ebenerdig. „In Richtung Nürnberg aber nicht“, erklärt Martin Tischler, Behindertenbeauftragter des Landkreises. Er habe damals darauf gepocht, doch auch die andere Seite zu bedenken – ohne Erfolg.

Nun wird dies nachgeholt. Wie Bürgermeister Beer erklärt, erhält das Gleis 2 eine neue Rampe mit einer geringeren Steigung. „Da wartet ein jeder Bürger drauf – selbst wenn ich nicht behindert bin, tue ich mich mit Koffern und Kinderwagen leichter“, sagt Tischler. Dass es in Mausheim nun nach dem begonnenen Umbau 2018 so lange dauert, sieht er mit Verständnis: „Den meisten ist ja klar, dass es nicht auf einmal geht – selbst wenn die Bahn das Geld hätte.“ Wann Mausheim mit den Bauarbeiten dran ist, ist noch nicht fix. Nachdem der Bau einer Rampe den Zugverkehr nicht beeinträchtigt wie das Anheben der Bahnsteige, muss es nicht zwanghaft Anfang 2026 passieren.

Etterzhausen: Der Zeitplan steht noch aus

Auch Etterzhausen soll von dem Millionen-Budget für die Barrierefreiheit profitieren. Wie genau, ist aber noch offen. Erst Ende des Monats führt die Bahn Gespräche über die konkreten Maßnahmen, heißt es aus dem Nittendorfer Rathaus.

Laaber: Höhere Bahnsteige und eine nagelneue Rampe

Ebenso wie Beratzhausen bekommt auch Laaber einen neuen Bahnsteig – dieser wird höher und breiter sein. In Richtung Regensburg wird er außerdem verkürzt und in Richtung Nürnberg verlängert, erklärt Hans Schmid (CSU), Bürgermeister von Laaber. Weiterhin wird eine Rampe gebaut und die Unterführung überdacht. Mit der Bahn steht aber Schmid auch noch in Gesprächen. „Bei der Unterführung sehen wir noch Handlungsbedarf, mit Kinderwagen ist sie nicht praktisch“, sagt er. Den Dialog mit der Bahn sieht das Gemeindeoberhaupt aber als sehr konstruktiv an: Man sei stets in Planungen eingebunden.

Gebaut wird am Bahnhof Laaber zwischen Februar und Juli 2026, parallel zu den Streckenbauarbeiten, sagt Schmid. Unabhängig von den Plänen der Bahn habe der Markt außerdem ein Grundstück direkt neben dem Haltepunkt gekauft. „Wir wollen hier eine saubere Umkehre ermöglichen, gerade in der Früh, wenn viel Verkehr ist“, sagt Schmid.

In Mausheim wurden die Bahnsteige bereits 2018 erhöht.