Agilis erwartet durch Sperrung der Strecke Nürnberg–Regensburg–Passau starke Einschränkungen

Auf Agilis könnten harte Zeiten zukommen: Das Eisenbahnverkehrsunternehmen in Regensburg wird besonders unter den Sanierungsplänen der DB-Tochter InfraGo zu leiden haben. Die will 2026 die Strecke Nürnberg–Regensburg–Passau sanieren – und dafür teils über Monate sperren.
Es ist für Betreiber sowie die Agilis-Kunden eine schlechte Nachricht: Die DB-Tochter InfraGo will 2026 die Strecke Nürnberg–Regensburg–Passau sanieren – und lange sperren. „An der Notwendigkeit einer Sanierung der Infrastruktur gibt es keinen Zweifel“, sagt Agilis-Geschäftsführer Gerhard Knöbel. Die Frage sei jedoch, ob dafür ein Teil über Monate gesperrt werden müsse.
InfraGo will eigenen Angaben zufolge während der Sperrung, die nacheinander den Streckenteil zwischen Nürnberg und Regensburg, später den zwischen Regensburg und Passau trifft, auf der zweigleisigen, rund 200 Kilometer langen Bahnverbindung rund 180 Kilometer Gleis, 130 Weichen und 110 Kilometer Oberleitung austauschen. Außerdem sollen fast alle Bahnhöfe saniert werden. Wegen der umfassenden Arbeiten sei eine Sperrung „alternativlos“, sagt dazu der DB-Konzernbevollmächtigte für Bayern, Klaus-Dieter Josel.
Zweifel an InfraGo-Planungen
Agilis-Geschäftsführer Axel Hennighausen, hegt dagegen Zweifel an den InfraGo-Planungen: „Alle uns bekannten Arbeiten lassen sich mit kurzzeitigen Sperrungen und Nachtschichten erledigen.“ Denn es handle sich aus seiner Sicht lediglich um Instandsetzungsarbeiten. Tatsache ist, dass InfraGo zuletzt eingestehen musste, dass die Kapazität der Strecke durch die Sanierung nicht gesteigert werde. Mit anderen Worten: Es können nicht mehr Züge fahren als heute. Der Betrieb werde lediglich stabiler – also weniger verspätungsanfällig.
Hennighausen sieht noch ein weiteres Problem: Die Bahnbauunternehmen seien nicht auf ein solches Mammutprojekt vorbereitet. Schon heute reichen die Reserven gerade so aus, um die Baustellen im deutschen Schienennetz zu schaffen. Allerdings erhöhe InfraGo mit den 40 großen Sanierungsvorhaben, die für die kommenden Jahre geplant sind, das Bauvolumen deutlich. Und aus seiner Erfahrung heraus seien die Unternehmen angesichts der Probleme am Arbeitsmarkt und am Markt für Spezialbaumaschinen kaum in der Lage, „ihre Kapazitäten innerhalb von nicht einmal zwei Jahren“ entsprechend hochzufahren. Zumal sie keine Garantie hätten, die Aufträge am Ende auch zu bekommen. In den Nachbarländern gebe es im Bahnbausektor ebenfalls keine brachliegenden Kapazitäten. Aus diesen Gründen hält Hennighausen auch die Einhaltung der Zeitpläne für die Sanierung für schwierig.
Züge müssten über Monate abgestellt werden
Der Blick auf die Arbeiten an der Strecke Mannheim–Frankfurt, die als Pilotprojekt für die 39 anderen Infra-Go-Sanierungsvorhaben dient, gibt Hennighausen recht. Bereits mehrfach musste die Bahntochter InfraGo ihren Zeitplan anpassen – mit zum Teil deutlichen Verschiebungen. Auch Hennighausens Geschäftsführerkollege Gerhard Knöbel blickt mit Sorge auf die Sanierungspläne, wird doch sein Unternehmen so massiv von den Sperrungen getroffen wie kein anderes: Zum Zeitpunkt der Sperrung wird Agilis den kompletten Regionalverkehr auf der Strecke Nürnberg–Regensburg–Plattling betreiben. Die Züge des Unternehmens müssten also über Monate abgestellt werden.
Doch nicht nur die Sperrungen auf der Magistrale treffen Agilis: InfraGo will den Fern- und den Güterverkehr umleiten. Eine Ausweichstrecke soll die Donautalbahn Donauwörth–Ingolstadt–Regensburg sein. Um Platz für die zusätzlichen Züge zu schaffen, sollen den InfraGo-Planungen zufolge bis zu zwei Drittel der Regionalzüge gestrichen werden – und die fährt Agilis.
Strecke zu mehr als 100 Prozent ausgelastet
Nach den Worten Hennighausens ist die Strecke mit den Regionalzügen und dem Güterverkehr vor allem zu den Fahrzeugabstellplätzen in Saal sowie der Ölindustrie in Neustadt und Münchsmünster bereits zu mehr als 100 Prozent ausgelastet. Außerdem gelte die Strecke, die noch über sehr alte Sicherungseinrichtungen verfüge und eingleisig sei, als extrem verspätungsanfällig. „Wo soll da ein stabiler Umleitungsverkehr hin?“, fragt er.
Zumal dieses Problem nicht auf die Bauarbeiten zwischen Nürnberg und Passau beschränkt ist: 2027 hat sich InfraGo die Sanierung von München–Salzburg vorgenommen. Der Umleiterverkehr soll über die Strecke Nürnberg–Passau laufen – und auch hier könnten wieder Regionalzüge gestrichen werden.
Und das ist den Planungen der Deutsche-Bahn-Tochter InfraGo zufolge noch nicht das Ende der Sperrungen: Im aktuellen Konzept sind die Sanierung und der Ausbau der Knotenbahnhöfe in Regensburg und Passau nicht enthalten. Sie sollen spätestens ab 2030 folgen – und wieder von starken Einschnitten im Regionalverkehr begleitet werden.