Bahn will für Sanierung Strecken in Bayern lahmlegen − Das bringt aber nicht mehr Züge

Von Christian Fahn · 8. April 2024 um 19:07

Für eine große Sanierung will die Deutsche Bahn auch in Bayern Strecken teils längere Zeit lahmlegen – doch es wird wohl keinen Kapazitätsgewinn bringen.

Die Deutsche Bahn will bundesweit in den kommenden Jahren insgesamt 4000 Kilometer Bahnstrecke generalsanieren. Dafür werden Strecken über Monate gesperrt. Den Anfang soll 2026 der sogenannte Hochleistungskorridor Nürnberg-Regensburg-Passau machen. Am Montag stellte das Unternehmen in München das Projekt erstmals öffentlich vor. Allerdings muss die Bahn auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern auch zugeben, dass die Sanierung am Ende keine zusätzlichen Kapazitäten und auch keine Fahrzeitverkürzungen bringe.

„Die Deutsche Bahn ist bei der Modernisierung in Rückstand geraten.“ Das sagte der Konzernbevollmächtigte für Bayern, Klaus-Dieter Josel. Diesen Rückstand will die InfraGo, die Bahn-Tochter, die für das Schienennetz zuständig ist, in den kommenden Jahren aufholen.

Anders als bisher, so Josel, wolle man aber nicht mehr Maßnahmen wie die Sanierung des Oberbaus oder die Erneuerung der Oberleitungen einzeln durchziehen, sondern sie für wichtige Streckenabschnitte bündeln mit dem barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe und dem Bau neuer Weichenverbindungen.

„Streckensperrungen alternativlos“

Das bedeute aber auch, so Josel, dass dafür einzelne Streckenabschnitte teils über Monate gesperrt werden müssten. Zugleich sollen die Strecken für den Einbau das europäischen Sicherungssystems ETCS vorbereitet werden.

Josel sagte, angesichts der „Bündelung der verschiedenen Arbeiten sind die Streckensperrungen alternativlos“. Zumal eine Streckensperrung für die Sanierung des Deiniger Dammes südlich von Neumarkt an der Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg und einer Langsamfahrstelle in einem Moorgebiet bei Osterhofen zwischen Regensburg und Passau ohnehin unumgänglich sei.

Fahrgäste bekommen Auswirkungen zu spüren

Für die Fahrgäste und die Güterkunden der Bahn bedeute das in der Bauphase teils gravierende Einschnitte. So würden die Regionalzüge durch einen „hochwertigen“ Schienenersatzverkehr kompensiert.

Es solle zwei Arten von Ersatzbussen geben: Die einen, die jeden Bahnhof anfahren und sogenannte Expressbusse, die nur größere Bahnhöfe verbinden. Zu diesem Thema stehe man in engem Austausch mit den Unternehmen, die die betroffenen Regionalzüge fahren, sagte Josel. Wie zum Beispiel Agilis.

Umweg von bis zu 320 Kilometer

Der Fernverkehr, also die ICE-Züge, sollen umgeleitet werden, ebenso die Güterzüge. Das habe allerdings zur Folge, dass sich die Fahrzeiten massiv verlängern. So soll der Güterverkehr der Mediengruppe Bayern vorliegenden Papieren zufolge zum Teil über Tschechien und Österreich umgeleitet werden. Umweg: bis zu 320 Kilometer. Zugleich müssten auf den Umleiterstrecken auch ein Teil der Regionalzüge gestrichen werden.

Auf die Frage der Mediengruppe Bayern, ob die Kapazitäten der Umleiterstrecken überhaupt ausreichen würden, wollte sich der für die Infrastrukturprojekte in Bayern bei InfraGo verantwortliche Leiter Gerd Matschke nicht festlegen. „Wir sind noch mitten in den Planungen.“

Umleiterstrecke schon heute überlastet

Eine der Umleiterstrecken für 2026 soll die Donautal Ingolstadt-Regensburg sein. Doch die gilt schon heute als überlastet und extrem verspätungsanfällig. Unter anderem, weil es ein 20 Kilometer langes Stück ohne Ausweichmöglichkeiten gibt. Auch die zweigleisige Strecke von Nürnberg über Regensburg nach Passau gilt als voll ausgelastet.

Die Finanzierung des Vorhabens sieht Konzernbevollmächtigter Josel nicht gefährdet, ebenso wie die übrigen 38 Vorhaben des Programms Generalsanierung der Hochleistungskorridore in Deutschland. Zwar habe der Bund eine Zusage über 40 Milliarden Euro zunächst zurückgezogen. Inzwischen seien aber 27 Milliarden Euro wieder gesichert. Zu den Kosten für einzelne Vorhaben könne man derzeit ohnehin nichts sagen.

Kritik an Vollsperrung

Während Regionalverkehrsunternehmen wie Agilis mit Sitz in Regensburg anzweifeln, dass eine Vollsperrung der einzig machbare Weg sei, um die Strecke Nürnberg-Regensburg-Passau zu sanieren, folgt die Vereinigung „Die Güterbahnen“, in der sich in Deutschland tätige Güterzugbetreiber zusammengeschlossen haben, der Argumentation der Deutschen Bahn. Allerdings kritisiert der Verband die von InfraGo prognostizierten Ausfälle von bis zu 60 Güterzügen am Tag allein für die Zeit der Sperrung zwischen Regensburg und Passau.

Wie Matschke auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern einräumen musste, bringen die Baumaßnahmen am Ende keine zusätzlichen Kapazitäten auf der Strecke, auch die Fahrzeit zwischen Nürnberg und Passau verkürze sich nicht. Allerdings würden die Strecken weniger anfällig für Verspätungen. Am Ende dürfte es so sein, dass die Bahn mit der umfassenden „Generalsanierung“ lediglich die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte abarbeitet.

Die Sanierung in Zahlen

Die Strecke Nürnberg-Regensburg-Passau soll 2026 in zwei Schritten saniert werden:

Nürnberg-Regensburg

• Geplante Sperrpause: 6. Februar bis 10. Juli

• Erneuert werden: 80 Kilometer Gleis, 60 Kilometer Oberleitung, 40 Weichen, 20 Bahnhöfe (barrierefreier Ausbau), 4 Überleitstellen sollen ergänzt werden

Regensburg-Passau

• Geplante Sperrpause: 10. Juni bis 11. Dezember

• Erneuert werden:100 Kilometer Gleis, 50 Kilometer Oberleitung, 90 Weichen, neun Bahnhöfe (barrierefreier Ausbau)

• 4 elektronische Stellwerke sollen gebaut werden, ebenso wie 6 zusätzliche Überleitstellen.