Offener Konsum beim Kinderspielplatz – Regensburg im Kampf gegen den Sumpf der Drogen

Von André Baumgarten · 1. September 2025 um 05:00

Statt Regensburger Hauptbahnhof nun in Parks und in der Altstadt: Auch die Drogen-Probleme an der Ostenallee sind bekannt – Stadt und Polizei haben bereits reagiert, aber die Lösung wäre eine andere, sagt eine Expertin. Drugstop sammelt liegengebliebene Spritzen ein.

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Verstärkte Kontrollen, Videoüberwachung und Licht für dunkelste Ecken haben rund um den Regensburger Hauptbahnhofs für etwas Entspannung gesorgt. Tatsächlich aber hat sich die Szene nur verlagert – in andere Teile der Altstadt und in Grünanlagen, wie an der Ostenallee. Die Polizei bestätigt das, hat daher „die offene und verdeckte Polizeipräsenz erhöht“. Das Problem ist die Sucht, erklärt Maria Heilmeier von Drugstop. „Und das werden wir nicht abschaffen können.“ Ein Lösung gäbe es.

Anwohner des Stadtparks Innerer Osten, wie die Anlage zwischen Gabelsbergerstraße und Dr.-Martin-Luther-Straße genannt wird, berichten von einer deutlichen Zunahme von Rauschgiftkonsumenten. Keine 100 Meter vom Kinderspielplatz entfernt könne man Abhängige dabei sehen, die sich Drogen spritzen. „Oft bleibt dann Müll zurück“, erzählt ein Regensburger. Darunter auch benutzte Spritzen – „brandgefährlich“, nicht nur für Kinder.

Täglich sehen Anwohner hier schlimme Bilder

Abhängige, die teils offen konsumieren, könne man ohne viel Aufwand jeden Tag beobachten. Das habe, erzählt ein Anwohner, schon deutlich zugenommen – vor allem, seit Kontrollen und die Maßnahmen im Umfeld des Bahnhof verstärkt wurden. Die Stadt habe teils radikal Hecken und Büsche zurückgeschnitten. „Im Ergebnis bringt es leider viel zu wenig.“

Auch bei der PI Regensburg Süd ist das Problem bekannt. Man könne bestätigen, „dass sich in den letzten Monaten vermehrt Suchtkranke in der Ostenallee aufhalten, um dort Drogen zu erwerben und gegebenenfalls im Schutz der Bäume und Sträucher direkt vor Ort zu konsumieren“. Die Polizei habe darauf reagiert und die Kontrollen verstärkt. Zudem sei die Sicherheitswacht regelmäßig da vor Ort. Rauschgifthunde, mit denen man den Bereich absuchte, hätten rund um den Kinderspielplatz keine gefährlichen Utensilien, wie gebrauchte Spritzen, gefunden.

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Ein erhöhtes Müllaufkommen sei nicht zu erkennen, heißt es auch von der Stadt. Mitarbeiter des Gartenamts reinigten den Park zweimal pro Woche. Die Stadt verweist auf die „engmaschige Überwachung“ durch den Kommunalen Ordnungsservice (KOS). Verbesserungen stellt man jedoch nicht in Aussicht: Eine „noch weitere Erhöhung der Kontrollfrequenz“ oder „eine dauerhafte Überwachung“ seien nicht umsetzbar. Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bestätigt die Auslichtung von Grün im Bereich der Ostenallee. Das sei nach Rücksprache mit der Polizei erfolgt und habe die „Einsehbarkeit des Bereichs gezielt verbessert“.

Man wird dem Problem nicht Herr, man verschiebt es nur von A nach B und C und wieder zurück zu A.

Maria Heilmeier, Drugstop e.V.

Womöglich ist ein Projekt von Drugstop, auf das auch Roenne-Styra vewies, der Grund, warum vor Ort kaum Rauschgiftutensilien zu finden waren. Der Regensburger Verein für Drogenhilfe reinigt bekannte Konsumstellen regelmäßig, so Maria Heilmeier. Die Leiterin des Kontaktladens von Drugstop in der Landshuter Straße nennt die Situation „unerträglich“. Seit Jahren gehe man auf Clean Up-Runden, wie sie es nennt, „weil wir es für richtig halten, auch wenn es nicht unser Auftrag ist“. Die Reinigung übernähmen Konsumenten.

Dass es Probleme mit liegengelassenen Spritzen gebe, bestätigt Heilmeier. Die Szene sei ständig in Bewegung. Sobald es Reaktionen an einem Ort gebe, verlagere sich das bald wieder. „Man wird dem Problem nicht Herr, man verschiebt es nur von A nach B und C und wieder zurück zu A.“ Das Thema Drogenutensilien werde in der täglichen Arbeit mit Drogenabhängigen immer wieder angesprochen. Einige seien nur schwer erreichbar. Doch: „Das sind nur Einzelne, die so tief im Sumpf der Sucht stecken, dass sie keine Bodenhaftung mehr haben.“ Müll liegenzulassen, rechtfertige das keinesfalls, betont sie.

Lob von Drugstop für den guten Umgang

Und: „Wir haben das Problem Sucht in Regensburg und werde es nicht abschaffen können.“ Die Menschen in Regensburg gingen aus der Sicht von Drugstop gut mit dem Thema um. Es gebe viele Rückmeldungen, wie man mehr unterstützen könne, aber auch entsetzte und erboste Reaktionen. Die einzig „wirklich wirksame und effektive Lösung“ wären laut Maria Heilmeier Konsumräume, „ein Ort, wo die Leute das legal machen können“. So werde auch der Müll vermieden.

Auch die Stadtspitze hält das für „wichtig und sinnvoll“, teilt Roenne-Styra mit. Leider fehle in Bayern die rechtliche Grundlage dafür. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer habe sich bereits auf Landesebene stark gemacht. Ohne Erfolg. Es wird wohl ein wanderndes Problem bleiben – von A nach B und C zurück zu A.