Wie Tom Cruise in „Minority Report“: Ein Handschuh bewegt wie von Geisterhand

Von Christian Eckl · 30. August 2025 um 10:10

Wenn Arbeit Spaß macht! Werkstudent Niclas Rauch sitzt vor dem Computer und spielt das beliebte „Mario Kart“. Ein Autorennen ist das, jeder, der Spielekonsolen mag, kennt es. Doch statt eines klassischen Joysticks trägt der Student einen Handschuh. Die Firma B-Horizon, wo Rauch gerade arbeitet und forscht, hat ihn entwickelt. Es ist eines der vielen Patente, die das Sinzinger Unternehmen (Landkreis Regensburg) hält.

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Mindestens so beeindruckend wie die Produkte seiner Firma ist der Lebensweg des Gründers selbst. Lange bevor Dr. Mohammad Kabany B-Horizon mit Sitz in Sinzing (Lkr. Regensburg) gründete, war er einer der drei besten Absolventen seines Jahrgangs an der Uni im syrischen Damaskus. Sein Weg hätte in einen Staatsposten münden können, doch er kehrte Syrien und dem Regime den Rücken. Er studierte in Braunschweig und absolvierte ein international ausgerichtetes, interdisziplinäres Masterprogramm.

Niedersachsen verließ Kabany auch, weil er in Braunschweig nicht promovieren konnte. In Bayern schon. Sein Weg führte ihn in die Industrie, in ein Unternehmen, das später an Apple verkauft wurde. Aber auch zu Conti und zu ZF Friedrichshafen. Schließlich machte er sich in Sinzing selbständig.

Der Handschuh bewegt den Cursor wie von Geisterhand. - Foto: Eckl

Mehrfach ausgezeichnet

Sein Unternehmen beschäftigt derzeit zehn Mitarbeiter, die meisten davon Ingenieure wie Kabany. Das intelligente Sensorsystem, das sie entwickelt haben, wurde bereits mehrfach prämiert, die Firma zweimal mit dem Top-100-Siegel ausgezeichnet und damit als eines der innovativsten deutschen Mittelstandsunternehmen prämiert.

Der Handschuh mit den Sensoren ist dabei nur ein beeindruckendes Produkt, das zeigt, was mit der Technik aus Sinzing alles möglich ist. „Kennen Sie den Film Minority Report“, fragt Kabany lächelnd. Der Hollywood-Blockbuster mit Tom Cruise in der Hauptrolle beeindruckte nicht nur durch eine faszinierende rechtsphilosophische Frage, nämlich wie man in einer Welt, in der Verbrechen prophetisch vorhersehbar sind, dennoch einen Mord vertuschen könnte. Der Cop Cruise arbeitet darin auch mit einem Computer, der weder Monitor, noch Maus, noch Tastatur besitzt. Cruise wischt Hologramme in der Luft herum wie Luftballons. „So etwas wollte ich bauen“, sagt Kabany.

Die Ideen aus der Science-Fiction sind auch in einem anderen Bereich notwendig. Das Autonome Fahren ist nicht nur ein Traum einiger weniger Ingenieure und Techies. Vielmehr würde ein selbst fahrendes Auto die Mobilität revolutionieren. Gerade für ältere Menschen wäre es ein echter „Game Changer“. Doch dabei muss man nicht nur wissen, was sich vor, hinter und neben dem selbst fahrenden Auto abspielt. „Auch der Innenraum ist wichtig, denn wenn ich mich nicht mehr auf die Straße konzentrieren muss, dann kann ich mich freier im Fahrzeug bewegen.“ Würde es zu abrupten Bremsvorgängen kommen, könnte ein Airbag sogar zu Verletzungen führen. „Wir müssen also wissen, wo sich ein Passagier in einem autonom fahrenden Fahrzeug im Fahrerraum befindet.“ Kabany sagt, er halte ein Patent, das dies mittels seiner Sensoren ermöglicht. „Einziger Konkurrent auf dem Gebiet ist derzeit Tesla“, sagt der Sinzinger stolz.

Wenn sich Assistentin Klaudija Fadljevic in das Bett legt, dessen Topper mit Sensoren versehen ist, dann kann Marc Töppel das auf seinem Bildschirm sehen. - Foto: Eckl

Bald wird ein weiteres beeindruckendes Produkt von B-Horizon in den Praxistest gehen. Das Unternehmen entwickelte mit seinen Sensoren ein Bett, das in der Pflege eingesetzt werden kann. „Wir wollen es im kommenden Jahr in einem Regensburger Krankenhaus testen“, sagt Kabany. Und auch in einem fränkischen Pflegeheim soll es zum Einsatz kommen. Die Technik könnte die Pflege nachhaltig verändern. Denn sie löst ein großes Problem, das derzeit viele Personalkapazitäten in Kliniken und Pflegeheimen bindet, die in der Versorgung der Menschen viel besser eingesetzt werden könnten.

Assistentin Klaudija Fadljevic führt vor, was das Bett kann. Als sie sich in das Bett legt, verändert sich etwas auf dem Bildschirm, mit dem die Sensoren verbunden sind. „Man kann sehen, ob der Patient liegt und ob er sich bewegt“, schildert Kabany. Auch weitere Daten werden erfasst. „Mittels einer Künstlichen Intelligenz kann überwacht werden, ob sich Patienten in dem Bett wund liegen beispielsweise“, sagt der B-Horizon-Chef. Damit würden Kontrollgänge überflüssig werden, die derzeit noch viele Kapazitäten binden.

Das Bestechende an der Technologie ist: Zunächst einmal ist der Topper, in dem die Sensoren verbaut sind und der auf der Matratze liegt, wie ein handelsüblicher aufgebaut. B-Horizon hat es geschafft, die Sensoren nicht auf Halbleitern zu verbauen, die zum einen teuer, zum anderen auch nicht biegsam und flexibel sind. Vielmehr hat das Unternehmen eine Technologie entwickelt, die in Stoffen verbaut werden kann, der auch Flüssigkeiten wie Schweiß nichts ausmacht und die derart flexibel ist, dass man sie beispielsweise beim Liegen nicht spürt.

Wie in der Science-Fiction

Nicht nur die Pflege in Einrichtungen könnte die Technik damit revolutionieren. Sondern auch die Autonomie vieler älterer Menschen, die zuhause bleiben wollen. „Die Angehörigen haben häufig Angst. Erleidet mein Vater oder meine Mutter einen epileptischen Anfall? Oder stürzt der Angehörige nachts, während er auf die Toilette geht?“ Kabany sagt, all das könnte mit der Technik überwacht und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Schon heute gibt es natürlich Notruf-Systeme für Senioren. Doch die Technik würde diese noch viel effizienter und sicherer machen, ohne dabei den Datenschutz zu vernachlässigen. „Es gibt ein solches Produkt in dieser Einfachheit und dieser Preiskategorie noch nicht“, sagt der Ingenieur.

Ob Kabanys Träume aus dem Science Fiction wahr werden? Nun, sie sind es schon. Jetzt steht die Serienreife an. Und die Produkte überzeugen jeden, der sie selbst ausprobiert.