Toter Obdachloser am Bulmare-Parkplatz: Gibt es jetzt Konsequenzen in Burglengenfeld?

Von David Santl · 27. August 2025 um 05:01

Der Fall des toten Obdachlosen am Parkplatz des Wohlfühlbades Bulmare treibt die Menschen in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) noch immer um. Nun kommen Fragen auf, ob der Parkplatz für einen Obdachlosen-Wohncontainer wirklich geeignet ist. Die Verantwortlichen der Stadt sind sich weitgehend einig.

Video ansehen

Der Schock steckt einem 62-jährigen Bewohner der Obdachlosen-Unterkunft am Bulmare-Parkplatz noch immer in den Knochen. Am Montag vor einer Woche hatte er durchs Fenster die Leiche seines Nachbarn im Container direkt nebenan entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt war der Obdachlose, ein 55-jähriger Drogenkonsument schon ungefähr eine Woche tot. „Ich mache mir immer noch viele Gedanken über ihn“, sagt der Mann, der seit März in der Unterkunft wohnt.

Fragen nach Standorten und Mindeststandards sind im Fall des toten Obdachlosen vom Bulmare-Parkplatz zweitrangig, findet MZ-Reporter David Santl. Warum Obdachlosigkeit eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft ist und warum jeder Einzelne helfen kann, schreibt er in seinem Kommentar.

Ihn treibt auch der Standort der Container am Parkplatz des Bulmare-Bades um. „Hier ist es total verlassen. Wenn du Hilfe brauchst und kein Telefon hast, bemerkt dich niemand“, findet der 62-Jährige, der selbst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat. Er hofft, dass es bald eine andere Lösung für ihn gibt – vor allem aber, dass er selbst endlich Erfolg bei der Wohnungssuche hat.

Auch in den sozialen Medien diskutieren Nutzer, ob die Stadt den Obdachlosen nicht auch Wohnungen zur Verfügung stellen könnte und ob der Standort wegen der Randlage und der nahe gelegenen Schule für Obdachlose geeignet ist – gerade aufgrund des Drogenkonsums im aktuellen Fall.

Bulmare-Chef sieht keine Probleme

Im Bulmare jedenfalls scheint es keine Probleme mit den Obdachlosen am Parkplatz zu geben, sagt Geschäftsführer Reiner Beck. „Es wurde noch kein Ärger an mich herangetragen. Und ich würde mich schon melden, wenn es Probleme gäbe.“

Das scheint tatsächlich kaum der Fall zu sein. Aus polizeilicher Sicht sind die Wohncontainer jedenfalls kein Schwerpunkt für Kriminalität, berichtet Polizeihauptkommissar Christian Allgeier. Neben dem Leichenfund sei die Polizei in diesem Jahr lediglich einmal wegen einer Nachschau vor Ort gewesen.

Weitaus öfter ist das städtische Ordnungsamt vor Ort bei den Containern – teilweise wöchentlich, spätestens jedoch alle 14 Tage. Will die Stadt als Konsequenz nun öfter kontrollieren? Laut Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) wird die Verwaltung die Umstände des aktuellen Falls noch näher beleuchten und besprechen, ob es an irgendeiner Stelle Verbesserungspotenzial gibt.

Am Standort neben dem Bulmare hält Gesche aber fest. Er verweist unter anderem auf den benachbarten Rewe-Markt, die Citybus-Haltestelle sowie die Anschlüsse für Strom, Kanal und Wasser. Außerdem würden derzeit keine weiteren städtischen Wohnungen zur Verfügung stehen. Die Container hingegen seien ausreichend ausgestattet.

Bürgermeister hält am Standort fest

Zustimmung bekommt Gesche von CSU-Fraktionschef Michael Schaller. „Er hätte auch tot in einer Wohnung liegen können. Wenn man keine Angehörigen hat, die einen vermissen, kann sowas leider passieren.“ Dass man öfter nach dem Rechten sehen sollte, lehnt Schaller ab: „Das Ordnungsamt der Stadt ist kein Sozialdienst.“ Außerdem habe er im Bezug auf die Obdachlosen-Unterkunft beim Bulmare noch keine Probleme mitbekommen.

Es darf nicht sein, dass jemand tagelang tot in einer städtischen Einrichtung liegt.

Sebastian Bösl (SPD), 3. Bürgermeister

An solche kann sich auch Sebastian Bösl nicht erinnern. Der 3. Bürgermeister und SPD-Fraktionschef hält zwar auch den Standort für richtig, sieht in den Containern an sich aber nur eine „Not-Notlösung.“ Klar könne Obdachlosen keine Deluxe-Wohnung angeboten werden, „aber Container sind nicht das, was ich mir vorstelle“, so Bösl.

Er hofft, dass die Unterkunft im Rathaus, die derzeit renoviert werde, bald fertig sei, um die Situation zu entzerren. Ferner fordert Bösl, öfter nach dem Rechten zu sehen: „Es darf nicht sein, dass jemand tagelang tot in einer städtischen Einrichtung liegt.“