Zementwerk in Burglengenfeld schrammt an Katastrophe vorbei – Doch wie geht es nun weiter?

Eine dichte Rauchsäule über dem Zementwerk, die bis nach Schwandorf zu sehen war, hat am Sonntag die Bürger in Burglengenfeld alarmiert. Während auf dem Gelände 340 Einsatzkräfte der Feuerwehr gegen die Flammen in einer Lagerhalle ankämpften, glühten bei Werkleiter Bernhard Reindl die Drähte. Ob und wie der Betrieb nach dem Brand weitergehen kann, blieb zunächst unklar.
Die Integrierte Leitstelle Oberpfalz-Nord hatte kurz nach 16 Uhr Großalarm ausgelöst. 20 Feuerwehren aus dem Landkreis Schwandorf sowie aus den Nachbarlandkreisen Amberg-Sulzbach und Regensburg eilten daraufhin zum Zementwerk an der Schmidmühlener Straße. Dort war in einer Lagerhalle ein Feuer ausgebrochen. Laut Kreisbrandrat Christian Demleitner geriet Kunststoffgranulat in Brand. Dieses wird im Zementwerk als Hauptbrennstoff verfeuert.
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Nach etwa einer Stunde war das Feuer unter Kontrolle. Mit einem Radlader wurde anschließend die Halle geräumt, um mögliche Glutnester zu beseitigen. Demleitner zeigte sich erleichtert, dass ein Übergreifen des Brandes auf andere Gebäude verhindert werden konnte.

Schlauchleitung von der Naab bis zum Zementwerk gelegt
Die Feuerwehr bewies beim Großbrand im Zementwerk wieder einmal ihre Schlagkraft. Binnen kurzer Zeit legten die Aktiven über mehrere hundert Meter eine Schlauchleitung von der Naab bis zur Betriebsstätte von Heidelberg Materials (HM). Und auch zahlreiche Atemschutzträger trotzten den Belastungen bei sommerlichen Temperaturen.

Die Bevölkerung wurde vor dem Brand gewarnt. Fenster und Türen sollten aufgrund der starken Rauchentwicklung geschlossen bleiben. Gegen 19.30 Uhr konnte diese Warnung wieder aufgehoben werden. Die Arbeit der Feuerwehr war damit aber noch längst nicht erledigt. Die Nachlöscharbeiten zogen sich bis in die späten Abendstunden hin.
Dann werden wir entscheiden, ob wir herunterfahren oder die Anlage weiterbetreiben können.
Bernhard Reindl, Leiter des Zementwerkes
Mittendrin im Geschehen war auch HM-Werkleiter Bernhard Reindl. Bei einem Pressegespräch berichtete er, dass sich das Zementwerk zum Zeitpunkt des Brandausbruchs in einem normalen Produktionsbetrieb befunden hatte. „Wir sind rund um die Uhr besetzt“, schilderte er den Pressevertretern. So hätten auch am Sonntag bis zu neun Mitarbeiter ihren Dienst versehen. Etwa eine Stunde vor dem Feuer sei sogar noch ein Mitarbeiter mit dem Radlader in die betroffene Halle gefahren und habe dort Brennstoff nachgeführt, um die Versorgung sicherzustellen. „Da haben wir noch nichts entdeckt“, sagte Reindl.

Das änderte sich, kurz bevor die Sirenen heulten. Zur Brandursache und der Schadenshöhe konnte sich der Werkleiter am frühen Sonntagabend noch nicht äußern. Ein technischer Defekt sei ebenso denkbar wie ein Glimmbrand. „Wir müssen schauen und werden das analysieren“, erklärte Reindl und zollte sogleich den Einsatzkräften seinen Respekt.
Wie es für das Zementwerk in Burglengenfeld nun weitergeht, blieb vorerst unklar. Beim Brennstoff könne man auf Alternativen wie Braunkohle zurückgreifen, hieß es. „Das funktioniert aber nur über einen bestimmten Zeitraum“, erklärte der Werkleiter. Man müsse die Schäden nun bewerten. „Dann werden wir entscheiden, ob wir herunterfahren oder die Anlage weiterbetreiben können“, äußerte sich Reindl zum weiteren Vorgehen.

Unterdessen informierte sich auch Burglengenfelds 3. Bürgermeister Sebastian Bösl (SPD) vor Ort über den Brand. Er dankte allen Feuerwehrleuten und Einsatzkräften, die ausgerückt waren – auch allen Kameraden aus den Nachbarlandkreisen, die ebenfalls in Burglengenfeld im Einsatz waren. „So ein Brand kann ja schnell in eine Katastrophe ausarten“, so Bösl. Umso beruhigter sei er, dass das Feuer recht schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte. Der Kommunalpolitiker zeigte sich erleichtert, dass mit Ausnahme einer Feuerwehrfrau alle anderen Kameraden wieder gesund aus dem Einsatz rausgekommen sind.
Betrieb ist wirtschaftlich bedeutend für Burglengenfeld
„Das Zementwerk ist mit Burglengenfeld verbunden wie kein anderes Werk“, so Bösl weiter. Der Betrieb habe ganze Generationen ernährt. Es sei ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Bösl will Bürgermeister Thomas Gesche (CSU), den er am Brandort vertreten hatte, über den aktuellen Stand informieren. Die Stadt werde mit der Leitung des Zementwerks in den nächsten Tagen weiter in Kontakt bleiben, kündigte der 3. Bürgermeister an.

Über den Großbrand wurde auch Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU) von der Einsatzleitung per Telefon fortlaufend informiert. Gegenüber der Mittelbayerischen sagte er: „Ich danke allen Einsatzkräften für die Abwicklung und Bekämpfung des Brandes. Unsere Feuerwehren stellten ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis.“ Er hoffe, dass sich der entstandene Schaden in Grenzen halte.

Von Feuerwehr bis Polizei: Sie waren in Burglengenfeld im Einsatz
- Feuerwehr: Laut Kreisbrandrat Christian Demleitner waren 20 verschiedene Feuerwehren aus den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Regensburg vor Ort. Das entspricht 340 Einsatzkräften. Als Einsatzleiter fungierte Michael Prehn, Kommandant der FF Burglengenfeld. Auch Feuerwehrseelsorger Michael Hirmer stand parat. Ferner waren die Kreisbrandinspektoren Christoph Beier und Thomas Schmidt, der Kreisbrandmeister Patrick Allen sowie Schwandorfs Stadtbrandmeister Roland Krettner im Einsatz.
- Rettungsdienst: Drei Rettungswagen, ein Krankentransportwagen sowie ein Notarzt standen bereit. Laut Einsatzleiter Rettungsdienst Patrick Sandner wurde eine Einsatzkraft der Feuerwehr behandelt. Sie hatte Kreislaufprobleme. Die Schnelleinsatzgruppe Betreuung-Süd leistete ebenfalls wertvolle Dienste.
- Weitere: Auch mehrere Streifen der Polizei und der Fachberater des THW eilten zum Zementwerk.