Kommentar zum toten Obdachlosen in Burglengenfeld: Nicht wegsehen

Fragen nach Standorten und Mindeststandards sind im Fall des toten Obdachlosen vom Bulmare-Parkplatz zweitrangig, findet MZ-Reporter David Santl. Warum Obdachlosigkeit eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft ist und warum jeder Einzelne helfen kann, schreibt er in seinem Kommentar.
Könnte der Obdachlose vom Bulmare-Parkplatz noch leben? Darauf wird es nie eine seriöse Antwort geben. Dass der Tod des Mannes eine Woche lang unbemerkt bleibt, hätte in einer Innenstadt-Wohnung genauso passieren können, wie in den Wohncontainern beim Bulmare. Doch natürlich sollten diese nur eine Zwischenlösung sein, solange keine anderen Wohnungen zur Verfügung stehen.
Lesen Sie dazu auch den Haupttext: Toter Obdachloser am Bulmare-Parkplatz: Gibt es jetzt Konsequenzen in Burglengenfeld?
Fragen nach Mindeststandards und Standorten sind im konkreten Fall ohnehin zweitrangig. Die Frage ist eher, warum nicht nur der Tod, sondern auch das vorherige Leiden des Mannes scheinbar niemanden gekümmert hat.
Schon ein Ratsch kann Lebensmut schenken
Das ist nicht nur ein Problem offizieller Stellen, sondern der ganzen Gesellschaft: Obdachlose verlieren nicht nur ihre Wohnung, sondern auch ihre Würde. Sie ernten abschätzige Blicke und betäuben ihre Verzweiflung nur allzu oft mit Drogen.
Dabei könnte es so einfach sein: Schon ein kurzer, freundlicher Ratsch kann Obdachlosen neuen Lebensmut geben. Auf diese Art kann jeder Einzelne helfen.