Die Schneemühle bei Berching bietet Jugendlichen seit 45 Jahren ein Zuhause

Von Bernhard Neumayer · 26. August 2025 um 15:00

1980 haben Jugendliche mit zwei Geistlichen die alte Mühle im Ortsteil Eglasmühle zu einer Begegnungsstätte umgebaut. Seitdem verbringen Jugendliche jedes Jahr mehrere Wochenenden und Ferien in der Schneemühle. Jetzt wird groß gefeiert.

Die beiden Jugendlichen Julia Großhauser und Finja Zeller könnten ihre Sommerferien auch im Berle-Bad verbringen. Stattdessen betreuen und bespaßen sie ehrenamtlich Kinder im Jugendhaus Schneemühle. „Weil das Miteinander hier einfach so schön ist“, sagt die 13-jährige Finja, und Julia stimmt ihr zu.

Die Mädels sind Teil des Teams der Begegnungsstätte im Berchinger Ortsteil Eglasmühle. Es besteht aus circa 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern – Jugendliche und junge Erwachsene. Sie organisieren Veranstaltungen im Jugendhaus, das am Samstag, 6. September, Jubiläum feiert.

Abt Beda Maria Sonnenberg aus dem Kloster Plankstetten bezeichnet die idyllisch gelegene Schneemühle als grüne Oase. - Foto: Bernhard Neumayer

Seit 45 Jahren existiert der Treffpunkt für Jugendliche als „alternativer, menschenfreundlicher und ökologisch bewusster Ort“, wie der Förderverein Schneemühle mitteilt. 1980 hatten die beiden Geistlichen Karl Graml und Georg Glötzner die Idee, der alten Mühle neues Leben einzuhauchen.

Beda Maria Sonnenberg, der Abt des Klosters Plankstetten, erinnert sich an die Anfänge zurück: Mehrere hundert Jugendliche hatten sich damals regelmäßig zur Jugendvesper im Kloster getroffen und suchten nach einem Ort, an dem sie sich nach der Besinnung noch zusammensetzen konnten. Und so bauten sie gemeinsam die Schneemühle zu einem Jugendhaus um.

Jugendhaus Schneemühle ist einfach eingerichtet

Die idyllisch gelegene Schneemühle ist seitdem für viele Jugendliche ein Rückzugsort, für manche wie ein Zuhause. Es wird zusammen gekocht, gespielt und über das Leben sinniert – alles unter dem Motto „einfach, gemeinsam, christlich“.

Finja Zeller (v.l.), Stephanie Spitz, Julia Großhauser und Günther Herrler zeigen den Gebetsraum, der sich im Dachgeschoss des Jugendhauses Schneemühle befindet. - Foto: Bernhard Neumayer

Einfach sind zum Beispiel die Zimmer (30 bis 35 Betten) gestaltet. Kein Luxus, sondern hölzerne Bettgestelle, darauf Matratzen, fertig. Das Geschirr besteht aus zusammengewürfelten Tellern, die Küche besitzt keine Spülmaschine.

Stattdessen soll gemeinsam abgespült werden nach dem Kochen. Die Gemeinschaft wird in dem Haus groß geschrieben, wie die 15-jährige Julia und die 13-jährige Finja bestätigen.

Und weil dem Kloster Plankstetten die Schneemühle gehört, ist es den Mitarbeitern auch wichtig, christliche Werte zu vermitteln. Zum Beispiel sollen Ressourcen und Natur geschont und die Schöpfung bewahrt werden.

Veranstaltungen im Jugendhaus Schneemühle bei Berching

Der Verein Schneemühle betont aber, dass religiöse Inhalte zwar angeboten werden, wenn gewünscht. Sie seien aber keine Voraussetzung für die einzelnen Veranstaltungen, wie Spiele-Wochenende, Graffiti-Workshop, Osterwoche oder Besinnungstage.

So sieht das Jugendhaus Schneemühle imn Eglasmühle bei Berching aus. - Foto: Bernhard Neumayer

Das Kloster stellt die Schneemühle zur Verfügung und übernimmt die finanzielle Basis, nimmt aber keinen Einfluss auf die Veranstaltungen, sagt Günther Herrler vom Festausschuss des Vereins. Er hält dieses Modell für wohl einzigartig in Bayern. Auch Vereine und Gruppen können das Jugendhaus mieten und dort übernachten. Herrler unterstützt wie die Vorsitzende des Vereins, Stephanie Spitz, und weitere Helfer bei der inhaltlichen Arbeit. Sie geben den jungen Gruppenleitern wie Julia und Finja ihre Erfahrungen aus dem Jugendhaus weiter.

Jugendstelle gestrichen

Auf die professionelle Hilfe eines Jugendreferenten müssen die Ehrenamtlichen in der Schneemühle dagegen seit Anfang des Jahres verzichten. Die Diözese hat die halbe Stelle von Steffen Bremmert ersatzlos gestrichen. „Wir bedauern das sehr, weil diese fachliche Expertise jetzt fehlt“, sagt die 31-jährige Stephanie Spitz.

Ein Aufeinhaltsraum im Jugendhaus Schneemühle - Foto: Bernhard Neumayer

Und auch den emotionalen Beistand und die humorvolle Art der Schirmherrin vermisst der Verein seit Oktober 2024. Bis zu ihrem Tod hat Kabarettistin Lizzy Aumeier aus Sulzbürg das Jugendhaus unterstützt, unter anderem mit humorvollen Versteigerungen und Benefizauftritten.

Jugendhaus Schneemühle feiert Jubiläum

Doch vom Himmel aus blickt Aumeier bestimmt am 6. September auf „ihre“ Schneemühle herab. Ab 9 Uhr wird an diesem Tag gefeiert: Los geht es mit einem Menschenkicker-Turnier, ab 12 Uhr gibt es Döner, um 15.45 Uhr ist ein Gottesdienst, ab 16.30 Uhr startet der offizielle Festakt. Danach beliefert ein Caterer die Gäste, ehe um 19 Uhr Zeit für Kreatives auf der Bühne ist. Ab 20.45 Uhr spielt die Band Herrschaftszeiten aus Beilngries. Wer mitfeiern möchte, kann sich per Mail an stephanie.haertl34@gmail.com anmelden.

Die Geschichte der Schneemühle bei Berching

• 1906: Die Benediktinerabtei Plankstetten erwirbt das Grundstück, auf dem die Schneemühle steht. Das Kloster nutzt die ehemalige Mühle als Wäscherei und Schusterei sowie zur Geflügelhaltung.

• 1980: Die beiden Geistlichen Karl Graml und Georg Glötzner erwecken das Haus mit einer neuen Idee zum Leben. Sie wollen eine Begegnungsstätte für Jugendliche schaffen.

• 1980 bis 1984: Der Umbau ist ein Kraftakt. Das alte Gebäude muss erst entrümpelt und saniert werden. Weil das Haus in dieser Zeit unbewohnbar ist, schlafen Jugendliche in Zelten.

• 2025: Das Jugendhaus feiert 45-jähriges Bestehen – am Samstag, 6. September.