Katholische Kirche streicht die Jugendstelle in Neumarkt – und jetzt?

Die Mitteilung des Bistums Eichstätt, die Dekanatsbüros und Jugendstellen zu schließen, hat in den Dekanaten für ein Erdbeben gesorgt. Derzeit weiß niemand vor Ort, welche Folgen das für die kirchliche Jugendarbeit haben wird. Denn in den Entscheidungsprozess war keiner der Betroffenen einbezogen worden.
Im Rahmen seines Zukunftsplans will das Bistum seine Verwaltung verschlanken und die Seelsorge stärken. Gleichzeitig steht fest, dass die pastoralen Räume deutlich größer werden, um Kosten einzusparen. Wie die Jugendarbeit künftig aussehen wird, hat das Bistum offen gelassen, als es am 6. Februar die Öffentlichkeit und einen Tag vorher die Dekane informierte.
„Ich bekomme sehr viele Rückmeldungen“, sagt Neumarkts Dekan Stefan Wingen. Die Menschen seien verwundert, verärgert, äußerten ihr Unverständnis über die Entscheidung aus Eichstätt. Was nur wenige mitbekommen haben: Bereits zum Jahreswechsel waren die Neumarkter Jugendreferenten um eine halbe Stelle reduziert worden.
Bistum Eichstätt plant neue Teams mit Fachkräften
Nun soll die verbliebene bis Ende 2026 ganz wegfallen. Der große Vorteil der Jugendstellen sei es gewesen, durch die Vernetzung auf Dekanatsebene Aktivitäten zu ermöglichen, die in den einzelnen Pastoralräumen und Pfarreien nicht möglich gewesen seien. „Denn wir beobachten, dass die Kraft in den Pastoralräumen seit Jahren abnimmt“, sagt Wingen.
Doch genau diesen Schritt zurück fordert jetzt Eichstätt. Jugendarbeit soll vor Ort angeboten werden. Multiprofessionelle Teams vor Ort zu bilden – das ist eine Ankündigung, hinter der Wingen voll und ganz steht. Aber ob diese Fachkräfte auf dem Markt zu finden sein werden, müsse sich erst noch zeigen. „Da muss sich Kirche als attraktiver Arbeitgeber präsentieren.“
Durch den enormen Umwandlungsprozess, in dem sich Kirche derzeit befinde, müsse das Ehrenamt besonders in den Fokus gerückt werden. Nicht jede Aufgabe müsse ein Hauptamtlicher übernehmen, sagt Stefan Wingen. „Aber das Ehrenamt muss begleitet und unterstützt werden.“ Es brauche Schulungen und jemanden, der die Ehrenamtlichen motiviert.
Wie das künftig künftig funktionieren soll, soll in den nächsten Monaten erarbeitet werden. Das Bistum hat Gespräche und Workshops angekündigt. „Da müssen wir uns stark einbringen“, sagt Wingen.
Bislang bereitet die katholische Jugendstelle beispielsweise Firmungen und Kommunionen vor, organisiert ökumenische Initiativen wie den Jugendkreuzweg oder die frühere Jugendvesper in Plankstetten, Fahrten zu Taizé sowie begleitet das Jugendhaus in der Schneemühle.
Wo er künftig arbeiten wird, weiß Steffen Bremmert noch nicht. Der 45-Jährige ist derzeit Jugendreferent in Neumarkt. Schon zum Jahreswechsel hatte sich für ihn einiges geändert, denn bis dahin hatte er eine halbe Stelle nur für die Schneemühle bei Berching.
Jugendreferent Steffen Bremmert lobt Team der Schneemühle
„Ich habe noch nie eine Gruppe erlebt, die sich selbst so motiviert“, sagt Bremmert über die Ehrenamtlichen, die regelmäßig Veranstaltungen in der Schneemühle auf die Beine stellen. „Sie sind etwas ganz Besonderes.“ Deshalb sei es ihm sehr schwer gefallen, nach zehn Jahren das Büro dort auszuräumen. Zum Jahresende wurde diese Stelle jedoch mit der in Neumarkt zusammengelegt.
Jetzt muss er in den nächsten zwei Jahren ein weiteres Büro auflösen. Die Verwaltungsarbeit soll in Eichstätt gebündelt, die Jugendarbeit in den Pastoralräumen verankert werden, so hatte es das Bistum mitgeteilt. „Um meine Zukunft mache ich mir keine Sorgen“, sagt der 45-Jährige. Denn Sozialpädagogen seien rar und nicht nur in der Jugendarbeit stark gefragt.
Aber ihm geht es um die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung, die im Laufe der Jahre gute Beziehungen zu Jugendlichen aufgebaut hätten und wichtige Ansprechpartnerinnen gewesen seien.
Stefan Götz ist bereits schon seit 1. Januar nicht mehr in der Jugendarbeit tätig. Der Vorgänger von Steffen Bremmert in Neumarkt hatte in den vergangenen zwei Jahren die Aufgabe als geistlicher Leiter des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Eichstätt übernommen. Dass er zum Jahreswechsel nun nicht mehr als Jugendreferent nach Neumarkt zurückkehren würde, sei für ihn überraschend gekommen, sagt Götz. Er hat jetzt zwei halbe Stellen inne, arbeitet als Gemeindereferent in Deining und in Neumarkt St. Johannes.
„Die katholische Kirche zieht sich leider stark aus der Jugendarbeit zurück.“ Markus Ott, Geschäftsführer des Kreisjugendring
„Die Jugendreferenten haben eine wichtige Vernetzungsaufgabe in der Region“, sagt Götz. Wie diese Aufgabe künftig geregelt werde, sei derzeit unklar, zumal die Pastoralräume weiter wachsen werden, das steht bereits fest. Darüber hinaus sieht er kirchliche Jugendarbeit als „extrem wichtig an, denn sie vermittelt Werte“, sagt Götz.
Einer, der die Entscheidung aus Eichstätt ebenfalls sehr bedauert, ist der Geschäftsführer des Kreisjugendrings Neumarkt, Markus Ott. „Die katholische Kirche zieht sich leider stark aus der Jugendarbeit zurück.“ In der Schneemühle werde tolle Arbeit geleistet, sagt Ott und geht noch weiter: „Die Mühle bedeutet für viele Menschen Heimat.“ Deshalb hofft Ott, dass das Jugendhaus erhalten bleibe.
Ehrenamtliche brauchten Hauptamtliche, die ihnen den Rücken freihalten. „Wer sich ehrenamtlich engagiert, möchte Projekte realisieren und mit Menschen arbeiten und keine Formulare ausfüllen.“ Das Hauptamt könne sich in der Jugendarbeit generell um organisatorische, rechtliche und pädagogische Fragen kümmern und damit die Ehrenamtlichen unterstützen.
Dekan Wingen glaubt an zukunftsfähige Kirche
„Die Katholische Kirche lässt die kirchlichen Jugendgruppen allein“, sagt Ott. Die Folge: Es gebe immer weniger Ortsgruppen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) oder Christlichen Arbeiterjugend (CAJ). Damit schaffe sich die Katholische Kirche selbst ab. „Die Botschaft allein reicht nicht.“ Kinder und Jugendliche brauchten auch Personen, die mit ihnen zusammen den Glauben gestalteten.
Dekan Stefan Wingen versucht, optimistisch zu bleiben: „Ich sehe eine Perspektive für uns als Kirche, auch wenn es ein Kraftakt ist, Kirche zukunftsfähig zu gestalten.“ Denn die Dekanate Neumarkt und Habsberg zählten viele engagierte Ehrenamtliche und seien hervorragend aufgestellt – auch Dank des Dekanatsbüros mit Dekanatsreferent Christian Schrödl, der den Veränderungsprozess begleite. Da das Dekanatsbüro jedoch bereits Ende des Jahres schließt, fragt sich Wingen, wer dann den weiteren Veränderungsprozess begleitet.