Wann die Reform der katholischen Pfarreien in Neumarkt startet und wer dann der neue Chef ist

Die sechs katholischen Pfarreien in Neumarkt werden einen gemeinsamen Verband bilden. Eine erste wichtige Wegmarke bei diesem Prozess wird in zwei Jahren sein. Die katholische Kirche hat erste Infos bekannt gegeben, was sich dann personell und strukturell für die Katholiken in Neumarkt ändern wird.
In spätestens zwei Jahren geht Stadtpfarrer Norbert Winner in den Ruhestand. Dann wird es nur noch ein Pastoralteam, eine zentrale Verwaltung und einen leitenden Pfarrer geben. Dessen Name: Stefan Wingen, Dekan und Pfarrer der Hofkirche. All das wurde bei einem Projekttag mit Mitgliedern aus den betroffenen Pfarreien besprochen und kürzlich im Weihnachtspfarrbrief der Münsterpfarrei veröffentlicht.
Wingen und Dekanatsreferent Christian Schrödl haben nach eigener Aussage aus dem Projekttag eine positive Grundhaltung vieler Menschen zur Reform mitgenommen. Die Sehnsucht der Menschen „nach lebendiger Gemeinschaft auf Augenhöhe“ übersteige die vorhandenen Ängste. Für solche besteht aus Sicht Wingens auch kein Grund: Eine einfache Zentralisierung sei nicht das Ziel dieses ehrgeizigen Zukunftsprojekts, das für die ganze Diözese Modellcharakter habe.
Immer weniger Katholiken in Neumarkt
Worum geht es dann? Die Notwendigkeit, die Strukturen neu zu organisieren, sei klar. Denn „gut die Hälfte der Neumarkter sind noch katholisch. Aber die Tendenz ist fallend“, sagt Schrödl. Wingen fügt hinzu: „Wenn die Verhältnisse rosig wären, hätten wir uns nicht auf diesen Prozess eingelassen. Es geht darum, die Kräfte zu bündeln, damit wir weiter erleben, was die Kirche wichtig macht“. Nämlich: die Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Es sei ein Unterschied für die Atmosphäre, ob in der Kirche 20 oder 150 Menschen sitzen.
Erst in zweiter Linie kommen für Wingen die weiteren Handlungsfelder Finanzen, Immobilien und Strukturen. „Denn die Kirche ist als erstes eine geistliche Gemeinschaft“, sagt der Dekan. Auch wenn die Situation im Dekanat Neumarkt finanziell noch viel besser als in der Diözese als Ganzes sei, sieht Wingen Handlungsbedarf. Man wolle nicht warten, bis auch in Neumarkt die finanziellen Zwänge zu groß werden, und gehe daher lieber rechtzeitig die ersten Schritte.
Profi-Verwalter soll den Neumarkter Pfarreien helfen
Bei diesen wünscht sich Neumarkt die Unterstützung aus Eichstätt. Wingen ist es sehr wichtig zu betonen, nicht der Chef eines mittelständischen Unternehmens zu sein, sondern der Pfarrer. „Das ist der schönste Titel, den es gibt“, zitiert er Norbert Winner. Deshalb wünscht er sich zusätzlich zu seinen engagierten Ehrenamtlichen von der Personalplanung des Bistums einen hauptamtlichen Verwalter.
„Heute muss ich mich um die Küche für den Kaplan kümmern und bin gefordert, wenn ein Ziegel von der Kirche fällt. Ein Pfarrer muss aber vor allem ein geistlicher Leiter sein“, argumentiert Wingen. In den meisten deutschen Diözesen gebe es schon eine solche professionelle Entlastung. „Weder bin ich ausgebildet, noch ist es meine Berufung am Schreibtisch Gelder herumzuschieben“, sagt Wingen.
Eine zentrale Verwaltung der katholischen Kirche in Neumarkt bedeute auch ein Pfarrbüro, in dem alles zusammenlaufe. Dass deswegen automatisch alle anderen Pfarrbüros geschlossen oder weniger lang geöffnet haben, bedeutet das laut dem Dekan aber nicht. Es werde weiter dezentrale Anlaufstellen geben, betont er. Wie konkret ausgestaltet dies sein wird, muss noch erarbeitet werden. Wie überhaupt vieles bei der Reform noch im Fluss ist. Bis Ende 2025 soll der „Zukunftsplan“ stehen.
Erste Veränderungen wird es bei den katholischen Gottesdiensten in Neumarkt geben
Erste Veränderungen werden die Gläubigen in der kommenden Zeit am ehesten bei den Gottesdiensten spüren. „Gerade zwischen St. Johannes und Hofkirche könnten wir die Zahl der Messen noch besser abstimmen, zum Beispiel bei den Abendmessen“, sagt Wingen. „Pfarrer Winner hat einmal nachgezählt: Wir kommen auf über 30 Christmetten. Das ist im Vergleich zu meiner Heimat Koblenz der totale Luxus.“
Dekanatsreferent Christian Schrödl verspricht, dass der weitere Prozess sukzessive transparenter für die Gläubigen, die Öffentlichkeit und die ökumenischen Partner sein soll. Die Projektgruppe aus Pfarrern, Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen will zu einzelnen Themen Untergruppen bilden. Das sorge bereits für eine größere Öffentlichkeit.
„Eine große Angst ist verständlicherweise, dass das kirchliche Leben in Filialgemeinden eingestampft wird. Diese Sorge können wir abbauen“, sagt Pfarrer Wingen. „Ziel ist, dass das Lebendige in den einzelnen Gemeinden lebendig gehalten und zarte Pflänzchen verlebendigt werden.“

