Die jüngste Pfarrei im Bistum wird 50 Jahre alt: St. Elisabeth in Postbauer-Heng feiert ein Jahr lang

Als die moderne katholische Kirche in Postbauer-Heng gebaut wurde, waren viele entsetzt. 50 Jahre später ist das anders. „Wenn Neumarkter zu uns in die Kirche kommen, machen wir offensichtlich etwas richtig“, räumt Pfarrer Markus Fiedler fast schon entschuldigend ein. Seine Pfarrei ist eine besondere: jung, modern und voller neuer Ideen. Zu neuer Höchstform will St. Elisabeth im Jubiläumsjahr 2025 auflaufen.
Wer die Pfarrei St. Elisabeth betritt, der erlebt die katholische Kirche in pragmatischer Selbstverständlichkeit: Auf dem Kirchendach gibt es seit über 20 Jahren eine PV-Anlage, in der Dachkonstruktion erstrahlt seit Kurzem ein modernes LED-Lichtkreuz in wechselnden Farbstimmungen und bei Bedarf wird die Kirche auch mal zum Kinosaal oder das Pfarreiteam serviert ein Gläschen Wein.
Keine spontane Liebe der Gläubigen zum Gebäude
„Wenn ich so etwas anderen Pfarrern erzähle, schlagen die manchmal die Hände über dem Kopf zusammen“, verrät Pfarrer Fiedler mit einem Lächeln. Doch in St. Elisabeth geht das, verrät er: „Der sakrale Raum wirkt trotzdem, auch wenn er sehr modern ist. Niemand käme auf die Idee, sein Glas auf dem Altar abzustellen.“
Entscheidend sei die Gemeinschaft der Menschen bei allen Aktionen und Angeboten. Dass die junge Kirchengemeinde heute so lebendig ist, war bei der Gründung der Pfarrei keineswegs absehbar. Für allem die neue Kirche am Centrum war für viele der frisch vereinten Postbauer-Henger alles andere als Liebe auf den ersten Blick. „Das Kirchengebäude hat den Leuten am Anfang nicht gefallen. Das war an sich eine Provokation für die Henger und Postbauerer Seelen. Das Gebäude ist ziemlich abfällig tituliert worden“, sagt Fiedler. Dann folgten mühsame „Aufbaujahre“, wie sie der Pfarrer nennt. Die Menschen hatten mit dem Gebäude erst versöhnt werden müssen.
Längst aber sei die Architektur ein Pluspunkt, denn: „Es entsteht sofort Gemeinschaft. Ich bin als Pfarrer auch nahe dran an den Menschen. Und durch den Teppichboden herrscht fast ein bisschen Wohnzimmer-Atmosphäre.“ Außerdem biete der karge Raum viele Gestaltungsmöglichkeiten. „Und das haben wir in den letzten Jahren sehr intensiv genutzt“, erinnert sich Fiedler. In der Corona-Zeit gab es sogar eine riesige Wüste in der Kirche, in der Kinder nach Schätzen graben konnten.
Technik ist kein Selbstzweck, sondern soll Botschaften unterstreichen
Auf dem Stand der Zeit bleibt das Team auch technisch. Jüngstes Werk von Tragwerk 7, einer Gruppe innerhalb der Pfarrei, ist das imposante LED-Kreuz in der Deckenkonstruktion der Kirche. Damit lassen sich je nach Anlass verschiedene Lichtstimmungen erzeugen. Auch einen Beamer gibt es, mit dem zum Beispiel bei einem Trauergottesdienst bereits die Namen der Verstorbenen und ein erblühendes Kreuz als Zeichen der Hoffnung an die Wand projiziert wurden.
„Es geht hier nicht um Kino“, betont Christoph Härtl, der zum Team der Technikaffinen gehört, aber man wolle eben die Möglichkeiten der heutigen Zeit im angemessenen Rahmen nutzen. Für die Offenheit der Gläubigen sind dabei alle Beteiligten sehr dankbar. Und wer skeptisch ist, lasse sich oft doch noch überzeugen. „Die Leute sind es inzwischen gewohnt, dass wir viel ausprobieren. Und viele lassen sich darauf ein“, stellt Luitgard Altmann fest.
Modern bleiben und vor allem „Nah an den Menschen“, wie Luitgard Altmann, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, immer wieder betont, sei das Selbstverständnis der Pfarrei. Das gilt auch beim 50. Geburtstag von Kirche und Pfarrei Postbauer-Heng. Die Pläne für das kommende Jahr sind ambitioniert, vielfältig und ungewöhnlich. Ganz bewusst hat man sich entschieden, das Jubiläum nicht nur an einem Tag oder Wochenende zu feiern, sondern ein ganzes Jahr lang.
Wäre Elisabeth heute Aktivistin?
Das Motto referenziert ganz bewusst von der Vergangenheit in die Gegenwart. „Mehr als Brot & Rosen“ spielt auf die Heiligenlegende um Kirchenpatronen Elisabeth an und wirft zugleich die Frage auf: „Was hätte Elisabeth von Thüringen heute gemacht? Ein Lepra-Spital gründen wäre es wohl nicht. Vielleicht wäre sie eine Aktivistin“, sagt Christoph Hart. Und Pfarrer Fiedler ergänzt: „Vielleicht würde sie mit dem Smartphone in der Hand etwas organisieren, um Menschen zusammenzubringen.“
Ganz plastisch soll dieser Gedanke werden, indem die große Heiligenfigur von der Seitenwand der Kirche für ein Jahr an den Altar wandert – und jeden Monat zeitgemäße Attribute in ihre derzeit noch leere Hand bekommt. Die wechselnden Gegenstände sollen dann jeden Monat eine Rolle im Gottesdienst spielen.
In die Fußstapfen der Heiligen Elisabeth – einer mutigen Frau, die oft gegen die Konventionen ihrer Zeit gehandelt hat, – werden im Festjahr Gastpredigerinnen steigen, um „den weiblichen Blick aufs Evangelium“ in den Gottesdienst zu holen, erklärt Fiedler.
Eine Heilige als Tonie-Figur
Ob es auch eine Teambuilding-Maßnahme ist? Denn im Frühjahr und Sommer stehen noch viele weitere Jubiläumstermine an. Eine Aktion für Familien: die Spielekirche Lisbeth. Christoph Härtl verrät, wie die aussehen soll: „Wir wollen das Leben der heiligen Elisabeth an fünf Stationen in der Kirche nacherzählen. Dafür programmieren wir eigene Tonie-Figuren, die aus dem 3D-Drucker kommen, die Geschichten kindgerecht erzählen.“ Für das Projekt arbeite man auch mit dem Kindergarten nebenan zusammen. Familien sollen die Geschichte etwa ab dem Frühsommer erleben können.
Für Literaturfans plant Tragwerk 7 außerdem eine Poetry-Reihe: Einen ersten Abend gestalten Slam-Poeten, die bereits Bühnenerfahrung haben. Dann gibt es einen Workshop für Neulinge, die ihre Werke an einem weiteren Abend präsentieren.
Großer Höhepunkt des Jubiläumsjahres soll schließlich das ökumenische Pfarr- und Gemeindefest am 6. Juli werden. „Das ganze Zentrum soll zu einer großen Tafel, zu einer Festmeile werden“, skizziert Pfarrer Fiedler seine Vision. Mitfeiern wird auch die evangelische Kirche. Unter freiem Himmel wollen Fiedler und sein evangelischer Kollege Joachim Roth dort einen Gottesdienst feiern.
Kleine Geschichte von St. Elisabeth
Die Wurzeln: St. Elisabeth entstand vor 50 Jahren nicht aus dem Nichts. Seit dem 15. Jahrhundert gibt es St. Jakobus in Heng, 1527 wurde Heng Pfarrei, einige Jahrzehnte später aufgelöst und Pölling zugeschlagen. 1721 wird St. Johannes in Postbauer gebaut.
Die Gebietsreform: 1971 werden Postbauer und Heng zunächst politisch zusammengelegt. Im Jahr darauf beschließen Kirchenverwaltung und Bischöfliches Ordinariat in Eichstätt, dass im Centrum eine neue Kirche und ein Pfarrheim entstehen sollen. Der Auftrag geht an den Münchner Architekten Günter Eckert.
Die Kirche: Die Optik der neuen Kirche ist keine gewöhnliche – und blieb lange umstritten. Am 19. Oktober 1975 weihte Bischof Alois Brems das moderne Gotteshaus ein. Es erhielt den Namen St. Elisabeth, in Erinnerung an eine der Patroninnen des Deutschen Ordens, der die Geschichte Postbauer-Heng entscheidend geprägt hat.
Entwicklung: 1980 bekommt das Kirchenzentrum einen Turm mit vier Glocken. Auch ein größerer Pfarrsaal wird angebaut. 1997 kommt das Pfarrbüro mit eigenem Eingang dazu, 2011 folgt die energetische Sanierung.
