Brandopfer suchen Unterkunft: Flammen zerstören in Dillberg zwei Wohnungen

„Wenn ich eine Minute früher rein wäre, hätte es mich schwer erwischt.“ Vier Tage nach dem verheerenden Kellerbrand in einem Anwesen in Dillberg im Landkreis Neumarkt steht Jürgen Knäbel der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Der Eigentümer der Häuser ist ratlos, wie es nun weitergehen soll.
Die Vögel zwitschern fröhlich in den Bäumen, die Sonne scheint vom strahlend-blauen Winterhimmel, doch bei Knäbel und seiner Frau Doris ist die Stimmung am Tiefpunkt. Das Tageslicht zeigt das ganze Ausmaß des Schadens, der am Tag vor Heiligabend durch ein Feuer in den vermieteten Räumen in dem Ortsteil von Postbauer-Heng entstanden ist.
Die Fassade des Nebengebäudes ist vom Ruß schwarz gefärbt, die Fensterscheiben zum Teil geborsten. Das Kellergeschoss ist völlig ausgebrannt: „Ich habe dort noch eine Schreinerwerkstatt. Da kommt man gar nicht rein, weil das Wasser noch knietief drinsteht“, berichtet Knäbel frustriert. Alle Maschinen und Geräte seien kaputt.
Nebengebäude ein Raub der Flammen
Vor der Tür im Untergeschoss türmen sich kohlschwarze Autoräder und anderer kaputter Hausrat. Im Hof oben liegen zahlreiche verkohlte Sägen und andere Dinge, die wohl eilends zu retten versucht worden waren. „Ein paar Sachen sind auch schon geklaut worden“, stellt Knäbel kopfschüttelnd fest. Manche Menschen hätten keine Skrupel.
Die Garagentore sind durch Brand und Löschwasser so verzogen, dass sie nicht mehr zu öffnen sind. Doch ein Spalt gibt jeweils den Blick frei auf den schlimmen Zustand im Innern. Ein geparktes Auto ist völlig mit Ruß bedeckt, und auch Knäbels geliebter Oldtimer, ein Ford Mustang, blieb nicht ganz unversehrt, aber auf den ersten Blick von Schlimmerem verschont.
Wie berichtet, waren die Feuerwehren am frühen Montagabend zu dem Brand am Dillberg gerufen worden. Die Ermittlungen zur bisher unbekannten Brandursache hat die Polizeiinspektion Neumarkt übernommen.
Auch am Freitag waren deshalb Beamte vor Ort, am Montag werde sich die Kripo ein Bild machen und das Haus genau unter die Lupe nehmen, teilt die Polizeiinspektion Neumarkt mit. Nach ersten Erkenntnissen habe offenbar ein Holzofen das Feuer ausgelöst. Der Schaden liege nach ersten Schätzungen im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus
Wie die Polizei mitteilt, habe am Montag gegen 14.30 Uhr der Bewohner der Kellerwohnung, ein Mieter der Knäbels, seinen Holzofen in der Kellerwohnung angeschürt. Anschließend sei er außer Haus gegangen und habe bei seiner Rückkehr gegen 16.15 Uhr festgestellt, dass es stark rauchte und seine Wohnung im Bereich des Holzofens brannte.
Beim Öffnen der Türe habe es eine gewaltige Verpuffung gegeben, berichtet Jürgen Knäbele. Die alarmierten Feuerwehren aus Neumarkt, Postbauer-Heng, Pavelsbach, Pölling und Pyrbaum löschten das Feuer.
Der ältere Herr, der im Untergeschoss wohnte, erlitt laut Polizei durch den Rauch leichte Verletzungen, eine Rauchgasvergiftung und wurde ins Klinikum Neumarkt gebracht. Dort wird er nach Auskunft von Bürgermeister Horst Kratzer am Freitag noch über Silvester bleiben müssen.
Große Hilfsbereitschaft in der Gemeinde Postbauer-Heng
Der Rathauschef war an allen Tagen am Unglücksort, um den Betroffenen zur Seite zu stehen. „Unser Netzwerk in Postbauer-Heng funktioniert sehr gut“, lobt er. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten ihre Hilfe angeboten und Sachen für die Brandopfer gespendet.
Bis auf den älteren Mann blieben alle anderen Bewohner der Häuser unverletzt, mussten sich über Weihnachten aber nach einer anderen Bleibe umsehen. Vorübergehend fanden sie bei Bekannten, Verwandten und in einem nahe gelegenen Gasthof in Bach Unterkunft, so auch das Ehepaar Knäbel.
Dieses wirkt am Freitag vor Ort desillusioniert: Nicht nur die Keller- und Dachgeschosswohnung des Nebengebäudes sind derzeit unbewohnbar, sondern auch ihr Wohnhaus, das mit diesem durch einen Übergang verbunden ist. Der beißende Brandgeruch hängt noch immer in den Zimmern, sodass dort keiner wohnen kann. Beide Eheleute leiden unter Atemwegserkrankungen und müssen deshalb besonders vorsichtig sein.
Weiterhin auf der Suche nach einer Unterkunft
Außerdem war der Strom abgestellt, ein Notstromaggregat installiert worden. Der Energieversorger habe aber noch am Freitag das Problem lösen können, informiert Bürgermeister Kratzer. Noch keine Antwort hat er auf die Frage, wo der ältere Herr aus der Untergeschosswohnung untergebracht werden kann, wenn er aus dem Krankenhaus kommt. Doch Kratzer zeigt sich zuversichtlich, dass sich für ihn eine Unterkunft findet.