Mehr als 30 Termine in 26 Tagen: Julia Nießlbeck über ihren Advent als Neumarkter Christkind

Mehr als 30 Termine in 26 Tagen – das Ehrenamt als Neumarkter Christkind ist nicht mit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes getan. Schließlich wollen viele das Christkind einmal persönlich treffen.
Neben Besuchen in Kindergärten, Seniorenheimen oder bei Vereinsfeiern blieb dem diesjährigen Christkind Julia Nießlbeck nur wenig Zeit für die Universität.
Über die gesamte Adventszeit, beginnend mit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes am 28. November, verbreitete die Lehramtsstudentin etwas Weihnachtszauber in Neumarkt. Dahinter steckt ein ausgeklügelter Terminplan und jede Menge Organisation, wie Christian Eisner von Aktives Neumarkt verrät.
Die meisten Christkind-Besuche standen für Nießlbeck in der vergangenen Woche an, rund 13 Stück. „Ich bin dann meistens noch einen Ticken früher vor Ort angekommen, dass man vielleicht kurz absprechen kann, was ansteht, wie der Ablauf ist, was von mir erwartet wird“, erzählt die 20-Jährige. Zwar hat sie stets ihr Goldenes Buch dabei, in dem auch einige Geschichten und Gedichte stehen, meistens haben sich die Gruppen aber den Prolog von der Eröffnung des Weihnachtsmarktes gewünscht.
Aktives Neumarkt organisiert Termine
Für die Organisation der Termine ist aber nicht das Christkind selbst, sondern der Stadtmarketing-Verein Aktives Neumarkt zuständig. Unter sechs Bewerberinnen haben City-Manager Eisner und seine Kollegen Julia Nießlbeck Ende Oktober als Christkind auserkoren. Neben ausreichend Zeit in der Adventszeit ist für Eisner vor allem auch das persönliche Auftreten entscheidend. „Man kommt in die verschiedensten Situationen und wenn jemand sehr zurückhaltend ist, wird sie sich vermutlich nicht wohlfühlen. Es ist dann doch recht anstrengend und jeder Termin ist komplett anders“, sagt Eisner.
Das kann Nießlbeck bestätigen. „Manche Sachen hat man davor noch gar nicht auf dem Schirm gehabt, zum Beispiel der Münzverein“, erzählt sie. Am Ende ihres Besuches bei den Sammlern erhält sie nicht nur den diesjährigen Weihnachtstaler, sondern ersteigert sogar selbst zwei Scheine aus den 1920er Jahren.
Lieblingstermine bei Kindereinrichtungen
Zu ihren persönlichen Höhepunkten zählen aber besonders die Besuche bei Kindereinrichtungen. Etwa in der Kolibris-Leseecke – „da durfte ich Pixibücher vorlesen und die Kinder haben es sich dann am Boden gemütlich gemacht in Sitzsäcken und ich saß in so einem riesigen Sessel“, erinnert sie sich. Statt einem Pixibuch, las die Lehramtsstudentin schließlich drei.
Welche Vereine, Gruppen oder Einrichtungen sie besucht, entscheidet Aktives Neumarkt. „Anfragen gäbe es noch viel mehr, aber wir müssen auch auf die Gesamtmenge schauen“, sagt Eisner. Zumindest ein Tag die Woche soll terminfrei bleiben, gerade gegen Ende der Weihnachtszeit finden dann aber auch viele Vereins-Weihnachtsfeiern statt. Hinzu kommen Seniorenheime, Kitas, betreute Wohngruppen, Stadtverwaltung, Einkaufszentrum, Landratsamt und natürlich regelmäßige Besuche auf dem Weihnachtsmarkt. An manchen Tagen ist das Nießlbeck auch mal vier Stunden als Christkind unterwegs.
„Wir haben 2022 beschlossen, dass wir das Christkind stärker in der Öffentlichkeit haben wollen“, erklärt Eisner. Auch deswegen ist neben einem Führerschein auch zeitliche Flexibilität in der Adventszeit ein wichtiges Kriterium für die Wahl zum Christkind. In ihrer Studentinnenwohnung in Regensburg war Nießlbeck in den vergangenen vier Wochen tatsächlich kaum.
Routine beim Styling
Auch wenn Aktives Neumarkt die Termine koordiniert, etwas Vorbereitung ist dennoch notwendig – zum Beispiel auf neugierige Kinderfragen. Und auch der Christkindl-Look muss stimmen. Rund eine halbe Stunde braucht die Studentin für ein dezentes Make-up und, um ihre Haare samt Glitzersträhnchen zu stylen. „Man kriegt dann eben auch eine gewisse Routine“, sagt sie.
Privat ist Nießlbeck zwischen den Terminen dagegen kaum zu klassischen Advents-Aktivitäten wie Plätzchenbacken gekommen. „Ich habe zwar die Eislaufbahn eröffnet, aber selber Runden gedreht habe ich noch gar nicht“, erzählt sie eine Woche vor Weihnachten.
Umso öfter wurde sie als Christkind dafür mit Weihnachtsliedern besungen. „Das hat man ja jetzt auch nicht alle Tage, dass eine Gruppe für einen singt, außer vielleicht am Geburtstag“, sagt sie. Ein schönes Gefühl sei das, vor allem weil man mit dem Besuch eine kleine Freude bringen konnte. Ob Nießlbeck auch kommendes Jahr in das schwere weiße Engelskleid schlüpfen wird, hängt davon ab, was das neue Jahr für sie bereit hält.

