Vor Alice Weidel auftreten? „Na klar!“, sagt Harald Schmidt

Vor seinem Besuch in der Oberpfalz spricht der Entertainer und Aktivrentner Harald Schmidt im Interview mit der Mediengruppe Bayern über Meinungsfreiheit, Bundesliga und Wagner-Opern. Gloria von Thurn und Taxis macht er ein Kompliment: „Wir könnten mehr solcher Leute brauchen.“
Guten Morgen, Herr Schmidt. Wer hätte das gedacht, dass wir beide mal telefonieren würden – und auch noch am Geburtstag von Ludwig II.!
Harald Schmidt: Wann sonst? Ja gut, wir hätten auch am Geburtstag von Kaiser Franz Joseph sprechen können, das ist ja auch mein Geburtsdatum.
Sie sind Adel-Fan. Kennen Sie Gloria von Thurn und Taxis?
Schmidt: Ich hab’ sogar mal im Schloss übernachtet. Ist schon ein paar Jahre her.
Regensburgs Sommer-Aufreger war Alice Weidel, als Gast der Fürstin bei den Schlossfestspielen. Vicky Leandros wollte nicht vor ihr singen. Würden Sie vor Weidel im Theater auftreten?
Schmidt: Na klar, selbstverständlich! Ich mach da ja keine Einlasskontrolle. Wer eine Karte hat, ist willkommen.
Lesen Sie mehr: Schlossfestspiele: AfD-Chefin Weidel poltert auf X gegen Vicky Leandros
Vielleicht ist Weidel Ihr Fan?
Schmidt: Damit hätte ich kein Problem. Mich wollen die Leute manchmal aufs Glatteis führen. Die fragen: Haben Sie keine Angst, dass vor Ihnen AfD-Leute sitzen? Ich sage: Nach meiner Kenntnis ist die AfD die größte Oppositionspartei in Deutschland, also gehe ich davon aus, dass auch bei mir jeder Vierte oder Fünfte im Publikum AfD wählt. Zum Stichwort Aufreger: Es entstehen permanent Aufgeregtheiten, das ist ja das Tolle an Deutschland. Ich freue mich schon auf das Zitat aus dem Interview bei Google: „Harald Schmidt würde auch vor Alice Weidel auftreten.“
Sie haben gehört, dass Gloria ein Buch herausbringt? Heißt „Lieber unerhört als ungehört“.
Schmidt: Ich werd’s lesen, wenn ich Zeit finde. Gloria ist ein Musterbeispiel für jemanden, der sich um nichts schert, seine Meinung sagt. Wir könnten mehr solcher Leute brauchen. Worum geht’s im Buch?
Angekündigt ist ein Resümee ihrer Überzeugungen.
Schmidt: Toll! Ich habe gerade ein Foto von Gloria bei den Bayreuther Festspielen gesehen. Hoffentlich stoppt man ihretwegen nicht noch eine Aufführung der „Walküre“.
Lesen sie mehr: Wirbel um Weidel-Besuch: Vicky Leandros interveniert
Sie produzieren zur Zeit viel Traffic: mit Aussagen zur verliebten Julia Klöckner oder zum Einstecktuch von Konstantin von Notz. Es ist offenbar nichts zu banal – sofern es von Ihnen kommt, ist es eine Schlagzeile wert. Wie machen Sie das?
Schmidt: Hinter den Meldungen steckt ein zweistündiges dpa-Interview. So was geht heute in Häppchen online. Ich habe gelernt: Viele Klicks sind das Entscheidende. Und ich finde, das ist die wahre Tiefe in der politischen Beobachtung, die Frage: Wer trägt was? Wenn Sie überlegen, dass der US-Präsident unseren Bundeskanzler beglückwünscht hat, dass er so toll gebräunt ist, und dass das als außenpolitischer Erfolg gerühmt wird: Da stehe ich ja an der Spitze der Bewegung, der Spitze der politischen Analyse.
Sie kommen im Dezember nach Regensburg. Womit werden Sie hier für Aufregung sorgen?
Schmidt: Ich bin keiner der Comedians, die 25 Jahre das Gleiche runternudeln. Ich reagiere ständig neu. Und bis Dezember wird so viel passieren. Die Themen entscheiden sich am Tag vor dem Auftritt. Frühestens. Aber sicher wird der Artikel 5 des Grundgesetzes getestet; das ist die Meinungsfreiheit. Den vergessen ja viele. Die Beistandspflicht im Nato-Vertrag und die Meinungsfreiheit im Grundgesetz, das sind unsere beiden wichtigsten Artikel.
Sie wollen laut Ankündigung darüber sprechen, was Deutschland beflügelt. Da bin ich ja mal gespannt.
Schmidt: Die Bundesliga! Was am Wochenende geboten war, großartig! Ansonsten finde ich das Gejammer in Deutschland fantastisch. Ich lebe vom Weltuntergangsmodus. Worüber sollte ich sonst Witze machen?
Zurück zu Bayreuth und Wagner: Sie sind unterwegs mit Tenor Klaus Florian Vogt und reden vor Publikum über Oper. Was gefällt Ihnen an Wagner?
Schmidt: Das ist einfach Musik, der man sich nicht entziehen kann. Aber es gibt Bemühungen, Richard-Wagner-Straßen umzubenennen. Da sehen Sie, wo unsere Probleme liegen. Das Ausland beneidet uns darum, dass wir uns diese Art von Beschäftigung leisten können.
Sie sind auf dem „Traumschiff“ im ZDF zu erleben und waren 2024 zu Gast am Theater Regensburg. Im Juli lief hier „Das Schiff der Träume“, samt liebeskranker Nashorndame. Sie hätten schön zur Crew gepasst.
Schmidt: Klingt gut! Ich war ja bei meinem Besuch 2024 überrascht, wie schön die Stadt ist und das Theater. Aber ich bin so viel unterwegs, ich könnte in keine feste Produktion mehr einsteigen. Das Einzige in dieser Richtung ist „Das weiße Rössl“ an der Volksoper Wien.
Genießen Sie, dass Sie die fixen TV-Produktionen los haben?
Schmidt: Absolut. Ich mache nur noch, wozu ich Lust habe und ich lebe nach dem Motto: Unterm Strich komm ich. Aber Arbeit macht ja Spaß. Und die Themenlage ist traumhaft.
Sie haben sich zuletzt zufrieden gezeigt mit Schwarz-Rot.
Schmidt: Es kommt der Herbst der Entscheidungen, lese ich. Es geht ans Geld, das hinten und vorn fehlt. Es wird interessant, wer wessen Stimmen dafür brauchen wird. Da wird es viel Gehüstel geben.
Lesen Sie mehr: Harald Schmidt ist „Rentner mit Leib und Seele“
Regt Sie eigentlich noch etwas auf? Sie sind Rentner, die Spätsommersonne scheint so schön.
Schmidt: Mich regt nichts auf, wenn ich so überlege. Und ich bin sogar Aktivrentner. Ich setze um, was Carsten Linnemann in seiner Partei erst mal schaffen muss: Ich kriege Rente und gehe weiter arbeiten.
Richten Sie sich auf ein soziales Pflichtjahr für Rentner ein, wie Marcel Fratzscher vorschlägt?
Schmidt: Ich würde mich fürs Fronttheater melden, in der Art wie früher Marlene Dietrich.
Unsere Zeit ist um. Soll ich Ihnen nachher das Interview zur Freigabe mailen?
Schmidt: Bloß nicht!
Interview: Marianne Sperb
Harald Schmidt im Theater Regensburg
Kabarettist Harald Schmidt und Moderator Korbinian Frenzel sind mit DLF Kultur auf Tour, in der Reihe Deutschlandradio-Denkfabrik, Motto: „Machen statt meckern“. Im Theater Regensburg sprechen sie über alles, was Deutschland bewegt und beflügelt – oder auch bremst und blockiert: am 7. Dezember (11 Uhr), alle Details: www.theaterregensburg.de.
Harald Schmidt begann seine Karriere in den 1980ern als Schauspieler und Kabarettist und wurde als „Chef-Lästerer der Nation“ und Late-Night-Legende bekannt. Ab und an besteigt er „Das Traumschiff“ im ZDF oder er steht auf der Bühne, wie für „Das weiße Rössl“ an der Volksoper Wien. Aktuell bestreitet er mit Opernsänger Klaus Florian Vogt die Reihe „Wagner zu dritt“.