Wirbel um Weidel-Besuch: Vicky Leandros interveniert gegen Besuch der AfD-Politikerin

Von Christian Eckl · 21. Juli 2025 um 19:12

Kommt Alice Weidel oder kommt sie nicht? Singt ein Star wie Vicky Leandros, wenn eine Frau Weidel im Publikum sitzt? Und wie reagieren beispielsweise die Angestellten der Gastronomie am Schlossgelände, sollte Weidel erscheinen? All diese Fragen waren am frühen Montagabend noch völlig offen.

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Zuvor hatte die Polizei dieser Zeitung bestätigt, dass Weidel als Besucherin an den Schlossfestspielen teilnehmen sollte. Die Sängerin Vicky Leandros hatte allerdings klar gemacht: Alice Weidel ist bei ihrem Konzert nicht willkommen.

Die Intervention gegen Weidels Besuch in Regensburg zeigte offenbar Erfolg. Weder sie noch die Hausherrin nahmen am Festessen für die Gäste des Fürstenhauses teil. Dem Vernehmen nach speisten sie im Schloss. Unter den Gästen war unter anderem der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit seiner Gattin Diana Troglauer – ein CSU-Politiker. Bei den Veranstaltern war am Abend Erleichterung darüber zu spüren, dass Weidel dem Konzert fernblieb.

Der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit seiner Gattin Diana Troglauer - Foto: Christian Eckl

Ein kurzfristig angekündigter Besuch von AfD-Parteichefin Alice Weidel bei den Regensburger Schlossfestspielen sorgte jedenfalls am Montag für Wirbel. Wie Festspiel-Beteiligte berichten, habe es unter anderem massive Sicherheitsbedenken gegeben. Markus Reitmeier von der Polizeiinspektion Regensburg Süd sagte dieser Zeitung, Weidel habe eine sehr hohe Sicherheitsstufe. „Ich darf über den Aufenthalt dieser Person nichts sagen“, so Reitmeier.

Schon öfters Proteste

Die AfD-Politikerin sollte angeblich schon am Sonntag zum Auftritt von Jonas Kaufmann kommen. Ein am Montag veranstaltetes Konzert mit Vicky Leandros wollte die Rechtspolitikerin zunächst besuchen, doch: Nach MZ-Informationen gab es Druck von Seiten der Festspiel-Beteiligten. Zumindest fand das normalerweise an den Tischen der Fürstin veranstaltete Festessen ohne die AfD-Politikerin statt. Sängerin Leandros selbst hatte allerdings gegen den Besuch Weidels interveniert: Sie selbst habe laut Bild nach Bekanntwerden des Weidel-Besuchs bei ihrem Konzert die Fürstin angerufen und ihr mitgeteilt, dass Weidel nicht willkommen sei.

Einen umfangreichen Liveblog mit vielen Bildern, Videos und Informationen rund um die Thurn und Taxis Schlossfestspiele in Regensburg finden Sie hier.

Schon mehrfach gab es bei den Festspielen Proteste von Künstlern gegen die Hausherrin: „Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen“, sagte 2019 der Sänger der Rockband Revolverheld, Johannes Strate. Hausherrin Gloria von Thurn und Taxis war damals dem Konzert im Innenhof des Schlosses ferngeblieben und hatte den Abend im Schlosspark verbracht.

Nachdem die Mediengruppe Bayern nach Bestätigung durch die Polizei am Montagvormittag über den geplanten Besuch von Weidel im Schloss berichtet hatte, kam offenbar Bewegung in die Sache: Aus Kreisen des Veranstalters war zu hören, dass es erhebliche Zweifel an der Sicherheit gegeben habe. Am Montag hatten zudem Gruppen aus der „Initiative gegen Rechts“ eine Demonstration am Emmeramsplatz angemeldet. Diese fand unter dem Motto „Weidel, verpiss dich!“ statt.

Kritische Stimmen auch vonseiten der Gastronomie

Kritische Stimmen über den angekündigten Besuch kamen auch von Seiten der Betreiber der Gastronomie im Schloss. Goliath-Chefin Stephanie Birnthaler wollte den angekündigten Besuch Weidels selbst zwar nicht kommentieren. Sie sagte aber auch: „Wir haben jeden Abend so viele liebenswerte Gäste, es ist unser Bestreben, ihnen einen unbeschwerten Abend zu bereiten.“ Die Festspiele seien auch nicht der richtige Ort für politische Auseinandersetzungen. „Wir wollen, dass unsere Gäste weiterhin unbeschwert einen schönen Abend genießen können, das ist doch in diesen ohnehin schon schweren Zeiten eine wichtige Sache.“

Schon am Sonntag kursierten Gerüchte, Weidel würde beim Auftritt des Opernsängers Jonas Kaufmann zu Gast sein. Doch Weidel blieb in Berlin, wo sie das ARD-Sommerinterview absolvierte. Das wurde begleitet von Pfiffen, Buh-Rufen und Protesten gegen die Vorsitzende der kurzzeitig als „gesichert rechtsextrem“ eingestuften Partei – aus rechtlichen Gründen nahm der Bundesverfassungsschutz diese Einordnung vorerst wieder zurück. Nun also am Montag: Die zuständige Polizeiinspektion Süd bestätigte den Besuch Weidels auf Anfrage der Mediengruppe Bayern auch.

Bereits am Freitag war ein Vertreter der Partei zu Gast, der aber zunächst weitgehend unerkannt blieb, weil er eher aus der zweiten Reihe der Partei stammt. Der frühere Focus-Journalist Michael Klonovsky war zeitweise Sprecher der dann ausgeschiedenen Partei-Chefin Frauke Petry, später persönlicher Referent von Alexander Gauland. Er hatte seine Ehefrau, die russisch-israelische Pianistin Elena Gurevich, dabei. Klonovsky wird zwischenzeitlich durch seine AfD-Aktivitäten von den Medien kritisch wahrgenommen. Der in Ost-Berlin aufgewachsene Publizist hatte 1991 auch den „Wächterpreis der deutschen Tagespresse“ erhalten, weil er Menschenrechtsverstöße in der DDR-Diktatur publik gemacht hatte.

Hausherrin Gloria von Thurn und Taxis lädt regelmäßig Gäste während der Schlossfestspiele ein (hier im Bild mit CSU-Stadträtin Dagmar Schmidl). Die Einladung von AfD-Parteichefin Alice Weidel verteidigte die Adelige jetzt. - Foto: Tino Lex

„So verändert sich die Welt“

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis äußerte sich auf Anfrage nicht über die Einladung Weidels zu den Festspielen. Im Interview mit der Mediengruppe Bayern hatte sie vor den Festspielen gesagt: „Über meine Gäste möchte ich mich nicht äußern“, so die Adelige noch vor wenigen Wochen. „Bei mir gehen seit Jahrzehnten immer wieder gesellschaftlich am Rande stehende Leute ein und aus. Das sind meistens Künstler. Früher waren da sowohl Transgender, Schwule und Lesben dabei, heute gehören sie zum Mainstream, dafür sind konservative Politiker jetzt eben an den Rand gerückt worden. So verändert sich eben die Welt.“

Am Montag äußerte sich von Thurn und Taxis allerdings gegenüber dem Radiosender Antenne Bayern. Sie sagte wörtlich: „Wenn Sie eine Party geben, dann müssen Sie immer dafür sorgen, dass Sie möglichst unterschiedliche Leute einladen.“ Und weiter: „Wichtig ist, dass die Leute etwas zu sagen haben und interessant sind. Und ich glaube, heute (…) können Sie keinen interessanteren Gast als die Alice Weidel haben.“ Sie finde, die AfD würde sogar der Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken.

Bereits vergangenes Jahr hatte der Besuch des ebenfalls umstrittenen AfD-Politikers Maximilian Krah für Aufsehen gesorgt.