Chamer Kultwirt im Paradies: Christian „Bobesch“ Schneider gärtnert jetzt in Paraguay

Von Tanja Fenzl · 24. August 2025 um 19:00

Vom Easy-Wirt zum Aussteiger: Christian „Bobesch“ Schneider. Der 56-Jährige lebt seit der Pandemie in Südamerika, genauer: in Paraguay. Etwa eineinhalb Stunden von der Hauptstadt Acuncion entfernt, hat sich der Chamer Kultwirt ein komplett neues Leben aufgebaut. Und das umfasst Tee statt Schnaps, Gärtnern (!) statt Bierzapfen, Spaziergänge mit den Hunden statt lange Nächte in der Kneipe.

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„Wer hätte das gedacht“, schüttelt Schneider den Kopf beim Gedanken an sein früheres Leben, das er hinter sich gelassen hat. Nein, er kann sich nicht vorstellen, wieder hinter der Theke zu stehen. Und eine Rückkehr hält er derzeit auch für absolut ausgeschlossen. Keine halben Sachen: Schneider hat sein Haus, seine Kneipe, seine Freunde, seine Familie – und auch seine Frau zurückgelassen, mit der zusammen er Jahrzehnte das Easy geführt hatte.

Derzeit läuft die Scheidung. „Ich habe mich ziemlich verändert während der Pandemie“, sagt der Auswanderer, der zunächst nur herumgereist ist in Südamerika, sich aber jetzt fest eingerichtet hat in dem beliebten Land für deutsche Auswanderer. Niedrige Lebenshaltungskosten, niedrige Steuersätze um die zehn Prozent, und ein anderer Lebensrhythmus ziehen Europäer schnell in den Bann des Binnenstaates, der an Brasilien, Argentinien und Bolivien grenzt.

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„Hier lernt man, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht. Ein bisschen was zum Essen, einen Platz zum Schlafen, mehr braucht man nicht zum Glücklichsein“, hat Schneider eine weitere Erklärung für seine Faszination mit dem Land, das ungefähr so groß ist wie Deutschland und die Schweiz zusammen, dabei aber nicht einmal sieben Millionen Einwohner hat.

Ein gesundes Leben

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Dani, die aus Nordrhein Westfalen stammt und Buchautorin ist, führt er ein recht einfaches Leben, beschreibt er seinen Alltag. „Ich bin inzwischen komplett auf dem Gesundheitstripp. Alkohol kommt quasi fast nicht mehr vor, nur noch mal eine Halbe Bier oder alle heilige Zeit ein Glas Wein, keine harten Getränke mehr“, versichert Schneider. Einen Hangover könnte er sich auch kaum leisten, denn sein Tag beginnt früh, wenn er mit seinen beiden Hunden – einem Mischling und einem Schäferhund – ausgiebig spazieren geht. Danach bekommen erst einmal die Tiere Futter: die beiden Hunde und die Katze. Und anschließend macht sich Bobesch ans Gießen. „Wir haben einen riesigen Garten, das dauert schon eine Weile.“ Danach gibt’s erst einmal Frühstück, ehe es mit der Gartenarbeit weitergeht.

Gärtnern und Reparaturen bestimmen den Alltag

„Eigentlich bin ich den ganzen Tag im Garten“, sagt Schneider. Beim Telefonat um 15 Uhr unserer Zeit ist er gerade mit dem Gartengießen fertig. Der Zeitunterschied zu Paraguay beträgt fünf Stunden. Er freut sich aufs Frühstück. Und weil in Paraguay gerade Übergangszeit von Winter auf Frühjahr ist, wird er anschließend mit Pflanzen und dem Heranziehen von Samen beschäftigt sein. Oder mit dem Reparieren von Dingen. „Irgendwas ist immer kaputt, rund ums Haus, das Haus, das Motorrad... mir wird nicht langweilig“, grinst der gelernte Kfz-Mechaniker.

Im Hintergrund Bananenstauden: Christian Schneider, der Chamer Kultwirt, hat für sich seinen Lebenstraum fürs Alter(n) in Paraguay gefunden. - Foto: Christian Schneider

In Bobeschs Garten wachsen Bananen, Papaya, Mandarinen, Orangen, Mango, Guaven, Kokosnüsse, Granatäpfel – und alle Arten von Gemüse. „Ich habe die ganze Palette Tomaten, Gurken, Paprika, Kartoffeln, Salat, Karotten – wir bauen so viel wie möglich in unserem eigenen Garten an.“ Bobesch arbeitet auf den Selbstversorger hin. Die exotischen Früchte tauscht er gegen Lebensmittel, die er selbst nicht produziert. „Gegen Eier, oder gegen Brot – in der Nähe haben sich Schweizer angesiedelt, die backen Brot.“

Einmal Urlaub machen beim Bobesch

Gerade hat er ein Gästehaus auf dem Grundstück fertig hergerichtet. Der Chamer will Individualreisen organisieren beziehungsweise anbieten. „Wenn wer Bock hat, nach Paraguay zu kommen und Südamerika zu entdecken, gerne auch Leute aus dem Easy, der kann bei mir wohnen. Wir starten nächste Woche.“ Mit seiner Erfahrung könne er Leuten aus Deutschland dabei helfen, ganz individuell eine Reise zusammenzustellen. Auch auf Instagram will er dazu aktiv werden und immer wieder Schnipsel aus seinem Leben teilen (@christianschneider72).

Wer nicht gleich nach Paraguay reisen, aber den Bobesch wieder einmal treffen will, der hat dazu bei der geplanten Eröffnung des neuen Easy am 13. September Gelegenheit, wenn der neue Pächter den Startschuss für die Easy Bar gibt (wir berichteten). „Da bin ich dabei“, sagt Bobesch. Danach geht’s aber wieder nach Südamerika in die neue Heimat. In einem früheren Interview hatte er einmal seinen Wunsch für seinen Lebensabend geteilt: „Ich sage immer, die ersten 27 Jahre meines Lebens waren megaklasse, die zweiten 27 Jahre supermegaklasse, und in den dritten 27 Jahren will ich das auf jeden Fall noch toppen.“ Vermutlich in Paraguay. Nicht in Rente – „dafür bin ich nicht gemacht“ – sondern als Reiseleiter.