Neue Vorstandsriege sieht einen „Heilungsprozess“ - aber es gibt erneut Knatsch im BRK Kelheim

Den BRK-Kreisverband Kelheim hat voriges Jahr ein massiver interner Streit erschüttert, der im Juli 2024 im Rücktritt der Kreisverbandsspitze gipfelte. Seit den Neuwahlen heuer schien es ruhiger; dieser Tage gab es aber den nächsten personellen Paukenschlag.
Wie steht es aktuell um den Kreisverband? Antworten vom neuen Vorsitzenden Bernhard Müller und seinen Stellvertreter Alfons Schels und Hannelore Langwieser.
Der Kelheimer Bernhard Müller leitete den Rot-Kreuz-Kreisverband seit Juli 2024 kommissarisch und seit März nun als regulärer Vorsitzender. „Ich will meine langjährige Erfahrung als Ehrenamtler einbringen und den Kreisverband strategisch neu ausrichten“, sagt Müller im Gespräch mit der Mediengruppe: „Zuletzt haben manche in der Vorstandschaft das Ehrenamt eher als eine Last gesehen. Dabei ist es für uns so wichtig – es ist der Kern des Roten Kreuzes! Deshalb möchte ich den Link zwischen Haupt- und Ehrenamt wieder herstellen“. Dass diese Verbindung in den letzten Jahren abgerissen sei, ist aus Müllers Sicht auch dem lieben Geld geschuldet.
Insbesondere der Rettungsdienst unterliege immer stärkeren wirtschaftlichen Zwängen; erst recht, seit auch private Anbieter tätig sind. Und die Einnahmen kämen eben vor allem aus der Arbeit der Hauptamtlichen. Zumal im Rettungsdienst immer weniger Ehrenamtliche zur Verfügung stünden, weil für sie die stark gestiegenen Ausbildungs-Voraussetzungen kaum mehr erfüllbar seien. Aber spätestens bei Großeinsätzen „geht es ohne die Ehrenamtlichen, zum Beispiel die Bereitschaften, nicht mehr.“
Bei Großeinsätzen sind Ehrenamtliche gefragt
Große Einsätze könne und müsse man nicht ausschließlich mit Notfallsanitätern bestreiten, sondern auch mit „vernünftig ausgebildeten Sanitätern“, so Müller. „Im Katastrophenfall leistet das Ehrenamt bis zu 90 Prozent der Einsatzzeit“. Und es trage die Spezial-Dienste wie Bergwacht, Wasserwacht, Kriseninterventionsdienst „Mona“.
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Müller will „die Spaltung kitten, die es zwischen Haupt- und Ehrenamt gegeben hat“. Zu der habe womöglich beigetragen, dass der Kreisverband seit dem Start von Christoph Kühnl als Geschäftsführer viel Geld in Ausrüstung und Fahrzeuge der ehrenamtlichen Sparten gesteckt habe. Das sei vermeintlich eine Bevorteilung des Ehrenamts. „Aber die Fahrzeuge, teils 20 Jahre alt, waren einfach ,durch‘“ und der Ersatz alternativlos, argumentiert Müller. Dafür müssen die Kreisverbände selbst aufkommen, während der Rettungsdienst, so weit er kommunale Pflichtaufgabe ist, mit öffentlichen Mitteln finanziert wird.
Ordentlich gescheppert hat es 2024 vor allem zwischen Geschäftsführer Kühnl und der vorherigen Rettungsdienstleiterin Gebendorfer einerseits sowie den Leitungen der Rettungswachen andererseits. Die Wachleiter gingen sogar mit einem Brandbrief an die Öffentlichkeit. „Ich habe das sehr ernst genommen und mir die Vorwürfe gleich angeschaut, als ich kommissarischer Kreisvorsitzender wurde“, blendet Bernhard Müller zurück.
Arbeit der Retter blieb von Kritik unbeeinträchtigt
Er betont, dass die Hauptamtler ihren kritischen Kurs nie zulasten der Qualität des Rettungsdienst gefahren hätten; „jeder von uns weiß, warum er diesen Job macht!“ Für inhaltlich gerechtfertigt hält er die Kritik aber nicht. „Wir waren nie unter den gesetzlichen Vorgaben“ bei der Besetzung des Rettungsdienstes.
Lediglich einmal habe man per bundesweiter Rettungsdienst-Börse einen Personal-Engpass überbrückt, „während einer massiven Grippewelle“. Ansonsten sei Kelheim sogar „einer der wenigen Kreisverbände, bei dem Notfallsanitäter-Schüler nicht regulär als Rettungsdienstler eingeplant werden, sondern zusätzlich, als ,dritter Mann‘, ,dritte Frau‘“.
Allerdings drohe im Herbst eine Lücke im Bereich Krankentransport: Grund sei, dass wegen des heuer fast ausgefallenen Abiturjahrgangs auch das BRK kaum Bundesfreiwilligen-Dienstleistende habe, so Müller. Um die Lücke zu schließen, habe man gemeinsam mit dem Bezirksverband eine Ausbildungsoffensive gestartet.
Azubis hospitieren bei Ehrenamtlichen
Neue Ansätze sollen Haupt- und Ehrenamt besser vernetzen. Voriges Jahr hatte ein (hauptamtlicher) Praxisanleiter die Idee, die Notfallsanitäter-Auszubildenden einen Tag lang bei der Wasserwacht hospitieren zu lassen, erzählt Müller. Das hätten die Ehrenamtler als „Riesen-Anerkennung“ wahrgenommen. „Heuer sind die Azubis bei der Bergwacht, und im Lauf der Zeit sollen sie alle Bereiche kennenlernen.“
Alfons Schels hat als gutes Miteinander erlebt, dass die Wasserwacht Riedenburg kurzerhand einen Schwimmkurs für die vom BRK betreuten minderjährigen Flüchtlinge organisierte: Deren hauptamtliche Betreuer hatten Unbehagen, mit den Nichtschwimmern ans Wasser zu gehen.
Vorsitzende wollte und will ich nicht sein
Hannelore Langwieser
Als lebendes „Bindeglied zwischen Haupt- und Ehrenamt“ sieht sich Hannelore Langwieser, die wiedergewählte 2. stellvertretende Vorsitzende. Ihr Rücktritt im Vorjahr? War für Langwieser die „unvermeidliche“ Konsequenz, nachdem sie von Kreisvorsitzendem Schweiger und 1. Vize Dürr über deren Rückzug informiert wurde. Ihr wäre danach wohl der (kommissarische) Vorsitz angetragen worden, vermutet Langwieser, „aber Vorsitzende wollte und will ich nicht sein“: Dafür sei sie in der BRK-Materie nicht tief genug drin. Sie sei aber weder mit Schweiger und Dürr noch mit anderen BRKlern „über Kreuz“ gewesen, betont die Mainburgerin.
In ihrer nun zweiten Amtsperiode hatte Langwieser zwar noch keine konkreten Personal-Nöte zu klären. Sie registriere aber schon eine – schwer greifbare – „Unzufriedenheit beim Personal“. Wenn teils langgediente Beschäftigte den Kreisverband Kelheim im Unfrieden verlassen, „dann sind das Verletzungen, die Sie nicht ungeschehen machen können“, sagt Alfons Schels. „Aber der Heilungsprozess hat begonnen“, ergänzt Bernhard Müller: „Wir sind über den Punkt weg, wo bösartig aufeinander geschossen wird.“
Vize-Bereitschaftsleiter abberufen
Einige Zeit nach unserem Gesprächstermin ließ allerdings eine neuerliche Personalie aufhorchen: die Abberufung des stellvertretenden Kreis-Bereitschaftsleiters. Das sorgt nach unseren Informationen wieder für Irritationen bei Haupt- und Ehrenamtlichen.
Betroffener diesmal ist Andreas Ober. Der bisherige stellvertretende Kreis-Bereitschaftsleiter (KBL) bekleidet seit rund zwei Wochen dieses Ehrenamt offenbar nicht mehr: Der Kreisvorstand habe ihn von diesem Posten abberufen, bestätigt Kreisvorsitzender Bernhard Müller auf unsere Anfrage; „mehr kann ich dazu nicht sagen, weil das Interna sind“. Er bekräftigte aber, dass er an seinem selbstgesteckten Ziel weiterarbeite, den Kreisverband zu befrieden. Andreas Ober selbst, der auch hauptberuflich beim BRK arbeitet, erklärte, dass er sich auf unsere Anfrage nicht äußere.
Die Abberufung verwundert umso mehr, als Andreas Ober erst bei den Wahlen im März von den Landkreis-Bereitschaftsmitgliedern zum neuen Vize-KBL gewählt wurde. Bis dahin hatte Kreisgeschäftsführer Christoph Kühnl diesen Posten inne. Wie es aus Insider-Kreisen hieß, erhielt er bei der Wahl im März aber keine Mehrheit mehr. In einem weiteren Wahlgang setzte sich dann Ober offenbar klar gegen eine Mitbewerberin durch. Als 1. KBL wiedergewählt wurde Amtsinhaber Bernhard Steffel.
Die Bereitschaften sind laut BRK-Homepage „ein Kernbaustein der Gesamtstruktur des Roten Kreuzes“. Zum Einsatz kommen die Ehrenamtlichen zum Beispiel bei großen Blaulicht-Einsätzen, wo sie bei der Versorgung von Betroffenen und Einsatzkräften unterstützen; aber auch bei Großveranstaltungen und beim Organisieren von Blutspendeterminen. Im Kreis Kelheim gibt es in neun Kommunen Bereitschaften, mit insgesamt mehreren Hundert Mitgliedern.