Kehrtwende nach Todessturz in Donaustauf: An der Walhalla sind nun doch Geländer errichtet

Ein Monat ist vergangen, seit ein junger Mann nach einem abendlichen Picknick mit seiner Partnerin an einer hohen Stufe der Walhalla in Donaustauf (Landkreis Regensburg) ins Leere trat und in den Tod stürzte. Zunächst blieb das Bauwerk aber frei von Geländern. Nun ist heimlich, still und leise die Kehrtwende erfolgt.
Auf MZ-Anfrage bekräftigt Florian Schröter, Pressesprecher der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, dass das Ziel laute, „ein optimales Besuchserlebnis zu bieten, um das historische Baudenkmal in seiner ursprünglichen denkmalgeschützten Form zu erleben“. Gleichzeitig versuche man, dies mit sicherheitstechnischen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen.
Wie passt Sicherheit zu Denkmalschutz?
Schon nach dem jüngsten Todessturz am 20. Juli hieß es vonseiten der Schlösserverwaltung, dass die Sicherheit der Besucher höchste Priorität habe. Sicherungen über die angebrachten weißen Hinweislinien hinaus, die in die Bodenplatten eingelassen sind, wurden zunächst aber nicht veranlasst – mit der Begründung: „Entsprechend einem einstimmigen Landtagsbeschluss vom 12. November 1981, der unverändert gilt, soll die Walhalla in ihrer jetzigen Form aus Denkmalschutzgründen ohne Schutzgeländer erhalten werden.“
Wende um 180 Grad
Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen des Todesfalls sollte nochmals umfangreich geprüft werden, ob Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden können, welche mit den Denkmalschutzvorgaben und dem nach wie vor geltenden Landtagsbeschluss vereinbar seien.




Nun die Wende – und die fällt um 180 Grad aus: Denn die Absperrungen sind wenig filigran, sondern weithin sichtbar. Am Zugang vom Hang auf die hohen Steinstufen sind rot-weiße Plastikbalken aufgestellt, an der Front der Walhalla sind dicke Metallgitter postiert, zwischen den ikonischen Säulen hängen weiße Ketten. Überall zu sehen sind Piktogramme von fallenden Strichmännchen.
Expertengruppe sucht nach Lösungen
Auslöser für das veränderte Vorgehen ist, dass auf Anregung des Finanzministeriums vor wenigen Tagen „eine Arbeitsgruppe mit hochrangigen Experten aus den Bereichen Denkmalschutz, Bau, Justiz sowie Vertreterinnen und Vertretern der Schlösserverwaltung zur Evaluierung der Situation an der Walhalla eingerichtet“ worden sei.
Laut Schröter untersuchen die Experten intensiv bauliche, sicherheitstechnische und denkmalfachliche Aspekte, überprüfen den Status quo und zeigen Verbesserungsvorschläge auf, sofern solche möglich sind. Nach ersten Abstimmungen habe die Arbeitsgruppe vorgeschlagen, die bestehenden Sicherheitshinweise durch rückbaubare Maßnahmen zu verdeutlichen.
Da gibt es mittlerweile architektonische Lösungen, die sicherlich auch mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen sind.
Patrick Grossmann, Landtagsabgeordneter
Seit dem jüngsten Todessturz hat sich eine Debatte entsponnen zwischen Befürwortern von Absperrungen und Geländer-Gegnern, die auf Eigenverantwortung und den möglichst originalgetreuen Erhalt des Denkmals pochen. Zu ersterem Lager gehört Landtagsabgeordneter Patrick Grossmann. Er hatte sich mit der Bitte, das Thema aufzugreifen und eine Ortsbesichtigung durchzuführen, an die Schlösserverwaltung gewendet. „Insofern freut es mich, dass es jetzt immerhin mit Provisorien schon Früchte trägt“, sagt er überrascht von den Maßnahmen auf MZ-Anfrage. Besonders an den hohen Gefahrenstellen, wo es von Steinstufen über acht Meter in die Tiefe geht, sieht er Handlungsbedarf für dauerhafte Absicherungen. „Da gibt es mittlerweile architektonische Lösungen, die sicherlich auch mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen sind“, sagt Grossmann.
Monatelange Prüfung folgt
Jürgen Sommer, Bürgermeister der Walhalla-Gemeinde Donaustauf, sagte nach der tödlichen Tragödie am Denkmal: „Ich bin jemand, der die Eigenverantwortung einfordert.“ Absolute Sicherheit könne man dort nicht herstellen. Wo fange man also an mit Geländern und wo höre man auf? Von der nun umgesetzten provisorischen Lösung wurde auch er überrascht. „Wenn die Verantwortlichen der Meinung sind, dass das so sein muss, werden sie sich schon was dabei gedacht haben“, kommentiert er lapidar.
Ob aus den aktuellen temporären Maßnahmen dauerhafte Absperrungen werden und wie die aussehen werden, scheint aktuell völlig offen. Schröter sagt nur: „In den nächsten Monaten werden langfristige Lösungsansätze geprüft und im Anschluss mit allen Institutionen beraten.“