Trotz Todessturz: Walhalla bekommt keine Geländer – Besucher entsetzt über Sicherheit

Von Benedikt Baumgartner · 23. Juli 2025 um 05:00

Am Sonntag stürzte ein Mann von der Walhalla bei Donaustauf (Landkreis Regensburg) in den Tod. Die Polizei spricht von einem unglücklichen Unfall – erhöht wird die Sicherheit vor Ort von der Schlösserverwaltung aber wohl nicht. Geländern steht etwa der Denkmalschutz und ein Landtagsbeschluss von 1981 entgegen. Die Debatte könnte nun aber neu aufgerollt werden.

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Nach der Tragödie herrscht an der Walhalla schon wieder Normalität. Trotz Nieselregens ist der Parkplatz am Dienstagmittag gut gefüllt, zahlreiche Besucher kraxeln auf den Stufen des Denkmals herum.

Am späten Sonntagabend stürzte ein Besucher von einer der Stufen 8,50 Meter in den Tod – es ist der dritte schwere Unfall durch einen Absturz an der Walhalla in den vergangenen fünf Jahren. Für die Bayerische Schlösserverwaltung, die verantwortlich ist für die Walhalla, gilt weiterhin: Geländer werden nicht angebracht. Sie beruft sich dabei auf einen Beschluss des Bayerischen Landtages – vom 12. November 1981.

Landtag war gegen Absperrung an der Walhalla

Damals schilderte die spätere Regensburger Oberbürgermeisterin Christa Meier (SPD) noch als Landtagsabgeordnete folgenden Sachverhalt: An der Walhalla sei ein Unglücksfall geschehen, daraufhin habe das Landbauamt Ketten oder bronzene Absperrungsgeländer anbringen wollen. Im kulturpolitischen Ausschuss sei man sich aber einig gewesen, dass dies nicht geschehen solle – „sonst müsste man alle Denkmäler mit Sicherungen umgeben“, argumentierte Meier. Ohne weitere Wortmeldungen wurde abgestimmt und die unveränderte Erhaltung der Walhalla – ohne Geländer – einstimmig beschlossen.

Rollstuhl-Rampe sticht Denkmalschutz aus

Die Tragweite dieser Entscheidung ist bis heute zu spüren. Die zuständige Schlösserverwaltung erläuterte gegenüber dem BR, dass Geländer aus Denkmalschutzgründen und wegen jenes Landtagsbeschlusses nicht angebracht werden könnten. Einer modernen, rund zwanzig Meter langen Stahl-Rampe für Rollstuhlfahrer stand der Beschluss zur unveränderten Erhaltung der Walhalla nicht entgegen. „Manchmal muss auch der Denkmalschutz Kompromisse akzeptieren. Die Barrierefreiheit hat Vorrang“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei der Eröffnung des Steges. Eine Anfrage der MZ zu möglicher nächtlicher Sperrung des Areals und dem Sicherheitskonzept an der Walhalla blieb von der Schlösserverwaltung zunächst unbeantwortet.

Solche weißen Linien weisen auf die Gefahr hin, die an den Kanten der teils über acht Meter hohen Stufen der Walhalla lauert. - Foto: Benedikt Baumgartner
Schöner Ausblick aus der Gefahrenzone: Viele Besucher halten sich nicht an den vorgegebenen Abstand zu den Kanten. - Foto: Wolfgang Hachmeister
Barrierefreiheit sticht den Denkmalschutz: 2017 wurde diese Rampe für Rollstuhlfahrer an der Walhalla errichtet. - Foto: Benedikt Baumgartner

Sturz an der Walhalla ist kein Einzelfall

Die Sicherheitsdebatte war schon 2020 nach zwei Stürzen mit einem Toten und einem Schwerverletzten aufgekommen. Nun die nächste Tragödie: Am Sonntag gegen 23.20 Uhr stürzte ein 32-Jähriger aus Baden-Württemberg, der offenbar auf der Walhalla ein Picknick mit seiner Lebensgefährtin machte, rund 8,50 Meter in die Tiefe. Er starb noch vor Ort. Jonas Kraus, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, berichtet auf MZ-Nachfrage, dass es zum Unfallzeitpunkt dunkel gewesen sei. Es haben sich keine Erkenntnisse zu Alkoholisierung ergeben. „Wir gehen beim Unfallgeschehen von einem Tritt ins Leere aus“, sagt Kraus. Weitere polizeiliche Maßnahmen werden nicht durchgeführt. Polizeisprecherin Corinna Wild hatte zuvor bereits mitgeteilt: „Wir gehen von einem sehr unglücklichen Unfall aus.“

Besucher aus Bremen: „Wir waren entsetzt“

Einem mit Ansage allerdings, wenn man Wolfgang Hachmeister zuhört. Der Bremer war mit seiner Frau am Dienstag vor einer Woche als Besucher auf der Walhalla. Er – nach eigener Aussage viele Jahre bei der Berufsfeuerwehr im Dienst und nun im Arbeitsschutz auf Baustellen tätig– schildert: „Wir waren entsetzt, selbst Menschen mit kleinen Kindern standen oben zwischen den Säulen und machten Selfies.“ Ein Fotograf habe aus dem Sperrbereich das Denkmal in den Fokus genommen, seine Ausrüstungstasche sei unmittelbar an der Absturzkante gestanden. Das alles sei unmittelbar nach einem Starkregen mit Gewitter passiert – entsprechend rutschig seien die Bodenplatten gewesen.

Denkmalschutz als Hemmnis für Geländer könne er nachvollziehen. „Aber dann muss man das personell lösen“, mit zwei, drei Sicherheitsmännern vor Ort. „Die richtige Antwort kann ja nicht sein: Lassen wir so.“ Jeder Privatmann würde Ärger bekommen. Hachmeisters Fazit zum fatalen Sturz am Sonntag lautet: „Tragisch, aber vorhersehbar.“

Bürgermeister Sommer betont Kostenfrage

Wenn jemand an eine bestimmte Stelle an der Walhalla wolle, dann gelange er auch trotz eines Geländers dort hin, hält Donaustaufs Bürgermeister Jürgen Sommer dagegen. Wo solle man denn anfangen und wo aufhören mit Sicherungsmaßnahmen? Es stelle sich die Kostenfrage, ein Geländer müsse regelmäßig geprüft werden. „Ich bin jemand, der die Eigenverantwortung einfordert“, sagt er und appelliert an Besucher: „Leute, bitte aufpassen!“

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Bedauern über den Vorfall drückt Sommer ebenso aus wie die Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol (Grüne) und Patrick Grossmann (CSU). Er kenne die Walhalla von Kindesbeinen an und wisse um manche Gefahrenstelle, sagt Grossmann. „Ich bin der Meinung, man sollte sich das schon einmal anschauen“, sagt er zur Geländer-Frage, wenngleich der Denkmalschutz zu berücksichtigen sei.

Erneute Debatte „sinnvoll“

Leider könne es an einem so stark frequentierten Denkmal wie der Walhalla wohl nie vollständige Sicherheit geben, teilt Mistol auf MZ-Anfrage mit. „Ich halte es gleichwohl für sinnvoll, dass die zuständigen Stellen alle bestehenden Möglichkeiten zur Unfallvermeidung prüfen.“ Er ist offen dafür, die Debatte neu aufzurollen.

Grossmann will das Thema gegenüber der Schlösserverwaltung ansprechen, wenn es zum Austausch über ein geplantes Besucherzentrum und eine Parkplatzerweiterung kommt. „Pauschal mit einem Landtagsbeschluss von 1981 zu argumentieren, ist mir da zu wenig.“