Verhindert Denkmalschutz Geländer? Streit um Sicherheit an der Walhalla neu entbrannt

Von Benedikt Baumgartner · 23. Juli 2025 um 15:54

Nach dem jüngsten Todesfall durch einen Absturz von einer der Walhalla-Stufen ist die Debatte um die Sicherheit am Denkmal neu entbrannt. „Ich finde es zynisch, wenn die Schlösserverwaltung jetzt auf dem Status quo beharrt und kategorisch ausschließt, gefährliche Passage an der Walhalla mit einem Gitter zu sichern“, teilt Grünen-Denkmalschützerin Sabine Weigand per Pressemeldung mit. Die für die Walhalla zuständige Bayerische Schlösserverwaltung erteilt auf Anfrage der Mediengruppe Bayern (MGB) sowohl Geländern an der Walhalla-Front als auch einer zeitweisen Absperrung des Geländes eine Absage.

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Weigand, denkmalpolitischen Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion und Mitglied im Landesdenkmalrat, sagt auf MGB-Nachfrage: „Ich bin Denkmalschützerin mit Leib und Seele, aber wenn es um Menschenleben geht, muss man sich überlegen, was machbar ist.“

Geländer oder transparente Absperrung machbar?

Von der Bayerischen Schlösserverwaltung fordert sie rasch, für zusätzliche Sicherungsmaßnahmen zu sorgen. „Ich bin davon überzeugt, dass es möglich ist, eine technisch und optisch denkmalverträgliche Lösung zu finden, die steile Passagen an der Walhalla absichert“, sagt Weigand. „Man muss es nur wollen.“ Dies könne durch ein Geländer oder eine transparente Absperrung geschehen. „Die vorhandenen Markierungen auf dem Boden und die Hinweistafeln reichen jedenfalls nicht aus“, urteilt sie.

Auf die verweist die Bayerische Schlösserverwaltung. Die Sicherheit der Besucher habe höchste Priorität. Zusätzliche Warnschilder an den Zugängen zur Walhalla und weiße Warnhinweise, die mit schwarzen Begleitlinien auf den Bodenplatten „noch prägnanter“ gestaltet worden seien, „sollen die Gefahrenstellen am monumentalen Baudenkmal Walhalla noch besser verdeutlichen und helfen, tragische Unglücksfälle zu vermeiden“.

Nächtliches Betretungsverbot als erster Schritt

Diese Maßnahmen waren Reaktionen auf zwei schwere Stürze 2020 – einer endete damals tödlich. Am Sonntag kam es zu einem weiteren Todesfall, als ein 32-Jähriger gegen 23.20 Uhr in Beisein seiner Lebensgefährtin ins Leere trat und rund 8,50 Meter tief auf eine Steinplatte stürzte.

„Ein nächtliches Betretungsverbot wäre ein erster Schritt“, sagt Weigand gegenüber der MGB. Die Schlösserverwaltung teilt mit, dass die Walhalla mitten in der Natur liege und eine Absperrung des Geländes daher nicht vorgesehen sei. Geländer sind 1981 per Landtagsbeschluss, der laut Schlösserverwaltung „unverändert gilt“, abgelehnt worden. Gemäß diesem soll die Walhalla in ihrer jetzigen Form ohne Schutzgeländer erhalten werden. Barrierefrei erschlossen sei das Bauwerk entsprechend per Rampe an der Nordseite, damit Besucher die originale Frontansicht der Walhalla weiterhin betrachten können.

Debatte im Landtag nach der Sommerpause

„Denkmalschutz ist immer ein Prozess“, sagt Weigand. Der Beschluss von 1981 gehöre jetzt auf den Prüfstand. Die damalige Argumentation, dass keine Geländer angebracht werden sollten, sonst müsse man alle Denkmäler mit Sicherungen umgeben, sei nicht stichhaltig. „Der Denkmalschutz lebt von Einzelfallentscheidungen“, sagt Weigand. „Ich werde nach der Sommerpause beantragen, dass wir im Landtag das Thema neu verhandeln.“