Düstere Prognose: Junge Generationen werden Neumarkts Wälder nicht wiedererkennen

Von Kilian Graef · 21. August 2025 um 17:00

In ganz Europa leiden Wälder. Sie brennen, wie aktuell in Spanien und Portugal, sie trocknen aus und werden von Schädlingen wie dem Borkenkäfer zerstört. Auch für die Zukunft von Neumarkts Wäldern sieht es nicht rosig aus. Pyrbaum, die waldreichste Gemeinde des Landkreises, ist besonders betroffen.

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Schon jetzt schlägt der Klimawandel zu – und Förster müssen überlegen, wie sie den Wald überlebensfähig machen. Die Konsequenzen ihres Handelns werden sie selbst nicht mehr erleben. Trotzdem ist es entscheidend für die Zukunft ihrer Urenkel.

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Horst-Dieter Fuhrmann, Bereichsleiter Forsten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ist besorgt, wenn er auf die Prognosen der weltweiten Erderwärmung blickt. „Die 1,5-Grad-Marke, die wir nie reißen wollten, haben wir schon jetzt überschritten“, sagt er. „Wir steuern gerade auf drei Grad Erderwärmung zu.“

Wir werden in einigen Jahren kontinentales Klima haben.

Horst-Dieter Fuhrmann, Bereichsleiter Forsten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Das hat auch auf Neumarkt großen Einfluss. Das Wetter wird immer extremer. „Wir werden in einigen Jahren kontinentales Klima haben“, sagt Fuhrmann. Die Sommer werden heiß und trocken. In den Wintermonaten gibt es trotzdem Frost. Einige Baumarten, die aktuell in unseren Forsten vorherrschen, werden nur noch vereinzelt zu sehen sein.

Horst-Dieter Fuhrmann und seine Kollegen aus Neumarkt testen, welche Baumarten mit dem veränderten Klima klarkommen. Ob die Förster die richtigen Entscheidungen treffen, wird Fuhrmann wohl nicht mehr miterleben. - Foto: Kilian Graef

In einigen Jahren, wird es in Neumarkt fast keine Fichten und Kiefern mehr geben

„Wir haben aktuell 40 Prozent Kiefer und 30 Prozent Fichte“, sagt Fuhrmann. Die Holzindustrie verarbeitet die Bäume meistens zu Bauholz. „Was in 50 Jahren Bauholz ist, wage ich nicht zu beantworten“, sagt Fuhrmann. Nur eines ist absehbar: Der Anteil von Kiefer und Fichte wird zurückgehen. Viele Standorte werden zu trocken für die Nadelbäume sein, sodass der Anteil an Laubbäumen wird weiter zunimmt. Zwar gibt es auch unter ihnen welche, die schnell wachsen. Zum Beispiel die Esskastanie, die nur vereinzelt in Bayern vorkommt. An die Fichte kommt allerdings kein Laubbaum heran. „Unsere Wälder werden vorratsärmer“, so Fuhrmann.

Und auch viele Laubbäume haben Probleme mit der Wasserversorgung. Dadurch, dass es schon früher im Jahr wärmer wird und auch länger warm bleibt, verlängern und intensivieren sich die Vegetationsphasen der Bäume. Sie bekommen früher Blätter und mehr davon. das erhöht den Bedarf an Wasser, das gerade im Sommer immer knapper wird.

Gerade bei Pyrbaum haben große Bäume jetzt schon Probleme mit der Versorgung. Der Boden dort ist sandiger und kann das Wasser nicht so gut halten. Laut Fuhrmann ist es wahrscheinlich, dass die Bäume dort irgendwann nicht mehr so groß werden, weil der Versorgungsweg bis in die Krone zu lang wird. Diese, wie Fuhrmann sie nennt, „mageren Standorte“, gibt es schon jetzt bei Leutenbach.

Blätter vieler Bäume sind schon seit Juli gelb

Regnet es nicht genug, leiten die Bäume eine Art Energiesparmodus ein. „Bei Buchen und Pappeln hat man schon im Juli Blattverfärbungen erkennen können“, sagt Fuhrmann. Oft regne es nur wenige Liter pro Quadratmeter. „Die kommen gar nicht richtig an.“ Oder es regnet nur lokal heftig und wenige Kilometer weiter bleibt es trocken.

Um zu testen, welche Baumarten besser mit den veränderten Bedingungen klarkommen, gibt es zwei Aufforstungsflächen bei Neumarkt. In den abgezäunten Bereichen hat das Forstamt in Kooperation mit den Waldbesitzern mehrere Baumarten gepflanzt, die in Bayern gar nicht, oder nur vereinzelt vorkommen. Beispielsweise die Esskastanie oder die Atlas-Zeder, welche in nordafrikanischen Bergregionen zu Hause ist und Frost problemlos wegsteckt.

Neumarkt könnte zu einem guten Lebensraum für die Atlas-Zeder aus Nordafrika werden.

„Wir können nicht einfach nur schauen, welche Bäume es in mediterranen Ländern gibt und die bei uns pflanzen“, sagt Fuhrmann. Sie würden nämlich den Winter nicht überleben. Die Recherche sei wichtig. Und auch heimische Baumarten müsse man auf dem Radar haben. Das Wurzelwerk der Tanne erschließt beispielsweise tiefere Schichten im Boden und an der Eiche „tobt das Leben“.

Schädlinge profitieren von der Trockenheit

Auch das der Schädlinge. Viele von ihnen werden es in Zukunft leichter haben. „Das sind große Profiteure des Klimawandels“, sagt Fuhrmann. Ein Beispiel dafür ist der Eichenprozessionsspinner. In ganz Bayern hängen Schilder, die vor dem Nachtfalter warnen. Der schadet den Bäumen nämlich weniger als den Menschen. Für Allergiker kann das Nesselgift aus den Brennhaaren der Raupen sogar lebensgefährlich sein.

Ich glaube, wir alle kennen die Graslandschaften, auf denen Bisonherden weiden: Das wäre die Konsequenz.

Horst-Dieter Fuhrmann

Ob Fuhrmann und sein Team richtige Entscheidungen getroffen haben, wird er wohl nicht mehr miterleben. „Unsere Urenkel werden beurteilen können, ob das richtig war oder nicht.“ Wenn es schlecht läuft und sich die Erde weiter so rapide erwärmt, wie in den letzten Jahren, sieht Fuhrmanns Prognose düster aus: „Ich glaube, wir alle kennen die Graslandschaften, auf denen Bisonherden weiden: Das wäre die Konsequenz.“