Dank Geld vom Bund: Fährt die Oberpfälzer Magnetschwebebahn bald doch in Berlin?

Eigentlich stand das Magnetschwebebahn-Projekt in Berlin vor dem Aus. Nun hat sich aber die Verkehrssenatorin der Stadt zu Wort gemeldet: Sie hofft auf Bundesgelder für eine Machbarkeitsstudie. Notwendig ist dafür eine Gesetzesänderung. Der Mediengruppe Bayern hat das Bundesverkehrsministerium mitgeteilt, wann es so weit sein könnte.
Das Projekt war von Anfang an umstritten: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte sich für eine Magnetschwebebahn des Oberpfälzer Baukonzerns Max Bögl in der Hauptstadt stark gemacht, Koalitionspartner SPD und die Opposition waren dagegen. Im vergangenen Herbst schien das Projekt dann gescheitert, weil der Senat kein Geld für eine entsprechende Machbarkeitsstudie ausgeben wollte. Allerdings scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen: Am Wochenende brachte Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) das Thema wieder ins Spiel – verbunden mit der Hoffnung auf Bundesgelder.
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Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur verwies Bonde auf den Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD im Bund. Darin vereinbarten die Regierungsparteien, das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) auch für „innovative Ansätze“ zu öffnen. In Klammern wird explizit die Magnetschwebebahn als Beispiel genannt. Vereinfacht gesagt, bedeutet die Passage: Zukünftig kann der Bund die Länder nicht nur bei herkömmlichen Verkehrsmitteln wie Straßen- oder U-Bahnen auf Basis des GVFG finanziell unterstützen. Förderungen soll es auch für weitere, neuartige Verkehrs-Lösungen geben.
Magnetschwebebahn kommt vom Oberpfälzer Bauunternehmen Max Bögl
Das Oberpfälzer Bauunternehmen Bögl, dessen Magnetschwebebahnsystem in Berlin zum Einsatz kommen würde, bezeichnete die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Gesetzeserweiterung im April gegenüber der Mediengruppe Bayern als „sehr positiv für die Verkehrswende“. Es sei durchaus möglich, „dass nun vermehrt Kommunen und Städte auch neue, innovative Verkehrsmittel wie das Transport System Bögl für die nachhaltige Gestaltung des ÖPNV als Alternative zu klassischen Systemen in Erwägung ziehen“, teilte das Unternehmen aus Sengenthal im Kreis Neumarkt damals mit.

Allerdings: Die Anpassung des GVFG stand offenbar nicht ganz oben auf der To-do-Liste des Bundesverkehrsministeriums. Bislang hat sich in der Sache noch nichts getan. Wie eine Ministeriumssprecherin gegenüber der Mediengruppe mitteilt, laufe das entsprechende Gesetzgebungsverfahren aber bereits. „Es wird mit einem erfolgreichen Abschluss im Frühjahr nächsten Jahres gerechnet.“ Der Sprecherin zufolge soll das Gesetz als erstes für Magnetschwebebahnen geöffnet werden. Weitere Anpassungen – unter anderem die Erhöhung des Fördersatzes und die Aufstockung der Mittel für das GVFG – „werden im Anschluss folgen“.
Berlins Verkehrssenatorin Bonde hofft offenbar also nicht ganz unbegründet darauf, dass durch eine Ausweitung des GVFG bald Bundesmittel für eine Magnetschwebebahn-Machbarkeitsstudie zur Verfügung stehen. Die CDU-Politiker erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, im Herbst ein Papier zur Mobilität in der Hauptstadt im Jahr 2035 vorstellen. Darin solle auch die Magnetschwebebahn enthalten sein. „Ich finde, dass wir offen für jede Technologie sein müssen.“
Kritikern des Verkehrsmittels rät Bode, einen Ausflug nach Bayern zu machen – genauer gesagt in die Oberpfalz zur Teststrecke des Transport Systems Bögl in Sengenthal. „Fahrt mal mit und dann können wir die Kritik Revue passieren lassen und darüber sprechen, ob sie tatsächlich stimmt“, sagte die Verkehrssenatorin der Deutschen Presse-Agentur. Zudem wolle man sich „ein Pilotprojekt in Nürnberg“ ansehen und Schlüsse daraus für Berlin ziehen.
Damit meint Bode wohl die Magnetschwebebahn-Pläne in der fränkischen Großstadt, bei denen es zuletzt aber auch nur zögerlich voranzugehen schien. Vor allem die CSU pocht weiter auf den Bau einer entsprechenden Strecke in Nürnberg. Die Bögl-Bahn könnte zwischen der neuen Universität, der Messe und dem Klinikum fahren.
M-Bahn in Berlin musste der U2 weichen
Eine Machbarkeitsstudie kam zu dem Schluss, dass die Magnetschwebebahn dort ähnlich teuer wie eine Straßenbahn wäre. Allerdings geht die Untersuchung davon aus, dass eine Magnetbahn weniger Passagiere hätte – weil der Umstieg von der Straßenbahn zum Transport System Bögl Fahrten für die Fahrgäste komplizierter mache. Der Hintergrund: Die Oberpfälzer Magnetschwebebahn soll nicht auf Straßenniveau verkehren, sondern aufgeständert in einigen Metern Höhe.

Für Berlin hat CDU-Politikerin Bonde am Wochenende die Magnetschwebebahn als Verkehrsmittel zum Flughafen Berlin-Brandenburg ins Spiel gebracht. Dabei gehe es auch darum, Gemeinden in Brandenburg besser an Berlin anzuschließen. Das Transport System Bögl wäre allerdings nicht die erste Magnetschwebebahn in der Bundeshauptstadt. Bereits in den Achtzigern verkehrte die M-Bahn auf 1,6 Kilometern in Berlin. Nach nicht einmal zwei Jahren im Fahrgastbetrieb – bis 1989 wurde das Verkehrssystem vor Ort getestet – musste die Bahn 1991 der U2 Platz machen.
Kommentar von Redakteur Lorenz Nix: „Bangkok als Vorbild“
„Es braucht in Deutschland mehr Mut zu neuen Wegen. Ein entscheidender Vorteil des Transport Systems Bögl: Die Trasse der Magnetbahn verläuft aufgeständert in mehreren Metern Höhe. Hier lohnt sich der Blick in die thailändische Hauptstadt Bangkok: Dort schlängelt sich der Skytrain hoch oben über den staugeplagten Straßen durch die Millionenmetropole – schnell und zuverlässig.
Auch deutsche Großstädte wie Berlin oder Nürnberg brauchen Lösungen, um der zunehmenden Verkehrsdichte Herr zu werden. Ein pünktlicher, eng getakteter ÖPNV würde mehr Menschen vom Auto weglocken. Und wenn die Bahn verlässlich fährt, nehmen die Fahrgäste dafür sicher auch ein paar Rolltreppen gerne in Kauf.“