Den Jägern der Nächte auf der Spur: Wie zwölf Neumarkter unsere Fledermäuse schützen

Seit 40 Jahren setzt sich Georg Knipfer schon für Fledermäuse im Landkreis ein. Damals fielen die Tiere massenhaft giftigen Pflanzenschutzmitteln zum Opfer. Das sich die Population im Landkreis Neumarkt erholt, haben die nachtaktiven Jäger unter anderem den Fledermausbetreuern zu verdanken.
Vollgepackt mit einer Leiter über der Schulter, einer Kamera um den Hals und Handschuhen in der Hand, stapft Georg Knipfer zielstrebig einen steilen Kieselweg hinauf. Wenige Kilometer von Neumarkt entfernt im Wald neben der Lengenbachkirche möchte der Landkreiskoordinator Fledermauskästen kontrollieren und reinigen.
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Das tut Knipfer gemeinsam mit einer zwölfköpfigen Gruppe. Sie alle teilen eine Leidenschaft für die fliegenden Säugetiere. „Wir treffen und mindestens ein Mal im Jahr“, sagt Knipfer. Dann tauschen sich die zwölf Fledermausbetreuer, die sich den Landkreis Neumarkt aufteilen, aus. Laut Knipfer sei das absolut nicht die Regel. „Es gibt Landkreise, die nur einen oder gar keinen Betreuer haben.“

Er schützt die Tiere schon seit 40 Jahren. Damals sei in Neumarkt noch wenig über Fledermäuse bekannt gewesen. Zu der Zeit hatte Knipfer mit Hans Prün zusammen ein Seminar beim Bund Naturschutz im unterfränkischen Hammelburg besucht. Und sich anschließend dazu entschieden, die allgemeine Neumarkter Wissenslücke zu schließen. „Wir haben angefangen, die Kirchendachböden zu kontrollieren und nach Winterquartieren zu suchen“, sagt Knipfer. Daraufhin stieg das Interesse. Bei Knipfer und Teilen der Bevölkerung.
Böse Überraschung: Manchmal nisten Hornissen in den Kästen
Beim ersten Kasten angelangt, bemerkt man Knipfers Routine. Kurz weggeschaut und schon steht er mit der Taschenlampe in der Hand auf der Leiter. Bevor er den Kasten öffnet, erklärt er den anderen Betreuern noch, worauf man immer achten sollte: „Man sollte immer erst reinleuchten.“ Er habe schon böse Überraschungen mit Hornissen erlebt, die auf menschlichen Besuch nicht so entspannt reagiert hatten, wie die Fledermäuse.
Die Fledermaus, die die Ehrenamtlichen gleich im ersten Kasten entdecken, wäre ohne Taschenlampe gar nicht sichtbar – obwohl es um 17. 30 Uhr noch hell ist. Genau deswegen krallt sich das kleine nachtaktive Tier auch an der Decke des dunklen Kastens fest.
Fledermäuse sind wichtige Glieder im Naturkreislauf.
Georg Knipfer
Georg Knipfer ist nicht nur von den Fledermäusen, sondern viel mehr von der Natur an sich fasziniert. Auch, wenn die Säuger sein Fachgebiet und er ihren Lebensraum erhalten will: „Fledermäuse sind wichtige Glieder im Naturkreislauf“, sagt Knipfer. In Europa seien sie Insektenjäger und würden pro Tier zwischen 50 000 und 100 000 Mücken oder Fliegen im Jahr fangen können.

Die Fledermausbetreuer schützen die Tiere aber nicht nur, weil sie nützlich sind: „Sie gehören einfach zu unseren Wäldern dazu und das sollte man bewahren“, sagt Knipfer. Die fliegenden Säuger haben es in den künstlich angelegten Forsten nicht leicht, Unterschlupf zu finden. Bevor die Bäume so alt werden, dass sie natürliche Quartiere für die Tiere bilden – zum Beispiel Baumhöhlen oder größere Spalten – werden sie meistens abgeholzt. Deswegen sind die Kästen, die auch von Förstern aufgehängt und kontrolliert werden, so wichtig.
Im Landkreis Neumarkt hängen etwa 1500 Fledermauskästen
Knipfer zeigt auf abgestorbene Bäume an einem Weiher. Die wären perfekt für die Tiere. „Sie könnten unter die abstehende Rinde klettern“, sagt er. Auf der etwa zwei Kilometer langen Strecke, die die Gruppe zurücklegt, sieht man davon allerdings nur sechs. Sonst wären die Kästen wohl auch hinfällig. Diese stehen vor allem in Gebieten, in denen es wenig natürliche Quartiere gibt. Insgesamt hängen im ganzen Landkreis etwa 1500 Kästen, die die Betreuer oder Förster ein Mal im Jahr kontrollieren und reinigen.

Warum das nötig ist, zeigt ein anderer Kasten: Als Knipfer ihn öffnet, fliegen ihm erst Blätter entgegen – dann purzelt ein kleines Tier heraus und sucht nach dem Sturz auf den Waldboden schnell das Weite. „Das war ein Siebenschläfer“, erzählt Christine Stagat. Wenn die Öffnung im Fledermauskasten groß genug ist, besetzten die Nagetiere diese gerne.
Christine Stagat päppelt Jungtiere auf
Stagat ist durch eine Fledermausnacht, die Knipfer veranstaltet hatte, um Außenstehenden Einblicke in das Leben der Nachtjäger zu geben, zur Betreuerin geworden. Mittlerweile ist sie so fasziniert von den Tieren, dass sie sich um Fledermäuse in Not kümmert. Sie päppelt beispielsweise allein gelassene, flugunfähige Babys auf, kümmert sich um Fledermäuse, deren Flügel in einer Tür eingeklemmt wurden, oder versorgt Tiere, die entkräftet sind und es nicht mehr zurück in ihren Unterschlupf schaffen. „Aktuell lernen bei mir drei Jungtiere das Fliegen“, sagt sie. Die meisten Fledermäuse, die aufmerksame Neumarkter zu ihr bringen, sind nur entkräftet und können schon nach kurzer Zeit zurück in die Natur.
Dort – genauer gesagt im Wald bei der Lengenbachkirche – fasst Georg Knipfer die Entdeckungen zusammen. Insgesamt sechs verschiedene Arten haben die Betreuer an dem Abend gesehen. Ein gutes Zeichen. Vor 40 Jahren, als Knipfer angefangen hatte, sei die Population wegen des Einsatzes giftiger Pflanzenschutzmittel, wie DDT deutschlandweit stark eingebrochen. Auch, wenn sie laut Knipfer noch lange nicht zurück auf dem Stand der 60er Jahre ist, gehe es ihnen heute wesentlich besser. Auch, wegen der Neumarkter Fledermausbetreuer.