Erste Landung ist geglückt: Flugbegeisterte reaktivieren Landebahn in Berching

Von Bernhard Neumayer · 11. August 2025 um 17:00

Mehr als drei Jahre lang arbeitete eine Gruppe daran, den stillgelegten Landeplatz in Berching wieder in Betrieb zu nehmen – auch wenn vereinzelte Anwohner und der Bürgermeister das verhindern wollten. Der Vorsitzende des Flugsportvereins und das Luftamt Nordbyern teilen mit, welche Flugzeuge in Breitenfurt ab sofort starten und landen dürfen.

Video ansehen

Eine gewisse Anspannung spüren sie. Während Claus Blattner mit der FK 9, einem Ultraleichtflugzeug, durch die Lüfte schwebt, zücken um die 15 Menschen am Boden ihre Handys. Sie wollen den für sie historischen Moment festhalten: die erste Landung am Flugplatz in Berching seit Jahren.

Blattner ist Vorsitzender des Flugsportvereins Berching. Im April 2024 wurde der Verein gegründet. Das Ziel: den Luftsport mit Flugzeugen, Ultraleicht und Segelflugzeugen in Berching fördern und Jugendliche dafür begeistern, sind sich Blattner und seine Stellvertreter Roland Engelhardt und Jürgen Odorfer einig. Darüber hinaus will der Verein den Flugplatz im Ortsteil Breitenfurt pflegen, schreibt er in einer Pressemeldung.

Drei Jahre Vorbereitungszeit für den Flugplatz in Berching

Seit 2022 haben Flugsportbegeisterte mit Ehrenamtlichen und örtlichen Firmen das jahrelang ungenutzte Gelände wieder auf Vordermann gebracht, nachdem die Gruppe angekündigt hatte, den seit 1980 bestehenden Flugplatz „in einem begrenzten Umfang“ reaktivieren zu wollen. Anwohner müssten keine Lärmbelästigung fürchten, teilte die Gemeinschaft schon vor drei Jahren mit.

Claus Blattner landete mit einem Ultraleichtflugzeug auf dem Flugplatz in Berching. - Foto: Bernhard Neumayer

Dennoch kam Gegenwind. Insbesondere von zwei Bürgern aus Rappersdorf, aber auch vom Bürgermeister. Die beiden Anwohner befürchteten zahlreiche Starts und Landungen sowie Lärm. Gemeinsam mit der Stadt loteten Gegner der Wiederinbetriebnahme aus, welche Ansätze es gibt, den Flugbetrieb zu verhindern. Das Ergebnis: Sie haben keine rechtliche Handhabe gegen das Vorhaben.

Es muss möglich sein, miteinander und mit der gebotenen Rücksicht das Fliegen in Berching zu ermöglichen.

Claus Blattner vom Flugsportverein Berching

Bereits 2022 hatten Blattner und Co. versucht, Bürger in Rappersdorf zu beruhigen. Neben wenigen kritischen Stimmen habe der Verein damals aber auch schon positive Rückmeldungen erhalten. Einige freuten sich, dass auf dem stillgelegten Platz endlich etwas vorangehe. „Es muss möglich sein, miteinander und mit der gebotenen Rücksicht das Fliegen in Berching zu ermöglichen“, schreibt der Flugsportverein nun in seiner Pressemitteilung.

Der Vorsitzende des Flugsportvereins Berching, Claus Blattner, strahlt nach der ersten Landung. - Foto: Bernhard Neumayer

Und gestattet ist es: Denn die Betriebserlaubnis durch das Luftamt Nordbayern liegt vor (siehe blauer Kasten). Der Sonderlandeplatz EDNI-Berching/Breitenfurt ist zugelassen für Motorflugzeuge, Motorsegler, Segelflugzeuge und Ultraleichtfluggeräte. Nach Angaben des Luftamts sind in Berching Flugzeuge bis 2000 Kilogramm erlaubt. Segelflugzeugen sei es genehmigt, mit der Startart Winden- und Luftfahrzeugschlepp abzuheben.

Luftamt Nordbayern stellt Betriebserlaubnis aus

• Erlaubnis: Die luftrechtliche Genehmigung für die Landebahn in Berching gilt schon seit Jahren. Sie berechtigt einen Betreiber, einen Flugplatz anzulegen, wie die Pressestelle der Regierung von Mittelfranken mitteilt. Dort ist das Luftamt Nordbayern, die zuständige Behörde für den Flugplatz Berching, angesiedelt.

• Abnahme: Zwischen der Genehmigung und der Inbetriebnahme des Platzes können – wie in Berching – Jahre vergehen. Deshalb nahm das Luftamt den Platz am 16. Juli vor der ersten Landung ab. „Alle luftrechtlichen Forderungen waren erfüllt und die Flugbetriebsflächen ordnungsgemäß hergerichtet“, teilt das Luftamt mit.

• Geräte: Der Zulassungsumfang des Platzes erstreckt sich laut Genehmigung unverändert auf Flugzeuge bis 2000 kg, Motorsegler, Luftsportgeräte (dazu zählen Ultraleichtflugzeuge) und Segelflugzeuge mit der Startart Winden- und Luftfahrzeugschlepp, so das Luftamt.

Wie der Flugsportverein zudem erwähnt, wird der Landeplatz in Berching als PPR betrieben. Die englische Abkürzung steht für Prior Permission Required, sprich: „vorherige Genehmigung erforderlich“. Das bedeutet, jeder, der den Platz anfliegen will, muss sich vorher eine Genehmigung des Flugsportvereins einholen.

Wer in Berching landen will, braucht eine Genehmigung des Flugsportvereins. - Foto: Bernhard Neumayer

Ebenso verfüge der Platz im Umkreis von 2,5 nautische Meilen (umgerechnet 4630 Meter) um den Flugplatzbezugspunkt vom Boden bis 5500 Fuß in der Höhe (1676 Meter) über die Möglichkeit, den Luftraum bei Bedarf und Aktivitäten des Vereins für andere Flugzeuge zu sperren, schreibt der Verein.

Flugsportverein Berching will Rücksicht nehmen

„Zudem gibt es keine feste Platzrunde, so dass an- uns abfliegender Verkehr bestmöglich bezüglich einer Lärmvermeidung den Platz befliegen kann“, teilt der Verein mit. Auch hier sehe man, dass der Verein bestrebt sei, den Flugbetrieb „nach Möglichkeit so gering wie möglich zu halten“.

Die Landebahn des Flugplatzes in Berching kann wieder genutzt werden. - Foto: Bernhard Neumayer

Befreundete Vereine haben nach Angaben der Berchinger Gruppe zugesagt, mit Flugzeugen und einer Zwei-Trommel-Seilwinde den noch jungen Verein zu unterstützen. Auch das Thema Windenbetrieb werde dazu beitragen, die Lärmemission für umliegende Ortschaften zu reduzieren, betont der Verein.

Die Flugsportbegeisterten seien nicht auf Konfrontation aus. Ihr Ziel sei es, sich im Berchinger Vereinsleben zu etablieren. Aktuell hat der 19 Mitglieder. Viele davon waren bei der ersten Landung – im Rahmen des Sommerfestes – am Freitag dabei. Als Claus Blattner nach circa 15 Minuten in der Luft das erste Mal in Berching landet, ist die Freude und Erleichterung groß.

Wie oft dort ab sofort Flugzeuge starten und landen, wird sich zeigen. Festlegen will sich Blattner nicht: „Das müssen wir erst noch schauen.“