St. Oswald strahlt wieder: Bedeutende Kirche in Regensburg wird nicht entwidmet

Aufmerksamen Flaneuren wird es nicht entgangen sein: Die Oswaldkirche unweit des Eisernen Stegs in Regensburg ist ihr Gerüst los – und auch abseits davon gibt es Neuigkeiten von dem evangelischen Gotteshaus.
Die Geschichte des Baus reicht bis in das späte 13. Jahrhundert. Seit 2020 wird die Kirche umfassend saniert. Probleme gab es vor den Arbeiten insbesondere am Dachstuhl, am Baugrund und im Innenraum. Parallel zur Sanierung läuft seit Jahren eine Debatte um die Zukunft von St. Oswald. Zeitweise war von einem Verkauf und einer Entwidmung des Gotteshauses die Rede – das ist nun vom Tisch.
St. Oswald: Kirchliche und kulturelle Nutzung steht im Fokus
Das hat Stadtdekan Jörg Breu der MZ nun offiziell bestätigt. Eine kulturelle und kirchliche Nutzung stehe im Fokus der Planungen des Dekanats. Ein Verkauf ist damit aller Voraussicht nach auch vom Tisch. Das sei auch das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die sich seit Jahren mit der Zukunft des Gotteshauses befasste.
Zugleich macht auch die Sanierung der Kirche Fortschritte. Laut Breu ist der erste Bauabschnitt so gut wie abgeschlossen. Dieser umfasste die statische Sicherung des Gebäudes und die Instandsetzung der Fassade. Daher sind auch die Gerüste von St. Oswald weg. Nun geht es an den zweiten Bauabschnitt: die Sanierung des Kircheninneren. „Dieser Bauabschnitt ist aber zurückgestellt, bis die Nachnutzung klar ist“, sagt Stadtdekan Breu.
Kirchen-Klima ist der Knackpunkt
Die Machbarkeitsstudie befasste sich auch mit der Innensanierung. Der Knackpunkt dabei: das Klima in der Kirche. Derzeit wird St. Oswald mit Strahlern unter den Sitzbänken geheizt – mithin eine in die Jahre gekommene Heiztechnik. „Insbesondere Orgel und Einbauten würden von im Jahresverlauf gleichbleibenden Temperaturen und gleichbleibender Raumfeuchtigkeit sehr profitieren“, betont Breu. Daher prüfe man nun neue Möglichkeiten der Beheizung, die allerdings mit umfassenderen technischen Maßnahmen verbunden sind. Man befinde sich derzeit noch in Gesprächen, um eine passende Lösung zu finden, sagt Breu.
Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid ist Kunsthistoriker sowie Vorsitzender des Fördervereins St. Oswald und Dreieinigkeitskirche. Er freut sich darüber, dass St. Oswald eine Kirche bleibt. „Das ist der erste Schritt zur Besserung.“ Zugleich kritisiert er, dass sein Verein nicht in die Sanierungsarbeiten einbezogen wird. „Ich wüsste schon gerne, was langfristig geplant ist.“ Sein Vorschlag ist nach wie vor, St. Oswald zu einer Universitätskirche zu machen.
Besondere Orgel muss geschützt werden
Dittscheid liegt die Kirche am Eisernen Steg sehr am Herzen. Zum einen wegen der Bilder, die das Gotteshaus zieren. Zum anderen wegen der Orgel von Franz Jakob Späth, deren einzigartiger Klang einst die Besucher in seinen Bann zog. Dittscheid hofft daher auf eine Innensanierung, die den Charakter der Kirche erhält. Auch das Klima-Thema treibt ihn um: „Man muss alles dafür tun, um die Temperatur in den Griff zu bekommen.“ Andernfalls könne insbesondere die Orgel leiden. Zugleich betont der Kunsthistoriker: „Die Außensanierung ist hervorragend gelungen.“ Für das Stadtbild sei die Stelle entscheidend. „St. Oswald ist ein echter Leuchtturm.“
Dr. Eugen Trapp ist Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Regensburg und sitzt damit auch am Tisch, wenn es um die Sanierung der Oswaldkirche geht. Er erläutert auf Anfrage, dass das GebäudeTeil der Bayerischen Denkmalliste ist. Damit bedürfe jedwede Veränderung einer denkmalrechtlichen Erlaubnis. Trapp betont, dass seine Aufgabe als städtischer Denkmalpfleger sei, darauf zu achten, dass die geplanten Veränderungen an der Kirche den Rahmen des denkmalpflegerisch Vertretbaren nicht sprengen. „Schließlich muss es ja Ziel der Stadt Regensburg sein, diese einzigartige, stadt-, konfessions- und kunstgeschichtlich gleichermaßen bedeutende Kirche einerseits möglichst unverfälscht zu erhalten, sie andererseits aber auch wieder besser für die Öffentlichkeit zu erschließen.“