Wird auch die Oswaldkirche entwidmet? Sorgen um das Ensemble in Regensburg werden laut

Soll eine Kirche für andere als sakrale Zwecke genutzt werden, muss sie entwidmet werden – wie die Theresienkirche. Aber auch über der Oswaldkirche in Regensburg schwebt nun die Frage, ob hier weiter Gottesdienste gefeiert werden. Das passt nicht allen.
Seit 2020 wird der Bau saniert: Der Dachstuhl ist fertig, die Außenfassade soll es bis Ende des Jahres sein, für den Innenbereich gebe es zwar ein Instandsetzungskonzept, weitere Schritte aber müssen erst noch geplant werden, sagt Michael Groß, Diakon und stellvertretender Geschäftsführer beim Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeindeamt. Denn wie die Sanierung des Innenraums ablaufen wird, hängt von der zukünftigen Nutzung der Kirche ab, erklärt er. Dafür sei eine Machbarkeitsstudie in Arbeit.
Vom Ausgang dieser Studie wiederum hänge die Antwort auf die Frage ab, ob die Oswaldkirche weiter liturgisch genutzt werden soll oder eine Entwidmung der Kirche vorgenommen wird, beschreibt Groß die Pläne. Mehr könne er nicht sagen, weil über den Inhalt der Studie mit allen Beteiligten Verschwiegenheit vereinbart worden sei. Der Entscheidungsprozess über die zukünftige Nutzung der Kirche werde noch andauern, kündigt Groß an.
Inzwischen hat das Reifen der Entscheidung zur Zukunft der Oswaldkirche aber das Interesse vieler Menschen geweckt. Manche davon haben auch schon Sorgenfalten auf der Stirn. Denn wie diese Entscheidung ausfällt, wird ein Juwel betreffen, das große Bedeutung für Regensburg und für viele Regensburger hat. Weil in der Oswaldkirche bis zum Beginn der Bauarbeiten neben den Gottesdiensten auch viele Ausstellungen und Konzerte stattfanden, gingen Menschen mit unterschiedlichsten Interessen hier regelmäßig ein und aus.
Aber auch Christoph Dittscheid, Kunsthistoriker sowie Vorsitzender des Fördervereins St. Oswald und Dreieinigkeitskirche, braucht auf die Frage, woher die Bedeutung der Oswaldkirche kommt, nicht lange zu überlegen: die Orgel von Franz Jacob Späth, der auch als Mozarts Lieblings-Klavierbauer bezeichnet wird, die barocken Bilderzyklen, der Stuck, die Familienstühle.
Förderverein in Diskussion einbeziehen
Auf die Frage nach der Zukunft der Oswaldkirche und die nach dem Weg dorthin hätte Dittscheid dagegen jetzt selbst gerne ausführliche Antworten: Denn gerüchteweise habe er sogar gehört, dass die Kirche verkauft werden könnte. „Nicht einmal der Förderverein der Kirche kann Auskunft geben, da er bislang in die Planungen nicht eingebunden wurde“, beschreibt Dittscheid seine Situation. Deswegen fordert er, dass der Förderverein in die Diskussion über die Nutzung einbezogen wird und die Stadtgemeinde über das weitere Schicksal der Kirche entscheiden darf.
Denn zum Beispiel wäre es seiner Ansicht nach wichtig, dass der Charakter als typisch protestantische Emporenkirche erhalten bleibt und der Raum nicht durch Einbauten verstellt wird, wodurch es laut des Kunsthistorikers kaum mehr möglich wäre, das Bildprogramm zu verstehen.
Zudem verweist er auf die einzigartige Qualität des Denkmals, das gerade in einer Stadt mit Welterbeprädikat erhalten und gepflegt werden müsse. Dieser Aufgabe habe sich der Förderverein gestellt und dies werde er auch weiterhin tun. Allerdings gleichen diese Ziele in Dittscheids Augen derzeit Wünschen, weil die weitere Nutzung von Seiten der Gesamtkirchenverwaltung in Frage gestellt werde.
Er ist nicht der Einzige, der die Entwicklungen im Blick behält. Das tut auch Gustav Rosenstein, der ehemalige Pfarrer der Gemeinde: „Es sollte St. Oswald nie so ergehen wie genau in diesen Tagen einer römisch-katholischen Kirche der Stadt, dass sie nämlich entwidmet und als glaubens- und kirchenmäßig überflüssig zum Verkauf stünde“, sagt er. Rosenstein verweist auch auf Veranstaltungen wie das Gotteslob am Jazzweekend, die Kunstausstellungen oder Gespräche bei Essen und Trinken, die sich in der Kirche bei diesen Gelegenheiten immer wieder ergaben: Das soll seiner Vorstellung nach auch weiter so sein. Ulrich Landskron, Schatzmeister und Schriftführer, beziffert den Betrag, den der Förderverein in den letzten 20 Jahren für Veranstaltungen wie diese ausgegeben hat, auf 50.000 Euro.
Umsichtig mit der Ausstattung umgehen
Ebenso hat Stadtheimatpfleger Gerhard Waldherr schon von den Fragezeichen gehört, mit denen die Zukunft des Barockjuwels gerade versehen ist. Er fordert eine passende Verwendung, die sensibel mit dem Raum und auch seiner Ausstattung umgeht. „Das ist ein hochwertiger Dreiklang aus Bildwerk, Gestühl und Orgel und das muss als Ensemble bewahrt werden“, sagt er. Allerdings müsse es für ihn nicht notwendig eine sakrale Nutzung sein, die die Oswaldkirche in Zukunft erfüllen soll.