Ideen für St. Michael gesucht: Was wird aus Burgweintings alter Kirche?

Von Jonas Raab · 29. Februar 2024 um 10:00

St. Michael führt ein Schattendasein. Festtage begehen gläubige Burgweintinger seit knapp 20 Jahren direkt nebenan, in der modernen Pfarrkirche St. Franziskus. Für Beerdigungen, Hochzeiten und Werktagsgottesdienste nutzt die Pfarrei im Regensburger Stadtosten weiterhin St. Michael. Nun steht die Frage im Raum, wie lange man sich das noch leisten kann.

„St. Michael: Quo vadis?“, stellte der Kirchenbauverein bei einer Informationsveranstaltung am Dienstag vergangener Woche zur Debatte. Die Ideen für die Zukunft des 1438 urkundlich erstmals erwähnten Baus könnten unterschiedlicher kaum sein: Von Abriss über Umnutzung bis hin zum Weiterbetrieb wie bisher – alle Optionen wurden angesprochen.

Die Versammlung sei harmonisch verlaufen, weil sich jeder habe einbringen können und das Ende offen geblieben sei, berichtet Thomas Zeitler, Vorsitzender des Kirchenbauvereins. „Ein fertiges Konzept hat keiner“, stellt er klar. Vielmehr gehe es darum, einen Entscheidungsprozess (siehe Infokasten) anzustoßen.

Neue Nutzung im Gespräch: Verkauf von St. Michael soll verhindert werden

„Wir wollen uns rechtzeitig Gedanken machen, nicht warten, bis nichts mehr geht“, erklärt Pfarrer Michael Hoch. Genau wie Zeitler spricht er vom „Schreckgespenst der Profanierung“, das durch Burgweinting geistere. „Ein Verkauf ist genau das, was wir nicht wollen“, stellt Hoch klar. „Es wäre ein Einschnitt, wenn eine Kirche verloren ginge“, sagt der Pfarrer.

Dass es in Zeiten schwindender Mitgliederzahlen in der katholischen Kirche Handlungsbedarf gibt, ist unbestritten: „Man kann an fünf Fingern abzählen, dass es unheimlich schwierig wird, zwei Kirchen dauerhaft zu erhalten“, sagt Pfarrer Hoch. In den kommenden Jahren stünden Sanierungen an Dach und Turm von St. Michael an. Die erste Kostenschätzung des Kirchenpflegers: rund 500000 Euro. „Bevor man Geld ausgibt, sollte die künftige Nutzung klar sein“, sagt Zeitler.

Regensburg: Altburgweinting ist mit St. Michael groß geworden

Pfarrer Hoch könnte sich eine gemischte Nutzung von St. Michael gut vorstellen, also die Kirche weiterhin für Gottesdienste zu nutzen und gleichzeitig für Weltliches zu öffnen. Dazu gab es bei der Informationsveranstaltung laut Zeitler die verschiedensten Impulse: Urnengräberhaus, Museum, Café, Meditationsraum, Seminarhaus oder „Orgel-Bräu“. Und noch ein Vorschlag kam auf: Wenn schon, sollte man dann nicht vielleicht auf die zu große Kirche St. Franziskus verzichten? „Beim freien Denken kommt man auf alle möglichen Konstellationen“, sagt Hoch.

Spricht man mit Zeitler und Hoch, hört man heraus, dass es in Burgweinting wohl zwei Kirchen-Lager gibt. „Altburgweinting ist mit St. Michael groß geworden. Gleichzeitig gibt es viele Zugezogene, die sich mit dem Stil von St. Franziskus identifizieren. An beiden Kirchen hängen die Herzen der Leute“, sagt der Pfarrer. Er verstehe daher gut, dass es für beide Gebäude Fürsprecher gebe. Doch Hoch schränkt ein: „Man baut keine Kirche, um sie nur 20 Jahre zu nutzen.“

Zeitlers Vision ist es, durch eine neue Nutzung von St. Michael dem Ortskern von Burgweinting neues Leben einzuhauchen, eine Mitte zu schaffen. Pfarrer Hoch wünscht sich, dass sich am Prozess möglichst viele Menschen beteiligen und das „Kreative weiterdenken“.