Gotteshaus als Luxusapartment: Werden im Landkreis Kelheim weitere Kirchen verkauft?

Neben der Orgel steht ein Doppelbett, vor dem Altar eine Wohncouch – wo früher Menschen beteten, verbringen Feriengäste heute Urlaub. Die ehemalige Lukaskirche in Kelheim ist Beispiel für Verkauf und Neunutzung kirchlicher Immobilien. Im Landkreis könnte bald auch an anderen sakralen Gebäuden stehen: „Zu verkaufen“.
Jüngst ließ der Verkauf von zwei Kirchen in Regensburg aufhorchen: Die Theresienkirche des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten ging ebenso an einen Investor wie die Kreuzkirche der evangelischen Gemeinde. Den kirchlichen Eigentümern wurden die Gotteshäuser schlicht zu teuer.
Schon im Jahr 2021 wechselte die Lukaskirche in Kelheim für eine halbe Million Euro den Besitzer. Die evangelische Kirchengemeinde Kelheim-Saal konnte keine vier Kirchen mehr (unter)halten, bereits 2016 wurde der 1961 errichtete Rundbau samt angrenzendem Gebäude feil geboten. Fünf Jahre dauerte es, bis mit dem Architekten Rainer Wilhelm aus Gempfing ein neuer Eigentümer gefunden wurde.
110 Quadratmeter: das „größte Wohnzimmer Bayerns“
Mittlerweile beherbergt der Komplex drei Ferienwohnungen, die größte mit 180 Quadratmetern – allein das beschriebene Wohnzimmer mit offenem Dachstuhl misst 110 Quadratmeter („das größte Wohnzimmer Bayerns“, schrieb ein Boulevard-Blatt). „Die Neugestaltung hat nochmal rund eine halbe Million Euro gekostet“, erklärt Patrick König, der die Apartments gepachtet hat und vermietet. „Gerne nehmen Urlauber alle drei Wohnungen zusammen, da haben dann 25 bis 26 Personen Platz. “
Kritische Stimmen, die von „Schändung“ eines Gotteshauses sprechen, seien rar, sagt König. Vielmehr überwiege die Freude, „dass etwas passiert ist und das Gebäude nicht verfällt“. Die Instand-Haltung sei auch heute noch recht aufwendig, ergänzt er.
Seit 2018 elf katholische Objekt verkauft
Der Verkauf der Lukaskirche ist kein Einzelfall. Das katholische Bistum Regensburg zählt im Dekanat Kelheim seit 2018 „elf beurkundete Vorgänge“ von Veräußerungen. Allerdings handelte es sich „immer um Nutzgebäude, nicht um liturgische Räume, also Kirchen“. Verkauft wurden unter anderem Pfarrhöfe und -heime.
Diese Entwicklung wird sich „in den nächsten Jahren fortsetzen und möglicherweise verstärken“, sagt Kelheims Dekan Georg Birner aus Abensberg. Eine geringer werdende Zahl an Katholiken „braucht nicht mehr so viele Pfarrhäuser und andere Objekte“. Das Bistum hält die ortskirchlichen Stiftungen – die eigentlichen Eigentümer in den Pfarreien – mittlerweile an, „sich von Gebäuden zu trennen, welche für keinen ortskirchlichen Zweck mehr genutzt oder verwendet werden können“, erklärt stellvertretender Pressesprecher Jakob Schötz auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Neben Pfarrhäusern stehen dabei „überdimensionierte Pfarr- und Jugendheime“ im Blick.
Große finanzielle Last durch Unterhalt
Die verminderte Anzahl der Katholiken passe „nicht mehr zur Kubatur/Größe des Objekts“, so Schötz, der auf die Baulast und große finanzielle Belastung durch laufenden Unterhalt verweist. Wie groß Aufwendungen für Kirchen oder Pfarrhäuser im Einzelnen sind, können und wollen weder er noch Dekan Birner preis geben. „Das hängt stark vom Zustand, auch dem energetischen, eines Gebäudes ab“, sagt Letzterer.
Eine Zahl zeigt die Dimensionen: 463 kirchliche Immobilienbaulasten an Pfarr-, Expositur-, Benefizium-, Filial-, Neben-, Wallfahrtskirchen, Kapellen, Pfarrhöfen, Pfarr- und Jugendheimen sowie Leichenhäusern sind im Dekanat Kelheim zu unterhalten. Die finanzielle Last liegt im Regelfall bei den örtlichen Kirchenstiftungen. Auch vor dem Hintergrund sinkender Kirchensteuereinnahmen wird es „mittel- bis langfristig schwierig, den Betrieb und Unterhalt für alle vorhandenen Gebäude gewährleisten zu können“, erklärt das Bistum.
Bistum Regensburg will Pfarrkirchen halten
Eine katholische Kirche im Landkreis stand bisher noch nicht zum Verkauf. „Im Bistum Regensburg werden keine Pfarrkirchen verkauft oder profaniert“, lautet der Grundsatz. Allerdings gilt das Diktum nicht für Filial- und Nebenkirchen. Dekan Birner räumt ein: „Ich sehe den Verkauf von Kirchen am Horizont heraufziehen.“ Das Thema müsse man mit großer Sensibilität und unter Mitbestimmung der Gläubigen vor Ort behandeln. „Menschen werden in sakralen Räumen getauft und haben dort geheiratet.“
Auch in der evangelischen Kirche dürfte es nicht nur beim Verkauf der Lukaskirche bleiben. „Am Landesplan für Pfarrstellen hängen die Gebäude-Angelegenheiten dran“, sagt Bad Abbachs Pfarrerin Barbara Dietrich, sprich die Nutzung bestimmt den Bedarf.
Evangelisches Pfarrhaus in Bad Abbach abgestoßen
Und mitunter steht die Kostenseite dagegen. So musste die evangelische Gemeinde Bad Abbach das Pfarrhaus in 2022 abstoßen – weil die Sanierung der örtlichen Kreuzkirche (2,2 Millionen Euro) die Schulden in die Höhe trieb. Die Pfarrerin wohnt in einem anderen Gebäude zur Miete. Aktuell sind keine Objekte der evangelischen Kirche im Landkreis Kelheim am Immobilienmarkt.
Markante kirchliche Immobilien sind auch die Klöster. „Die Frage eines Verkaufs, auch nur von Gebäudeteilen, stellt sich nicht. Wir brauchen alles selbst“, sagt der Weltenburger Abt Thomas Freihart. Auch das Kloster Rohr in Niederbayern denkt nicht an irgendwelche Verkäufe, heißt es von dort.
