Vorschlag zur Nutzung: Könnte St. Oswald in Regensburg eine Universitätskirche werden?

Wird St. Oswald auch nach der Sanierung weiter als Kirche genutzt? Bleibt das kunsthistorisch so wertvolle Ensemble intakt? Und was ist mit der Funktion des Baus als kulturellem Veranstaltungsraum? Sorgen wie diese plagen weiter viele Regensburger.
Nun verhilft eine Kunsthistorikerin einem lange verschwundenen Konzept zu einer Renaissance, dessen Umsetzung einigen Beteiligten einen Stein vom Herzen fallen lassen würde.
Diese Frau heißt Rosa Micus. Sie beklagt sich in einem Schreiben an die Mittelbayerische darüber, dass sowohl die Öffentlichkeit als auch Fachwissenschaftler bei der in ihren Augen wichtigen Frage nach der zukünftigen Nutzung von St. Oswald ausgeschlossen und klein gehalten werden.
Denn zuletzt hatte Michael Groß, Diakon und stellvertretender Geschäftsführer beim Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeindeamt, bekannt gegeben, dass es für den Innenbereich zwar ein Instandsetzungskonzept gebe, weitere Schritte aber erst noch geplant werden müssen. Eine Machbarkeitsstudie werde zeigen, ob die Oswaldkirche weiter liturgisch genutzt werden soll oder eine Entwidmung der Kirche vorgenommen wird. Mehr könne er nicht sagen, weil über den Inhalt der Studie mit allen Beteiligten Verschwiegenheit vereinbart worden sei. Zudem dauere der Entscheidungsprozess über die zukünftige Nutzung der Kirche an. Dabei bleibt er auch jetzt.
„Verquastes Zeug“ kursiert
Statt Aussagen wie diesen wünscht Micus sich allerdings eine sachliche Diskussion zu dem Thema. Denn die Gerüchteküche brodle ohnehin schon, sagt sie. So mache „verquastes Zeug“ die Runde. Es sei davon die Rede, dass die Uni in der Kirche Chilling Areas einbauen wolle, erklärt Micus. Zuletzt berichtete auch Christoph Dittscheid, ebenfalls Kunsthistoriker sowie Vorsitzender des Fördervereins St. Oswald und Dreieinigkeitskirche, von Gerüchten. Sogar über den Verkauf der Kirche werde demnach spekuliert.
Micus schlägt nun die Nutzung als Universitäts- und Simultankirche vor. Diese Idee habe bereits während ihres Grundstudiums in den 1970er-Jahren unter den Professoren kursiert. Die Kirche könne eine stilvolle Universitätsaula abgeben und allen an der Universität vertretenen christlichen Konfessionen eine Heimat bieten, führt Micus diese Idee aus. Außerdem ermögliche dieses Konzept die Fortführung des Konzertbetriebs und der Ausstellungen, die zuletzt regelmäßig in der Kirche stattfanden. Das würde der Universität gut zu Gesicht stehen, schreibt Micus. Immerhin biete der Kirchenraum ideale räumliche und akustische Voraussetzungen, während dies alles im Andachtsraum am Campus nicht umzusetzen wäre.
Spielraum für einen Umbau der Kirche sehe sie dagegen nicht. Die Gesamtausstattung der Kirche dürfe zudem auch nicht geschmälert werden.
Micus‘ Schreckensszenario
Das Gestühl zu entfernen, würde heißen, das Ganze zu beschädigen, erklärt Micus. „Es käme einer weitgehenden Zerstörung des Innenraums gleich, in dessen leerer Hülle Altar und Orgel zusammenhanglos zurückbleiben würden“, verbalisiert sie ihr persönliches Schreckenszenario.
Wie also sehen die Pläne der Universität und der evangelischen Kirche für St. Oswald aus? Soll es dort wirklich Chilling Areas geben? Soll das Gestühl entfernt werden? Und was sagen sie zu Micus‘ Vorstoß mit der Simultankirche? „Die Universität hat keinerlei finanzielle Mittel für eine Investition in die Oswaldkirche“, antwortet Bastian Schmidt, Pressereferent an der Uni auf Anfrage.
„Die kurze Ausführung von Frau Dr. Micus, St. Oswald als Universitätskirche und Simultankirche zu nutzen, stellt sicherlich eine Möglichkeit eines zukünftigen Nutzungskonzeptes dar“, sagt Groß vom Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeindeamt. Konzerte oder Ausstellungen seien ohnehin kein neues Konzept. Diese gab es bisher auch als Angebote in der St. Oswald Kirche und er sehe sie auch in Zukunft, bezieht er Position.
Weiterhin könne er nichts Neues berichten und lediglich weiterhin um Verständnis dafür werben, dass die Beteiligten hier Verschwiegenheit vereinbart haben.