Umspannwerk im Regensburger Norden: Auf das Wo folgt das Wie

Von Benedikt Baumgartner · 17. August 2025 um 15:00

Der wohl kontroverseste Schritt ist für Tennet geschafft: Der Netzbetreiber hat sich auf einen künftigen Standort für ein 21-Hektar-Umspannwerk festgelegt und die entsprechende Fläche zwischen Zeitlarn und Wenzenbach gekauft. Die Frage nach dem Wo ist geklärt, nun geht es um das Wie.

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„Wir haben den Standort gefunden. Jetzt beginnen die technischen Detailplanungen“, sagt Markus Kretzler, Referent für Bürgerbeteiligung des Stromnetzbetreibers. Doch zum Gegenwind in der Standortfrage kommt nun Kritik zur geplanten Art der Anlage.

Im Rahmen der Info-Veranstaltung am Mittwochnachmittag im Aurelium in Lappersdorf überreichten gleich zwei Bürgerinitiativen Unterschriftenlisten gegen ein Umspannwerk in ihrer Nachbarschaft an Tennet-Vertreter. Die Fußenberger Bürger wurden von der überraschend schnellen Entscheidung für den Standort weiter nördlich überholt, wollten ihrem Widerstand gegen den Suchraum am Rande des Wenzenbacher Ortsteils dennoch Ausdruck verleihen. Dringlicher bleibt der Widerstand der Zeitlarner Bürgerinitiative, auch wenn die nun von Tennet erworbene Fläche vollständig auf Wenzenbacher Gemeindegebiet liegt. Bis auf wenige Anwohner am Abbachhof wird das Umspannwerk vor allem vom Zeitlarner Ortsteil Mühlhof zu sehen sein.

Transparenz nicht im Detail

Dass eine Stärkung des Regensburger Stromnetzes gebraucht wird, zweifeln auch die Kritiker nicht ernsthaft an. Während man in Wenzenbach eher froh ist, um den Standort-GAU Fußenberg herumgekommen zu sein, zieht man in Zeitlarn die Genehmigungsfähigkeit eines Umspannwerks an der gewählten Stelle in Zweifel. Vor allem die Sichtung verschiedener bedrohter Vogelarten dient ihnen als Argument.

Kretzler legt dar, dass nach der detaillierten Prüfung der vier Suchräume jeder einzelne als nutzbar betrachtet wird, der gewählte Standort sei sogar „besonders geeignet“. Entsprechend sagt Kretzler: „Wir werden in der Detailplanung so planen, dass die Anlage aus unserer Sicht genehmigungsfähig ist.“ Die Angst der Fußenberger, dass ihr Ort bei einem Scheitern der Genehmigung am jetzigen Standort erneut in den Fokus geraten könnte, hält Kretzler „nach allem, was man jetzt absehen kann, für sehr, sehr unwahrscheinlich“.

Wir werden nicht im Detail durchdiskutieren, welche Faktoren wie gewertet werden.

Markus Kretzler, Tennet-Referent für Bürgerbeteiligung

Der laut beiden Bürgerinitiativen am besten geeignete Standort nahe dem Gewerbegebiet Haslbach habe bei den vier Kriterienbündeln allein hinsichtlich der Abstände zu Wohnbebauung und Sichtachsen besser abgeschnitten als der gewählte Standort, sagt Kretzler. Bei der technischen Umsetzbarkeit, raumordnerischen und umweltfachlichen Belangen sowie Möglichkeiten der Leitungsanbindung sei er schlechter geeignet. „Aber wir werden nicht im Detail durchdiskutieren, welche Faktoren wie gewertet werden.“ Und: Natürlich sei auch die Flächenverfügbarkeit ein Kriterium. Für den gewählten Standortraum zwischen Zeitlarn und Wenzenbach konnte Tennet die Verhandlungen wohl mit nur einem Grundbesitzer führen und rasch erfolgreich abschließen.

Das Umspannwerk bei Burgrheinfeld zeigt Tennet als Vergleichsprojekt. Zeitlarns Bürgermeisterin Andrea Dobsch fordert, dass eine flächenschonendere Alternative wenigstens geprüft wird. - Foto: Tennet

Dort startet nun die Detailuntersuchung. Sobald die in einigen Monaten abgeschlossen ist, wird Tennet die Bürger erneut informieren, kündigt Kretzler an. Nicht zur Debatte steht wohl die Art der Anlage. Dies fordert allerdings Zeitlarns Bürgermeisterin Andrea Dobsch auf Anregung von Harro Lührmann. Der Fachmann – er war Vertriebsleiter für Hochspannungsschaltanlagen bei Siemens, technischer Leiter der Maschinenfabrik Reinhausen und promovierte in Hochspannungstechnik – argumentiert, dass der Regensburger Norden in den nächsten fünf, sechs Jahrzehnten, in denen das Umspannwerk betrieben werde, besiedelt und in die Stadt einverleibt werde. In so ein urbanes Gebiet passe die geplante freiluftisolierte Anlage nicht. Seine Lösung: Gasisolation.

Es gäbe eine Mini-Alternative

Eine enorme Flächeneinsparung verspricht Lührmann dadurch. Mit weniger als einem Fünftel des nun veranschlagten Raums komme ein gasisoliertes Umspannwerk aus. Ein solches könne in einer Halle untergebracht werden, der Eingriff in die Natur sei deutlich geringer und bei reduziertem Flächenbedarf wären andere Standorte, etwa in Industriegebieten, denkbar. Seit den 1970er Jahren seien solche gasisolierten Anlagen in Deutschland in Betrieb. Auf Lührmanns Liste mit Vorteilen kontert Kretzler mit den Nachteilen der Gas-Isolation-Technologie: Etwa doppelt so teuer sei die, Wartungsarbeiten und Reparaturen seien aufwendig, die Ausfallzeiten dadurch potenziell länger und man mache sich von einem einzelnen Hersteller abhängig. Das Isoliergas SF6 ist 24.000-fach klimaschädlicher als CO2 und wird in den kommenden Jahren europaweit verboten.

Das lasse sich durch technische Innovation lösen, sagt Lührmann. Tennet-Referent Kretzler sieht keine Alternative zu freiluftisolierten Anlagen: „Das ist im Übertragungsnetz der Standard in Deutschland.“ Aktuell spricht alles für die bekannte Anlage am nun bekannten Standort.