Entscheidung gefallen: Kritik am Standort für Umspannwerk im Regensburger Norden

So richtig glücklich ist niemand mit dem Ergebnis der Standortsuche für ein etwa 21 Hektar großes Umspannwerk im Regensburger Norden. Errichtet werden sollen die Transformatoren am Abbachhof auf Wenzenbacher Gemeindegebiet, direkt an der Grenze zu Zeitlarn. „Es ist kein Grund zu feiern“, sagt Bürgermeisterin Andrea Dobsch (FW), „aber es hätte auch schlimmer kommen können“. Diese Einschätzung wird ihr Wenzenbacher Amtskollege Sebastian Koch (SPD) so unterschreiben. Denn in beiden Gemeinden hätte die Belastung noch dramatischer ausfallen können.
„Wir sind – in Anführungszeichen – froh, dass es nicht weiter westlich ist“, sagt Dobsch. Zeitlarn ist bei der Standortsuche von Tennet durch das Gebiet A betroffen, dass teils auf Gemeindefläche und in Sichtweite der Ortsteile Mühlhof und Neuhof liegt. Rund einen Kilometern ist die ausgewählte Fläche A2 von der Wohnbebauung entfernt. „Es hätten auch 400 Meter sein können“, sagt Dobsch.

„Pflock eingeschlagen“ – aber bleibt der auch?
Unmittelbar betroffen vom Umspannwerk ist der Abbachhof. Den bestmöglich zu schützen und mit einem Wall abzuschirmen, ist nun das Hauptanliegen von Koch. „Ich bin mit dem Standort nicht super glücklich“, sagt er, „aber natürlich bin ich froh, dass es nicht der Suchraum B geworden ist“. Diese Fläche direkt an der Wohnbebauung von Fußenberg als Umspannwerk-Standort „wäre schon verheerend gewesen“, sagt der Wenzenbacher Bürgermeister mit Blick auf die Topographie, den nahen Trinkwasserbrunnen und die direkte Nachbarschaft zum Wohngebiet. Ganz aus dem Schneider sieht Koch den Ortsteil Fußenberg aber noch nicht: „Da wurde jetzt ein Pflock eingeschlagen von Tennet, ob der aber nicht noch gelockert oder versetzt wird, wissen wir nicht.“ Es gelte, den Prozess weiter wachsam zu begleiten.
Tennet begründet die Entscheidung
In einer Pressemeldung verkündet Tennet, dass grundsätzlich alle vier betrachteten Suchräume geeignet seien. A2 sei aber „im Hinblick auf raumordnerische und umweltfachliche Belange“ besonders gut nutzbar. Durch die Nähe zur bestehenden Stromleitung werde der zusätzliche Leitungsbau minimiert. Auch unter technischen Aspekten eigne sich das Gebiet bestens. „Unmittelbar nach Abschluss der Detailuntersuchung konnten die benötigten Flächen innerhalb des Standortraums A2 bereits frühzeitig gesichert werden“, sodass es früher als ursprünglich angenommen Klarheit gebe.
„Dass das Grundstück, das sie zufällig kaufen können, in der Detailplanung das beste ist, finde ich fragwürdig“, sagt Dobsch. Es sei die einfachste Lösung gewählt worden, pflichtet ihr Erik Schlegel, zweiter Bürgermeister (CSU) und Sprecher der Bürgerinitiative „Lebenswertes Zeitlarn ohne Umspannwerk“ bei. Auch wenn das avisierte Areal etwas von der Wohnbebauung abgerückt ist, sagt Schlegel: „Wir sind nach wie vor gegen diese Fläche. Das ist ein Naturraum, den es zu schützen gilt.“ Am 13. August lädt Tennet von 15 bis 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Aurelium nach Lappersdorf. Dort will die BI ihre gesammelten Unterschriften an den Netzbetreiber übergeben, um auf die fehlende Akzeptanz für das Projekt aufmerksam zu machen. Über 650 Unterschriften liegen bereits bei Schlegel.

Sogar 1070 Unterzeichner hat die Fußenberger Petition. Die Unterschriftenliste hat die dortige BI gestern an Landrätin Tanja Schweiger übergeben, auch wenn die Zuständigkeit beim Bund liegt. In Feierstimmung sind auch die Fußenberger nicht, obwohl der Standort B aus dem Rennen zu sein scheint. „Erleichtert sind wir schon, aber nicht glücklich“, sagt BI-Sprecher Michael Maly. Er hält in Übereinstimmung mit der Zeitlarner Bürgermeisterin und Bürgerinitiative nach wie vor Suchraum C beim Gewerbegebiet Haselbach für den geeignetsten. Da – so sein Argwohn – wären die Flächen aber teurer gewesen.
Scharfe Kritik von MdB Aumer an Tennet
Dieser Argwohn wundert CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Aumer nicht: „Was mich intensiv stört, ist das Vorgehen. Unter einem transparenten Verfahren stelle ich mir etwas anderes vor“, kritisiert er Tennet. „Für das Vertrauen der Bürger und für die Akzeptanz der Energiewende ist diese Intransparenz schädlich.“ Zudem sei lediglich nach Aktenlage entschieden worden, etwa Vogelbestände, die auf der roten Liste gefährdeter Arten stehen, seien nicht berücksichtigt worden. Er fordert, wenigstens die laut werdende Kritik ernst zu nehmen und nötige Investitionen für einen möglichst kleinen Eingriff zu tätigen.
So pauschal mag sich SPD-Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner den Vorwürfen an Tennet nicht anschließen. Sie erkennt die Arbeit der Bürgerinitiativen an, die Probleme und Sorgen vor Ort benennen würden. Aber: „Es wird kein Gebiet geben, wo die Bewohner Luftballons an den Gartenzaun hängen und sich freuen, dass ein Umspannwerk kommt.“
Nähe zur Leitung ist Trumpf
Sie verweist auf das Sammelsurium an Kriterien, die es zu berücksichtigen gelte. Neben Topographie, Nähe zur Wohnbebauung, Zugänglichkeit, Natur- und Trinkwasserschutz gehöre dazu auch die Flächenverfügbarkeit, um ein Vorankommen „in einem ordentlichen Zeitrahmen“ ohne Enteignungen zu erreichen. Es gebe sicherlich Kriterien, die für den ausgewählten Standort sprechen, etwa die unmittelbare Nähe zur Stromleitung. Ihr Fazit: „Für mich ist das eine nachvollziehbare Entscheidung.“