20-Hektar-Umspannwerk: Fußenberger Bürgerinitiative kritisiert Standortsuche

Bildgewaltig präsentiert die Bürgerinitiative gegen ein Umspannwerk bei Fußenberg die Idylle am Ortsrand. Weite, saftig grüne Felder, die Schützenkapelle am Hügel, Reiter, Radler und Wanderer auf den Wegen ringsum – diesen Naherholungsraum sieht die BI bedroht durch die Pläne des Stromanbieters Tennet, ein 20 Hektar großes Umspannwerk im Norden von Regensburg zu bauen.
„Ziel war schon, dass es etwas emotionaler wird“, sagt BI-Sprecher Michael Maly im Nachgang der Gründungsversammlung. Neben Zeitlarn (Suchraum A) und Haslbach (C) ist Fußenberg (B) einer der favorisierten Suchräume.
Braucht's das Umspannwerk überhaupt?
Im brechend vollen Saal des Gasthauses Gambachtal unweit der potenziellen Umspannwerk-Fläche hörten über 100 Bürger die Ausführungen der Tennet-Projektleiter, warum ein Umspannwerk für die Erhöhung der Leitungskapazität zwischen Regensburg und Schwandorf nötig sei. Es gehe schlicht um die Versorgungssicherheit.
Alles hängt am Grunderwerb
„Wir wollten wissen, wie die Reihenfolge ist bei den drei geeigneten Räumen“, erläutert Maly die brennendste Frage an die Tennet-Vertreter. Eine solche Reihenfolge werde die aktuell laufende vertiefte Untersuchung der Potenzialflächen nicht liefern, teilt Markus Kretzler, der für die Projektkommunikation zuständig ist, mit. Es werde in geeignete und nicht geeignete Räume unterteilt. In den passenden Gebieten gehe es für Tennet darum, ausreichend Flächen für das 20 Hektar große Umspannwerk zu erwerben.
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Ende Januar habe Tennet bereits begonnen, nach und nach auf Eigentümer zuzugehen, informiert Kretzler auf MZ-Nachfrage. „In den Suchräumen A und C haben wir bereits Gespräche zum Grundstückskauf geführt, im Suchraum B noch nicht.“ Dies liege schlicht an den Kapazitäten des Stromnetzbetreibers. Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch hegt Hoffnung: „Wir haben den Vorteil, dass wir viele Eigentümer haben und ein recht zerklüftetes Gebiet.“ Das erschwere zum einen den Flächenkauf, zum anderen bezweifelt Koch, dass ein 20 Hektar großes Umspannwerk überhaupt Platz finde in dem Areal.
Info: So ist der Stand bei den Suchräumen
• Fünf Suchräume haben Voruntersuchungen zunächst ergeben.
• Favorisiert sind die Suchräume A im Nordosten von Zeitlarn, B westlich von Fußenberg und C am Gewerbegebiet Haslbach.
• Suchraum D bei Grünthal ist nicht verworfen, aber in der Planung hintangestellt.
• Suchraum E im Regensburger Stadtnorden ist mittlerweile ausgeschlossen.
Auf scheiternde Grundstücksverhandlungen will sich die BI nicht verlassen, wenngleich Eigentümer am Montag vor Ort die emotionalen Plädoyers gegen das Umspannwerk bei Fußenberg gehört haben. „Die Suchräume A, B und C sind nicht gleichwertig geeignet“, ist Maly überzeugt und fordert: „Die sollen das priorisieren.“ Dass der Suchraum B bei Fußenberg in den Augen der anwesenden Bürger der ungeeignetste Standort ist, versteht sich von selbst: zu sichtbar auf einem Hügel, zu störend in einem wertvollen Naherholungsgebiet, zu nah an bestehender Wohnbebauung und geplanter Siedlungserweiterung. Außerdem bestätigte Wasserzweckverbandsvorsitzender Rudolf Ebneth die Überschneidung des Suchraums mit dem Wasserschutzgebiet.
Wir wollen, dass der Standort ausgesucht wird, der Natur und Mensch am wenigsten beeinträchtigt.
Michael Maly, Sprecher der Bürgerinitiative
Die Wenzenbacher – und auch Zeitlarns Bürgermeisterin Andrea Dobsch – sind sich einig, dass die Fläche C bei Haslbach am besten geeignet sei. „Wir wollen, dass der Standort ausgesucht wird, der Natur und Mensch am wenigsten beeinträchtigt“, argumentiert Maly. Diese Faktoren müssen in die Bewertung der Suchräume mit einfließen, es dürfe nicht allein auf die Wirtschaftlichkeit beim Grunderwerb geachtet werden.
Gesitteter Abend mit Differenzen
Trotz solcher Differenzen spricht Koch von einem „gesitteten Abend“, Kretzler begrüßt den „konstruktiven Austausch“ mit der BI und beteuert: „Die Hinweise, die an uns herangetragen werden, nehmen wir ernst und berücksichtigen sie in unserer Planung.“ Auf wenig Gehör stößt allerdings der Einwand der Bürger, das Umspannwerk sei mit 20 Hektar und einer Leistung von einem Gigawatt völlig überdimensioniert. Man plane so klein wie möglich, aber so groß wie nötig, sagt Kretzler. Der Entwurf bewege sich ohnehin am unteren Rand moderner Umspannwerke, die generell mit einer Größe von 20 bis 30 Hektar veranschlagt würden, um dem Bedarf gerecht zu werden.
„Da hat schon manche das Entsetzen gepackt, als klar wurde, wie nah man mit einem Umspannwerk an die Wohnbebauung heranrücken kann“, sagt Koch, nämlich bis auf 100 bis 200 Meter. Die gesetzlichen Grenzwerte an elektrischer und elektromagnetischer Strahlung seien bereits am Anlagenzaun unterschritten, sagt Kretzler. Die Geräuschemission werde per Gutachten am nächstgelegenen Wohnhaus ermittelt. Auch wenn räumliche Nähe zu Häusern rechtlich möglich sei, versuche man, möglichst weit von Siedlungen abzurücken.
Unterschriftenliste füllt sich
Schon vor dem Info-Abend haben die Bürgerinitiative und Gambachtal-Wirtin Sabine Stuber rund 200 Unterschriften gegen ein Umspannwerk am Standort Fußenberg gesammelt, mittlerweile geht es Richtung 300 Unterzeichner. Die BI plant als nächste Schritte Info-Schilder aufzustellen und das Schützenkappellerl ins Bewusstsein zu rücken, in Form einer Sternwanderung oder eines Gottesdienstes. Himmlischer Beistand kann sicherlich nicht schaden, um die Augen der Planer in eine andere Richtung zu lenken.
