Geplantes Umspannwerk: Zeitlarner fürchten um ihre „grüne Lunge“

Von Thomas Kreissl · 27. Juni 2025 um 05:00

Eines ist nach diesem Abend klar: Sollte die Firma Tennet tatsächlich in der Gemeinde Zeitlarn ein Umspannwerk errichten wollen, dann muss sie sich auf massiven Wiederstand gefasst machen. Dass es den schon jetzt gibt, machte am Donnerstag der Infoabend im Ristorante Belvedere deutlich. „Diese Großprojekt zerstört eines der schönsten und wertvollsten Naturgebiete unserer Gemeinde“, erklärte BI-Sprecher Erik Schlegel.

Das Thema trifft den Nerv vieler Zeitlarner. Innerhalb kürzester Zeit war der Saal im Ristorante Belvedere am Donnerstagabend restlos gefüllt. Es musste die Zwischenwand geöffnet werden, um alle Besucher unterzubringen. Gut 100 waren es schließlich, die wissen wollten, was es mit dem Großprojekt auf sich hat, das im Norden von Regensburg entstehen soll. Die meisten davon trugen sich im Anschluss in die erstmals aufliegenden Unterschriftenlisten ein. Rund 150 Zeitlarner haben dort schon gegen das Umspannwerk unterschrieben. „Aber wir fangen ja gerade erst an“, betonte Schlegel.

22 Anlagen entstehen im Freistaat

Zuvor hatten die beiden Tennet-Vertreter zweieinhalb Stunden lang alle Hände voll zu tun, um sich der Kritik und den Argumenten der Zeitlarner zu erwehren. Die Ausgangslage skizzierte Markus Kretzler, der Referent für Bürgerbeteiligung. Demnach gelte es, bis 2045 den sich bis dahin verdoppelnden Stromverbrauch und eine Verfünffachung der installierten Leistung aus erneuerbaren Energien zu bewältigen. Das stelle die Netzbetreiber vor große Herausforderungen. „Im Norden gibt es große Erzeugungsspitzen und im Süden große Verbrauchsspitzen – die müssen wir zusammenbringen“, erklärte Kretzer. Dafür baut Tennet insgesamt 22 Umspannwerke im Freistaat.

Eines soll nach Auskunft von Gesamtprojektleiter Gunnar Heinitz künftig die Stromversorgung der Region rund um Regensburg sichern. Denn dafür müsse die Kapazität der bestehenden 220-/110-Kilovolt-Freileitung zwischen Regensburg und Schwandorf erhöht und im Endausbau auf 380-Kilovolt umgestellt werden. Das ist allerdings zu viel für das bestehende Umspannwerk im Regensburger Osten. Der Projektleiter führte hier Platzgründe an und eine nur schwer umzusetzende Aufrüstung der zu schwachen Leitung dorthin. Diese führe nämlich mitten durch die Vorgärten von Wohngebieten.

Das Umspannwerk Bergrheinfeld/West im Landkreis Schweinfurt hat in etwa die Dimensionen der geplanten Anlage im Norden von Regensburg. - Foto: Thomas Köhler, Tennet

Die neue Anlage benötigt eine Fläche von etwa 20 Hektar. Heinitz begründete dies vor allem damit, dass die Luft als Isolationsmedium genutzt wird, was große Abstände der einzelnen Bauteile erfordere. Insgesamt fünf Suchräume für mögliche Standorte hat Tennet im Rahmen der Voruntersuchungen ausgemacht. Drei davon sind derzeit in der engeren Wahl. Einer davon sind vor allem landwirtschaftlich genutzte Flächen westlich von Mühlhof und Zeitlarn bis zum Waldrand. Die Freileitung nach Schwandorf führt hier mitten durch. Die beiden anderen Suchräume liegen in der Gemeinde Wenzenbach und bei Haslbach in Regensburg.

Andere Isolationsmöglichkeit als Alternative?

„Der Zeitlarner Suchraum ist ungeeignet“, stellte der BI-Sprecher fest. Er stört sich vor allem an den Ausmaßen der Anlage, die in Zeitlarner Siedlungsgebieten der Fläche entsprechen würde, in der 500 Menschen leben. Schlegel verwies darauf, dass es deutlich kleinere Umspannwerke gebe, die zum Teil mit anderen Isolationsmöglichkeiten arbeiten. Harro Lührmann erwähnte eine gasisolierte Schaltanlage. Die sei teurer, schaffe aber mehr Akzeptanz und Flexibilität. Nach Aussage von Heinitz sind die dafür verwendeten Gase allerdings extrem klimaschädlich.

Franz Waldmann von der Kreisgruppe des Bund Naturschutz zweifelte an der Notwendigkeit des Umspannwerks. Er geht davon aus, dass es ausreicht, die Leitung aus Schwandorf zu ertüchtigen. Er forderte, reelle und objektive Alternativen zu prüfen. „Der Netzausbau muss mit Maß und Ziel an den richtigen Stellen erfolgen“, forderte er. Um den Erhalt eines wichtigen Naherholungsgebiets für die Zeitlarner geht es BI-Sprecher Schlegel. „Dieses Gebiet hat eine große Bedeutung für die Freizeitgestaltung und Erholungsaktivitäten“, sagte er. Zudem gelte es, landwirtschaftliche Flächen und Lebensräume für Flora und Fauna zu erhalten. Insbesondere sorgen sich die Mitglieder der BI um den Bestand von Feldlerche und Wachtel. Und sie fürchten Strahlungs- und Lärmbelastung sowie Wertverlust für die Immobilien.

Bürgermeisterin geht auf Grundstückseigentümer zu

Kämpferisch gab sich die Zeitlarner Bürgermeisterin Andrea Dobsch. „Ich habe 6000 Bürger im Rücken“, ließ sie die Tennet-Vertreter schon mal wissen und unterstrich den Wert des Gebiets für Zeitlarn. „Das ist unsere grüne Lunge“, erklärte sie und warnte davor, diese Flächen zu versiegeln. Mit Blick auf das Sturzflutrisikomanagement erinnerte sie daran, dass jeder Eingriff die Fließgebiete beeinflusse. Andererseits sieht sie in diesem Bereich aber auch die Baulandentwicklung der Gemeinde beeinträchtigt. Dobsch kündigte an, selbst auf die Grundstückseigentümer in dem Gebiet zuzugehen: „Wir wollen sie dafür sensibilisieren, diese grüne Lunge zu erhalten.“

Schon genug mit Großprojekten belastet ist der Landkreis nach Ansicht von Harald Hillebrand. „Es muss auch mal gut sein“, forderte der persönliche Referent der Landrätin, der zunächst Tanja Schweiger vertrat. Er kritisierte die Vorgehensweise bei der Standortsuche. „Landkreis und Gemeinden haben hier keine Entscheidungsmöglichkeiten“, monierte er. Schweiger selbst traf erst zur Diskussion in Zeitlarn ein und bezeichnete das geplante Umspannwerk als Herausforderung, die nicht schön sei. „Die Dimension hat mich schon erschrocken“, betonte sie.

So geht es jetzt weiter

Für das Umspannwerk konzentriert sich Tennet auf drei Suchgebiete in Zeitlarn, Regensburg und Wenzenbach. Hier laufen derzeit vertiefte Untersuchungen. Diese Bewertung berücksichtigt verschiedene Faktoren wie Umweltauswirkungen und technische Machbarkeit.

Zeitplan: In den nächsten Monaten laufen Gespräche mit potenziell betroffenen Eigentümern. Die Vorbereitungen für das Genehmigungsverfahren sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen. Tennet hofft auf eine Genehmigung bis Ende 2027. Der Baubeginn soll dann im Jahr 2028 erfolgen.