Umspannwerke: Regensburgs Landrätin fordert mehr Mitsprache für die Kommunen

Landrätin Tanja Schweiger fordert eine bessere Einbindung der Kommunen beim Netzausbau der Firma Tennet. Hintergrund sind die Planungen zum Bau zweier Umspannwerke im Landkreis Regensburg. „Die Akzeptanz der Energiewende hängt maßgeblich davon ab, ob die Gemeinden tatsächlich mitgestalten können – und nicht nur zuschauen“, betont sie einem Schreiben an die Bundestagabgeordneten der Region. Die MZ hat bei den Politikern nachgefragt.
Laut der Landrätin hatte Tennet nur mitgeteilt, dass die Standortsuche durch das Unternehmen selbstständig vorangetrieben wird und die Kommunen lediglich über die Ergebnisse informiert werden sollen. Betroffen sind neben dem kleinen Ort Hungersacker im Bereich der Stadt Wörth auch Flächen bei Zeitlarn und Wenzenbach. Die Landrätin sieht das Vorgehen kritisch. Die Standortsuche erfolge so weitgehend ohne aktive Beteiligung der betroffenen Städte und Gemeinden.
„Gerade bei einem Flächenbedarf von rund 20 bis 30 Hektar braucht es aber Transparenz und eine abgestimmte Vorgehensweise, betont Schweiger. Sie appelliert an die Bundespolitik, klare Rahmenbedingungen zu schaffen, damit kommunale Planungshoheit auch bei überregionalen Infrastrukturprojekten gewahrt bleibt.
Bürgermeister: „Wir waren da zunächst komplett außen vor“
„Wir waren da zunächst komplett außen vor“, sagt der Wörther Bürgermeister Josef Schütz über das Vorhaben von Tennet ein großes Umspannwerk bei Hungersacker bauen zu wollen. Schütz ist überzeugt, dass nur der Widerstand aus Wörth und die Intervention einiger Bundestagsabgeordneter bei Tennet dafür gesorgt haben, Alternativstandorte in Betracht zu ziehen. Er nennt hier Martina Englhardt-Kopf und Peter Aumer von der CSU sowie Dr. Carolin Wagner von der SPD.
Für Schütz ist es unbestritten, dass die Umspannwerke erforderlich sind. Deshalb hatte die Kommune selbst einen Standort in einem Waldgebiet zwischen Wörth und Hungersacker vorgeschlagen. Die Fläche wird ebenso untersucht wie Flächen bei Kirchroth. Hungersacker selbst ist nach den Informationen von Schütz zurückgestellt. Wie die Entscheidung letztlich ausgeht, wird aber wohl erst Ende des Jahres feststehen, hat das Unternehmen angekündigt. „Wir erfahren das alles immer nur scheibchenweise“, moniert Schütz.
Der Gemeinde Zeitlarn fehlen konkrete Aussagen
Die Gemeinde Zeitlarn steht seit 2024 im Austausch mit Tennet, teilt Bürgermeisterin Andrea Dobsch mit. Ihren Worten zufolge hat die Gemeinde mehrfach klargestellt, warum und an welchen Standorten ein Umspannwerk nicht umgesetzt werden könne. Ein Austausch finde also grundsätzlich statt – „es fehlt jedoch bislang an konkreten Aussagen darüber, welche Flächen aktuell Gegenstand von Prüfungen oder Verhandlungen sind“, kritisiert Dobsch. Diese fehlende Transparenz führe bei der Bevölkerung und im Rathaus zu erheblicher Verunsicherung. Für Dobsch wäre wünschenswert, frühzeitig in konkrete Ankaufsüberlegungen und Standortplanungen einbezogen zu werden.
Ihrem Bürgermeisterkollegen Sebastian Koch aus Wenzenbach fehlt ein sauberes Ranking bei der Bewertung von möglichen Flächen. Er befürchtet, dass für den Netzbetreiber letztlich nur die Verfügbarkeit und die Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielen, während Kriterien wie Lebensqualität, Landschaftsbild, Natur- und Artenschutz außen vor bleiben. Hier wünscht er sich ebenso wie Tanja Schweiger mehr Mitspracherecht der Kommunen.
Stefan Schmidt warnt vor bürokratischen Hürden
„Die Landrätin hängt das Thema ein bisschen höher, als es ist“, erklärt dagegen Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt von den Grünen. Seinen Informationen zufolge gibt es noch keinerlei konkrete Standortentscheidungen zu den Umspannwerken, sondern nur Untersuchungen von möglichen Gebieten. Tennet stehe hier nach eigenen Angaben ganz am Anfang und in Kontakt mit den Gemeinden und Grundstückseigentümern, hat Schmidt auf Nachfrage erfahren. Er warnt vor zusätzlichen bürokratischen Hürden und zeitlichen Verzögerungen. „Wir brauchen den Netzausbau und die Standorte gerade auch für die Vielzahl von PV-Anlagen“, betont Schmidt und schlägt der Landrätin vor, sich mit Tennet zusammenzusetzen und miteinander über mögliche Standorte zu reden.
Dieser Meinung ist auch Carolin Wagner. Sie empfiehlt der Landrätin mehr Pragmatismus in der Standortfrage. „Ich hätte einfach bei Tennet angerufen und nachgefragt, wenn ich mich nicht mitgenommen fühle“, betont die SPD-Abgeordnete. Ihrer Ansicht nach zeigt das Beispiel Hungersacker, dass die Bürgermeister involviert würden und Tennet auf Einwendungen reagiere. „Ich kann nicht erkennen, wo die Kommunen zu wenig eingebunden werden“, sagt Wagner.
Peter Aumer bietet Schulterschluss an
Demgegenüber teilt Peter Aumer die Sorge der Landrätin bei zu den beiden Umspannwerken. Der Bundestagabgeordnete des CSU hat nach eigenen Worten bei Vor-Ort-Terminen mit Tennet, dem Bayernwerk, den Bürgermeistern und der Öffentlichkeit die Interessen der Region gezielt und nachhaltig eingefordert. „Tennet habe ich deutlich mitgeteilt, dass eine Entscheidung über die Umspannwerke nur im Einklang mit der Region stattfinden darf“, erklärt Aumer, der will, dass örtliche Belange in die Raumanalysen miteinfließen. Er fordert deshalb von Tennet vor einer Entscheidung weitere Gespräche mit Politik und Bürgern. Aumer bietet Schweiger einen Schulterschluss an, um gemeinsam die Interessen der Region zu vertreten.
In eine ganz andere Richtung zielt AfD-Abgeordnete Carina Schießl. Sie lehnt die Energiewende mit dem damit einhergehenden erhöhten Bedarf an Umspannwerken grundsätzlich ab und setzt stattdessen auf grundlastfähige Energieversorgung. „Dies ist nicht nur für den Erhalt unseres Industriestandortes essenziell, sondern auch für die Kulturlandschaft", erklärt sie.