Abschied von Beratzhausen: Dr. Maximilian Bolch baut in Waldsassen Versorgungszentrum mit auf

Von Marion Neumann · 15. August 2025 um 15:00

Von der Hausarztpraxis in Beratzhausen zieht es Dr. Maximilian Bolch ins Stiftland nach Waldsassen. Der 31-Jährige und die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin Sonja Zölch gehören zu einem Gründungsteam, das dort ein kommunales medizinisches Versorgungszentrum aufbaut. Ein Modell, das auch im Landkreis Regensburg funktionieren könnte?

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Der letzte Tag in der Hausarztpraxis in Beratzhausen ist vergangen, der Großteil des Umzugs von Regensburg nach Waldsassen ist geschafft: Dr. Maximilian Bolch ist bereit für ein neues Kapitel. „Ich habe eine Wohnung in einem schönen Viertel unterhalb vom Kloster gefunden“, sagt er. „Die Suche war allerdings gar nicht so einfach. Wahrscheinlich, weil die Leute, die dort leben, so schnell nicht wegziehen.“

In der 6700 Einwohner großen Stadt im Landkreis Tirschenreuth wird Bolch ein spannendes Projekt starten. Zusammen mit der gelernten Gesundheits- und Krankenpflegerin Sonja Zölch gehört er zum Gründungsteam, das mit Unterstützung des Bürgermeisters der Stadt im Stiftland aus dem leerstehenden Krankenhaus von Waldsassen ein kommunal geführtes medizinisches Versorgungszentrum – kurz MVZ – machen will. Unter dem Namen „Die stift.land.ärzte“ soll damit eine breit aufgestellte landärztliche Versorgung für alle Altersgruppen angeboten werden.

Arzt – oder Betriebswirt?

„Es soll eine sehr bodenständige Struktur werden, wo man Kontakt zu den Menschen hat. Wo der Arzt durch die Stadt spaziert und man ihn kennt“, erklärt er. Auch für die Mediziner hätte das System Vorteile. „Ein Aspekt ist, dass das Thema Betriebswirtschaft im Medizinstudium und in der gesamten Ausbildung eigentlich nicht vorhanden ist“, sagt Bolch. „Wenn man Eigentümer einer Praxis ist, fordert das System aber, dass man ein Stück weit Betriebswirt wird.“ Auch Verantwortung für das Personal würde dazu kommen. „Das ist schon ein hoher Druck“, sagt er. In einem MVZ, als angestellter Arzt, sei die Verantwortung stattdessen auf mehreren Schultern verteilt. „Und trotzdem bietet sich in unserem Fall die Möglichkeit, die Struktur mitzugestalten.“

Einen Teil der Angestellten, Mediziner und weiteres Personal für das Projekt im Nordosten der Oberpfalz habe sich schon gefunden, sagt Sonja Zölch. Auf der Suche sei man aktuell unter anderem noch nach einem Kinderarzt, für den ebenfalls geeignete Räumlichkeiten bereitstehen würden. Die 38-Jährige selbst wird in Waldsassen als Gründungsmanagerin arbeiten. „Ich koordiniere den Aufbau des MVZ – von baulichen Maßnahmen bis hin zur Zulassung und Einstellung von Ärzten, Pflegepersonal und medizinischen Fachangestellten.“

Bezug zu Regensburg soll bleiben

Gekreuzt haben sich die beruflichen Wege von Zölch und Bolch vor zehn Jahren an der Medbo in Regensburg. „Ich bin in der Nähe von Waldsassen aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Als ich nach Regensburg gekommen bin, war ich auch sehr glücklich – aber letztendlich hat es mich doch wieder in die Heimat verschlagen. Dort hat man die Natur vor der Tür, man grüßt sich – und irgendwie ist die Welt noch in Ordnung“, sagt die Mutter von drei Kindern, die zusätzlich als Hopfenbauerin tätig ist.

Der Region Regensburg komplett den Rücken kehren, wollen die beiden jedoch nicht. „Der Bezug zu Regensburg wird nicht abhanden kommen“, sagt Bolch. „Ich habe ja weiterhin Freunde hier, bei denen ich unterkommen kann.“ Der 31-Jährige glaubt, dass es vielen Medizinern ähnlich gehe wie ihm: Nach der Ausbildung in der Stadt ziehe es sie irgendwann wieder hinaus in die ländliche Gegend. Seine Ausbildungspraxis in Beratzhausen, wo er in den letzten beiden Jahren tätig gewesen ist, sei dabei noch ein Spezialfall gewesen. „Ich habe Beratzhausen als eine Art Hybrid zwischen Stadt und Land erlebt. Viele Leute, die dort leben, arbeiten in Regensburg – und gelegentlich sind auch Patienten aus der Stadt zu uns gekommen.“ Der Anstellungsvertrag dort sei befristet gewesen. „Das stand von Anfang an fest – und ich hoffe, dass dort niemand allzu enttäuscht ist.“ Jede Stelle, erklärt er, müsse von der Kassenärztlichen Vereinigung genehmigt werden – und in Beratzhausen sei der Mangel an Medizinern nicht allzu groß.

Drohender Ärztemangel: Viele Mediziner sind über 60

Die Eröffnung des kommunalen Versorgungszentrums sei im kommenden Frühjahr geplant. Das „Mindset“ aus der Zeit im Landkreis Regensburg möchte sich Bolch für die Arbeit dort beibehalten, sagt er. „Vom Medizinischen her würde ich sagen, dass ich die Erfahrungen aus Beratzhausen eins zu eins auch in Waldsassen anwenden kann“, sagt er. Obwohl es aus dem Markt im westlichen Landkreis nicht so weit in die Stadt zum nächsten Krankenhaus gewesen sei, habe man auch dort versucht, Patienten wenn möglich die Fahrerei zu ersparen. „Das wünsche ich mir auch für die Struktur in Waldsassen.“

Dass zukünftig auch im Landkreis Regensburg kommunale medizinische Versorgungszentren entstehen könnten, halten Bolch und Zölch nicht für ausgeschlossen. „Auch hier im Umland sind viele Mediziner über 60 Jahre alt und werden wegfallen“, erklärt Zölch. „Was passiert dann mit ihren Praxen, und wohin sollen die Patienten?“ Im ländlichen Raum würde man langfristig nicht an neuen Modellen vorbeikommen, wenn man die Versorgung sicherstellen wolle.

Sollten sich etwa der Bürgermeister von Bernhardswald oder ein Stadtratsmitglied aus Hemau für ähnliche Strukturen wie dem Projekt in Waldsassen interessieren, stünden sie beide gerne für einen Austausch bereit, sagt Bolch. „Eine solche Struktur umzusetzen, ist natürlich auch eine administrative und verwaltungstechnische Hürde. Deshalb dürfen andere gerne auf uns zukommen, damit wir uns gegenseitig unterstützen können.“

Info: Alles unter einem Dach

• Zentrum: Ein Kommunales Medizinisches Versorgungszentrum ist eine Einrichtung, in der mehrere Ärzte und gesundheitsbezogene Einrichtungen zusammengefasst sind.

• Versorgung: Vor allem im ländlichen Raum sind solche Strukturen eine der Möglichkeiten, um die ambulante ärztliche Versorgung auch in der Zukunft zu gewährleisten.